SS-Porzellanmanufaktur Allach Pallas Athene
1938 wurde diese Figur in einer Auflage von 600 Stück hergestellt. Sie wurde als Geschenk- und Präsentationsstück zum Tag der deutschen Kunst in München 1938 verschenkt.
Die Pallas Athene-Figur der SS-Porzellanmanufaktur Allach verkörpert die komplexe Verflechtung von künstlerischem Handwerk und nationalsozialistischer Kulturpropaganda im Dritten Reich. Diese Porzellanfigur wurde 1938 in einer limitierten Auflage von 600 Stück speziell für den Tag der Deutschen Kunst in München hergestellt und diente als Geschenk- und Präsentationsstück für Würdenträger, Künstler und geehrte Gäste dieser bedeutenden Propagandaveranstaltung.
Die Manufaktur Allach wurde 1935 als Privatunternehmen in Allach bei München gegründet und ein Jahr später von der SS übernommen. Unter der direkten Kontrolle von Heinrich Himmler entwickelte sich die Fabrik zu einem wichtigen Bestandteil der SS-Wirtschaftsunternehmen. 1937 erfolgte die Verlegung der Produktion in die Nähe des Konzentrationslagers Dachau, wo ab 1940 Zwangsarbeiter aus dem Lager eingesetzt wurden. Die Manufaktur spezialisierte sich auf die Herstellung von Präsentationsstücken und Staatsgeschenken für das NS-Regime.
Als künstlerischer Direktor fungierte Professor Theodor Kärner (1884-1966), einer der renommiertesten deutschen Porzellankünstler seiner Zeit, der 1934 für diese Position eingestellt wurde. Am 20. April 1938 wurde Kärner zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München ernannt und erhielt für seine Tätigkeit bei Allach den Ehrenrang eines SS-Hauptsturmführers. Die Pallas Athene-Figur war eine Sonderanfertigung Kärners, geschaffen als weißglasierte Porzellanfigur mit einer Höhe von 20 Zentimetern. Auf der Rückseite des Sockels trägt sie die Inschrift "Tag der Deutschen Kunst 1938".
Der Tag der Deutschen Kunst, für den diese Figur geschaffen wurde, fand vom 8. bis 10. Juli 1938 in München statt. Diese jährliche Veranstaltung, die von 1933 bis 1939 durchgeführt wurde, war eine zentrale kulturpolitische Propagandaveranstaltung des NS-Regimes. Sie umfasste die Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst sowie Festzüge, Feierlichkeiten und Präsentationen zur Förderung der offiziell sanktionierten Kunst. Die Ausgabe von 1938 war besonders aufwendig gestaltet und beinhaltete einen monumentalen historischen Festzug mit dem Titel "2000 Jahre deutsche Kultur", der die germanische Geschichte von der Antike bis zur nationalsozialistischen Gegenwart darstellte.
Die Wahl der Pallas Athene als Motiv war symbolisch bedeutsam: Die griechische Göttin der Weisheit und der Kunst verkörperte die Ideale, die das Regime für seine Kulturpolitik beanspruchte. Die Allach-Manufaktur produzierte dekoratives Porzellan, das eine idealisierte germanische Kultur zelebrierte und den ästhetischen Vorstellungen der NS-Führung entsprach.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 stellte die Allach-Manufaktur mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes ihre Produktion ein. Theodor Kärner wurde von 1945 bis 1947 im Entnazifizierungslager Moosbach interniert. Nach seiner Entlassung arbeitete er von 1947 bis 1953 als Leiter der Kunstabteilung bei der Porzellanfabrik Eduard/Eschenbach und kehrte später als freier Mitarbeiter zu Rosenthal zurück. Kärner verstarb 1966 in München. Franz Nagy könnte nach dem Krieg eine begrenzte Produktion am Allach-Standort wieder aufgenommen haben, da einige Nachkriegsstücke mit einem "N"-Zeichen anstelle der SS-Runen existieren.
Heute sind Allach-Porzellane Sammlerstücke, deren Verbindung zur SS und zur Zwangsarbeit während des Holocaust sie jedoch zu kontroversen Objekten macht. Die Figuren werden über Militaria-Händler und Auktionshäuser verkauft, die auf Artefakte aus der NS-Zeit spezialisiert sind.