Kaiserliche Majolika Werkstatt Cadinen - Aschenbecher mit Silbermontierung

Prägemarke, Schriftzug Handmalerei, Modellnummer 221a, ziegelroter Scherben, schwarz und weiß bemalt, farblos glasiert, stilisierte Floralmotive, 1 Bestossung im oberen Rand, D 18,5 cm
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350,00

Kaiserliche Majolika Werkstatt Cadinen - Aschenbecher mit Silbermontierung

Die Kaiserliche Majolika-Manufaktur Cadinen repräsentiert ein faszinierendes Kapitel preußischer Kunstgewerbegeschichte und kaiserlicher Mäzenatentätigkeit. Der vorliegende Aschenbecher mit Silbermontierung und der Modellnummer 221a verkörpert die charakteristische Verbindung von künstlerischem Anspruch und repräsentativer Funktion, die für die Produktion dieser außergewöhnlichen Manufaktur typisch war.

Kaiser Wilhelm II. gründete die Majolika-Manufaktur im Jahr 1904 auf seinem ostpreußischen Gut Cadinen (heute Kadyny, Polen) unweit von Elbing. Die Manufaktur war Teil eines größeren wirtschaftlichen Komplexes, zu dem auch eine Ziegelei und andere handwerkliche Betriebe gehörten. Der Kaiser verfolgte dabei mehrere Ziele: die wirtschaftliche Entwicklung der Region, die Schaffung von Arbeitsplätzen und nicht zuletzt die Förderung deutschen Kunsthandwerks in einer Zeit intensiven internationalen Wettbewerbs.

Die Cadiner Manufaktur orientierte sich an italienischen Renaissance-Vorbildern und der niederländischen Delfter Keramiktradition. Der Begriff "Majolika" bezeichnet eine mit undurchsichtiger Zinnglasur überzogene Tonware, die ihre Ursprünge im mittelalterlichen Italien hat. Die Cadiner Werkstatt entwickelte jedoch einen eigenen, unverwechselbaren Stil, der historische Vorbilder mit zeitgenössischen Jugendstil-Elementen verband.

Das vorliegende Objekt zeigt die typischen Merkmale der Cadiner Produktion: Der ziegelrote Scherben ist charakteristisch für die vor Ort gewonnenen Tone. Die schwarz-weiße Bemalung mit stilisierten Floralmotiven entspricht einem beliebten Dekorationsmuster der Manufaktur, das sowohl an niederländische Delfter Keramik als auch an den reduzierten Formenkanon des Jugendstils erinnert. Die Kennzeichnung als "Handmalerei" unterstreicht den kunsthandwerklichen Anspruch der Produktion, bei der jedes Stück individuell von ausgebildeten Malern gestaltet wurde.

Die Silbermontierung verleiht dem Aschenbecher einen zusätzlichen repräsentativen Charakter. Solche Kombinationen von Keramik und Edelmetall waren im frühen 20. Jahrhundert besonders bei hochwertigen Gebrauchsgegenständen üblich und unterstrichen den Prestigewert der Objekte. Sie wurden häufig als Geschenke im diplomatischen Verkehr oder als Auszeichnungen verwendet.

Die Cadiner Manufaktur beschäftigte zeitweise über 500 Mitarbeiter und produzierte ein breites Spektrum an Gegenständen: von monumentalen Vasen und Wandkacheln über Tafelgeschirr bis hin zu kleineren Gebrauchsgegenständen wie dem vorliegenden Aschenbecher. Kaiser Wilhelm II. persönlich nahm Einfluss auf die Produktion und ließ sich regelmäßig neue Entwürfe vorlegen. Viele Stücke trugen das kaiserliche Monogramm oder Wappen.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen erheblichen Einschnitt für die Manufaktur. Die Produktion wurde eingeschränkt, viele Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen. Nach der Abdankung des Kaisers im November 1918 und dem Ende der Monarchie verlor die Manufaktur ihren wichtigsten Mäzen und ihre privilegierte Stellung. Zwar wurde die Produktion in der Weimarer Republik fortgesetzt, doch erreichte sie nie wieder die frühere Bedeutung.

Das endgültige Ende kam mit dem Zweiten Weltkrieg. Als sowjetische Truppen 1945 Ostpreußen eroberten, wurde die Produktion eingestellt. Die Region kam zu Polen, das Gut Cadinen wurde enteignet. Ein Teil der noch vorhandenen Formen und Werkzeuge wurde nach dem Krieg gerettet und ermöglichte eine bescheidene Wiederaufnahme der Keramikproduktion unter polnischer Leitung.

Heute sind Objekte der Kaiserlichen Majolika-Manufaktur Cadinen begehrte Sammlerstücke, die sowohl kunsthistorisch als auch kulturgeschichtlich von Bedeutung sind. Sie dokumentieren den kunstgewerblichen Geschmack der wilhelminischen Ära, die Bemühungen um eine deutsche Kunstindustrie und die persönlichen Interessen des letzten deutschen Kaisers. Die Prägemarke und Modellnummern ermöglichen heute eine genaue Zuordnung und Datierung der Stücke.

Der vorliegende Aschenbecher mit der Modellnummer 221a reiht sich in diese historische Tradition ein und verkörpert die hohe handwerkliche Qualität und den künstlerischen Anspruch der Cadiner Produktion. Solche Alltagsgegenstände aus der kaiserlichen Manufaktur verbinden funktionale mit repräsentativen Aspekten und geben Einblick in die materielle Kultur des frühen 20. Jahrhunderts.