Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Kameradschaftsälteste

altsilberfarben, aus Eisen, Hersteller : Assmann 39, an Nadel, Zustand 2.
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85,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Kameradschaftsälteste

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Brosche für Kameradschaftsälteste stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Arbeitsdienstorganisation dar, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland existierte. Diese spezielle Brosche wurde an Führerinnen auf der Ebene der Kameradschaftsältesten verliehen und diente als Erkennungszeichen ihrer Position innerhalb der hierarchischen Struktur des weiblichen Arbeitsdienstes.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde 1935 durch das Reichsarbeitsdienstgesetz als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen etabliert. Während der männliche RAD bereits früher organisiert wurde, entwickelte sich der weibliche Zweig, der RAD/wJ, parallel dazu und wurde im September 1939 mit Kriegsbeginn zur Pflicht für alle jungen Frauen zwischen 17 und 25 Jahren. Die Organisation sollte junge Frauen auf ihre Rolle in der nationalsozialistischen Gesellschaft vorbereiten und gleichzeitig praktische Arbeitskraft für landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Aufgaben bereitstellen.

Die hierarchische Struktur des RAD/wJ war streng gegliedert. Die Kameradschaftsälteste stand an der Spitze einer Kameradschaft, der kleinsten Einheit, die typischerweise aus etwa 30 bis 40 jungen Frauen bestand. Diese Führungsposition erforderte besondere Qualifikationen und Zuverlässigkeit im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Die Kameradschaftsälteste war verantwortlich für die Disziplin, die ideologische Schulung und das tägliche Funktionieren ihrer Einheit.

Die vorliegende Brosche wurde vom Hersteller Assmann gefertigt, einem der bedeutendsten Produzenten von militärischen Auszeichnungen und Abzeichen während der NS-Zeit. Die Firma Richard Assmann & Söhne aus Lüdenscheid war bekannt für ihre qualitativ hochwertigen Militaria-Produkte. Die Herstellermarkierung “Assmann 39” deutet auf das Produktionsjahr 1939 hin, ein bedeutsames Jahr, das den Beginn des Zweiten Weltkriegs und die Einführung der Arbeitsdienstpflicht für Frauen markiert.

Die Brosche ist aus Eisen gefertigt und in altsilberfarbener Ausführung gehalten. Die Verwendung von Eisen anstelle von Edelmetallen war während der NS-Zeit üblich, besonders nach Kriegsbeginn, als Metalle für die Rüstungsindustrie rationiert wurden. Die altsilberne Färbung verlieh dem Abzeichen dennoch ein würdiges Erscheinungsbild, das der Bedeutung der Position angemessen war.

Das Design solcher Broschen folgte typischerweise den ikonographischen Elementen des RAD: häufig waren stilisierte Arbeitsgeräte wie Spaten oder das RAD-Symbol zu sehen, kombiniert mit nationalsozialistischen Emblemen. Die Broschen für Führerinnen unterschieden sich in ihrer Ausführung von den einfacheren Abzeichen der regulären Arbeitsdienstmädchen und signalisierten deutlich den Rang ihrer Trägerinnen.

Der weibliche Reichsarbeitsdienst umfasste zu seinem Höhepunkt mehrere hunderttausend junge Frauen. Sie wurden hauptsächlich in der Landwirtschaft, in Kindergärten, bei der Erntehilfe und in hauswirtschaftlichen Betrieben eingesetzt. Mit fortschreitendem Krieg wurden die Arbeitsdienstleistenden zunehmend auch in kriegswichtigen Bereichen wie der Flugabwehr und in Lazaretten eingesetzt. Die Dienstzeit betrug zunächst sechs Monate, wurde aber im Kriegsverlauf mehrfach verlängert.

Die Uniform des RAD/wJ bestand aus einem praktischen blauen Rock, einer braunen Jacke und einem charakteristischen braunen Hut. An dieser Uniform wurden verschiedene Abzeichen und Rangkennzeichen getragen, wobei die Brosche der Kameradschaftsältesten eine besondere Stellung einnahm. Sie wurde an der Jacke oder Bluse getragen und war sofort als Zeichen der Autorität erkennbar.

Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Quellen für das Verständnis der nationalsozialistischen Organisationsstruktur und der Rolle von Frauen im Dritten Reich. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie und die Militarisierung auch der zivilen Gesellschaft. Der RAD/wJ war Teil des Systems der totalen Erfassung und Indoktrination der Jugend.

Nach 1945 wurde der Reichsarbeitsdienst aufgelöst, und seine Symbole und Abzeichen wurden Teil der historischen Überlieferung. Heute finden sich solche Objekte in Museen und Sammlungen, wo sie als Anschauungsmaterial für historische Forschung und Bildung dienen. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität und eine klare Kontextualisierung ihrer Herkunft aus einer verbrecherischen Diktatur.