Osram - Beleuchtungs-Rezepte für das Kraftfahrzeug unter Berücksichtigung der Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung,

Osram G.m.b.H. Berlin, 19 Seiten, mit Abbildungen, Kartoniert, A6 Kleinformat. Zustand 2
505542
18,00

Osram - Beleuchtungs-Rezepte für das Kraftfahrzeug unter Berücksichtigung der Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung,

Die vorliegende Broschüre "Beleuchtungs-Rezepte für das Kraftfahrzeug unter Berücksichtigung der Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung" der Osram G.m.b.H. Berlin repräsentiert ein faszinierendes Dokument aus der Zwischenkriegszeit oder der frühen NS-Periode, als die Motorisierung in Deutschland rapide zunahm und gleichzeitig strenge Verkehrsvorschriften etabliert wurden.

Osram, gegründet 1919 durch die Fusion mehrerer deutscher Glühlampenhersteller, entwickelte sich schnell zum führenden Beleuchtungshersteller in Deutschland. Der Name selbst ist ein Akronym aus den Hauptbestandteilen der Glühfadenherstellung: Osmium und Wolfram (Wolfram = englisch "tungsten"). Das Unternehmen spielte eine zentrale Rolle bei der technischen Entwicklung der Fahrzeugbeleuchtung, die in den 1920er und 1930er Jahren von entscheidender Bedeutung für die Verkehrssicherheit war.

Die Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung, auf die sich diese Publikation bezieht, wurde erstmals 1934 erlassen und stellte eine umfassende Vereinheitlichung der Verkehrsregeln im Deutschen Reich dar. Sie ersetzte die zuvor geltenden regionalen Bestimmungen und schuf ein einheitliches Regelwerk für alle Verkehrsteilnehmer. Besonders die Vorschriften zur Fahrzeugbeleuchtung waren komplex und detailliert, da sie sowohl Sicherheitsaspekte als auch militärische Überlegungen berücksichtigten.

Das Kleinformat A6 dieser 19-seitigen Broschüre deutet darauf hin, dass sie als praktischer Ratgeber für Kraftfahrer konzipiert war, der leicht im Handschuhfach verstaut werden konnte. Solche technischen Anleitungen waren in den 1930er Jahren besonders wichtig, da viele Fahrzeughalter noch keine umfassende Erfahrung mit der damals noch relativ neuen Automobiltechnologie hatten.

Die "Beleuchtungs-Rezepte" behandelten vermutlich verschiedene Aspekte der Fahrzeugbeleuchtung: Die korrekte Installation und Wartung von Scheinwerfern, Schlussleuchten, Bremslichtern und Blinkern, die richtige Einstellung der Leuchtweite, die Verwendung unterschiedlicher Lampentypen für verschiedene Zwecke sowie die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bezüglich Lichtfarbe und Leuchtstärke.

Im militärischen Kontext gewann diese Thematik zusätzliche Bedeutung. Die Wehrmacht und andere militärische Organisationen benötigten zuverlässige Beleuchtungssysteme für ihre Fahrzeugflotten. Gleichzeitig mussten militärische Fahrzeuge auch für Verdunkelungsfahrten ausgerüstet sein – eine Fähigkeit, die im Zweiten Weltkrieg überlebenswichtig wurde. Osram entwickelte spezielle Tarnlichtlampen, die nur einen minimalen Lichtschein abgaben und von feindlichen Luftaufklärern schwer zu erkennen waren.

Die technische Entwicklung der Fahrzeugbeleuchtung in dieser Epoche war bemerkenswert. Von einfachen Karbidlampen der frühen Automobile hatte sich die Technologie zu elektrischen Systemen mit Bilux-Lampen (Zweifadenlampen für Fern- und Abblendlicht) entwickelt, die Osram in den 1920er Jahren eingeführt hatte. Diese Innovationen verbesserten die Verkehrssicherheit erheblich und ermöglichten erstmals sichere Nachtfahrten.

Publikationen wie diese dienten auch der Standardisierung und Normierung im deutschen Verkehrswesen. Sie halfen Kraftfahrern, Werkstätten und Behörden, ein einheitliches Verständnis der technischen und rechtlichen Anforderungen zu entwickeln. Dies war besonders wichtig in einer Zeit rasanter Motorisierung, in der die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge von etwa 100.000 im Jahr 1920 auf über 2 Millionen im Jahr 1938 anstieg.

Der Erhaltungszustand 2 (in einer Skala von 1-6, wobei 1 neuwertig ist) deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit leichten Gebrauchsspuren hin. Solche zeitgenössischen technischen Dokumentationen sind heute historisch wertvoll, da sie authentische Einblicke in die Alltagstechnik und die regulatorischen Rahmenbedingungen der damaligen Zeit bieten.

Als Sammlerstück dokumentiert diese Broschüre nicht nur die Geschichte der Automobiltechnik, sondern auch die zunehmende Bürokratisierung und Reglementierung des öffentlichen Lebens im Deutschland der 1930er Jahre. Sie steht exemplarisch für die Verbindung von kommerziellen Interessen (Osram als Hersteller), staatlicher Regulierung (Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung) und technischem Fortschritt in einer transformativen Periode der deutschen Geschichte.