Südwestafrika Denkmünze für Nichtkämpfer
Die Südwestafrika-Denkmünze für Nichtkämpfer stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte dar und wurde am 19. März 1907 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Diese Auszeichnung sollte die Verdienste während der Niederschlagung der Herero- und Nama-Aufstände im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, würdigen. Der Verleihungszeitraum erstreckte sich vom Januar 1904 bis zum 31. März 1907, eine Periode, die von extremer Brutalität unter dem Kommando von Generalleutnant Lothar von Trotha geprägt war und heute als Völkermord an den Herero und Nama anerkannt wird, was die deutsche Bundesregierung im Jahr 2021 offiziell bestätigte.
Der Entwurf der Medaille stammte von Kaiser Wilhelm II. persönlich, während die Stempel von Otto Schultz geschnitten wurden, der 1902 Erster Graveur der Königlich-Preußischen Münze in Berlin geworden war. Die verliehene Ausführung für Nichtkämpfer wurde aus Stahl gefertigt, im Gegensatz zur Bronzeversion für Kämpfer. Originale verliehene Stücke tragen die charakteristische Signatur des Stempelschneiders im Halsabschnitt, während spätere Nachprägungen und Ersatzstücke diese Signatur nicht aufweisen.
Die Vorderseite zeigt das nach links gewandte Haupt der Germania mit geflügeltem Helm. Links ist die gebogene Inschrift SUEDWEST AFRIKA angebracht, rechts etwas tiefer die Jahreszahlen 1904-06. Ein charakteristisches Merkmal originaler Stücke ist die V-förmige Querstange im Buchstaben “A”. Die Rückseite präsentiert im Zentrum die Kaiserkrone mit beidseitigen Bändern, darunter ein gotisches W mit römischen Ziffern I auf beiden Seiten des Mittelbalkens, was Wilhelm II. repräsentiert. Unter diesem findet sich ein Lorbeerzweig, der die Nichtkämpferversion kennzeichnet, während die Kämpferversion zwei gekreuzte Schwerter zeigt. Die umlaufende Inschrift lautet VERDIENST UM DIE EXPEDITION, im Unterschied zur Kämpferversion mit der Inschrift “DEN SIEGREICHEN STREITERN”.
Zur Verleihung der Nichtkämpferversion waren verschiedene Personengruppen berechtigt: Angehörige der Schutztruppe, die an der Vorbereitung, Organisation und Entsendung der südwestafrikanischen Streitkräfte teilnahmen oder die Interessen der entsandten Truppen außergewöhnlich unterstützten; Besatzungsmitglieder von Schiffen, die ausschließlich mit dem Transport von Truppen und Kriegsmaterial nach und von Südwestafrika beauftragt waren; Zivilisten wie Postbeamte, Missionare, Ärzte, medizinisches Personal, Kaufleute, Siedler und andere Zivilpersonen, die militärische Operationen unterstützten; sowie Mitglieder von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz. Im Jahr 1908 wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten auf Teilnehmer der Kalahari-Expedition erweitert.
Ein bemerkenswerter Aspekt der Verleihungsgeschichte betrifft die Cape Police aus der Kapkolonie: 105 Angehörige dieser britischen Einheit erhielten im Januar 1909 die Bronze-Kämpferversion mit der Spange “Kalahari 1907” nach ihrer Beteiligung an der Verfolgung des Nama-Führers Jakob Marengo im September 1907. Dies war der einzige Fall, in dem eine deutsche Kaiserliche Medaille en bloc an eine britische Einheit verliehen wurde. Ein dokumentierter Empfänger war Kapitän zur See Max Grapow, dessen Verleihungsurkunde von Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet wurde.
Für die Nichtkämpferversion waren keine Gefechtsspangen autorisiert, während für die Kämpferversion 16 verschiedene Gefechtsspangen existierten. Die Medaille wurde mittels eines Ringes an einem Band befestigt, wobei originale Bänder heute für Sammler besonders wertvoll sind.
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 entfernten südafrikanische Träger die Medaille von ihren Uniformen, und sie erschien für viele Jahre nicht mehr. Aus heutiger Sicht muss die historische Bewertung dieser Auszeichnung kritisch erfolgen, da sie nicht nur deutsche Kolonialgeschichte dokumentiert, sondern auch symbolisch ein System kolonialer Unterdrückung und Gewalt repräsentiert, einschließlich Handlungen, die heute als Völkermord anerkannt sind. Die Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama durch die deutsche Bundesregierung im Jahr 2021 verleiht solchen historischen Objekten besondere Bedeutung als materielle Zeugen dieser Geschichte. Für Sammler und Militärhistoriker sind authentische Exemplare heute relativ selten auf dem Markt zu finden, wobei die Bewertung von Zustand, Vollständigkeit und Provenienz abhängt.