Lineol - Nebeltank 1280m 

Eisenblech, Mimikri-Tarnlackierung, Länge ca. 19,5cm, drehbarer Turm, großes Uhrwerk. Das Uhrwerk ist nicht geprüft. Mit den originalen Gummiketten, Schlüssel nicht anbei. Dazu ein Panzersoldat mit Fernglas, Panzer, Zustand 2. 
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1.150,00

Lineol - Nebeltank 1280m 

Der Lineol Nebeltank Nr. 1280 verkörpert ein faszinierendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte und spiegelt die Militarisierung der Kindheit im Deutschland der 1930er Jahre wider. Dieses im Jahr 1937 produzierte Blechspielzeug stammt aus der Blütezeit der Lineol AG, einem der führenden deutschen Spielzeughersteller mit Sitz in Brandenburg an der Havel.

Die Firma wurde 1906 von Oskar Wilhelm Wiederholz gegründet und entwickelte sich zu einem bedeutenden Unternehmen, das in den 1930er Jahren zwischen 300 und 400 Mitarbeiter beschäftigte und über 600 Katalogartikel anbot. Lineol spezialisierte sich auf hochwertige Blechspielzeuge und Massesoldat-Figuren, wobei der Nebeltank zur 7,5 cm Maßstab-Serie militärischer Spielzeuge gehörte.

Das Besondere am Nebeltank war seine innovative technische Ausstattung. Aus Eisenblech gefertigt und mit einer Mimikri-Tarnlackierung versehen, verfügte das etwa 19,5 cm lange Modell über ein großes Uhrwerk, das mittels Aufziehschlüssel betrieben wurde. Der drehbare Turm und die originalen Gummiketten verliehen dem Spielzeug Authentizität. Die herausragende Besonderheit stellte jedoch die Nebelerzeugungs-Funktion dar: Der Tank konnte mit Nebelpulver befüllt werden, das durch einen Feuerstein im Inneren mittels Funkenerzeugung entzündet wurde und so echte Nebelschleier erzeugte. Diese Spielfunktion imitierte tatsächliche deutsche Militärtechnik zur Erzeugung von Nebelwänden, wie sie bei Panzern der Wehrmacht eingesetzt wurde.

Der Tank war für die Verwendung mit einem Panzerkommandanten konzipiert, typischerweise einer 7 cm Elastolin-Figur, die separat erworben werden konnte und auch in den dreiachsigen Panzerspähwagen Nr. 1211 passte. Die Kombination von Fahrzeug und Figur ermöglichte Kindern realitätsnahe militärische Spielszenarien.

Das Aufkommen solcher Militärspielzeuge in den 1930er Jahren war kein Zufall. Als deutsche Firmen wie Lineol zu dieser Zeit zur Produktion militärischen Spielzeugs zurückkehrten, geschah dies parallel zu Deutschlands geheimer Wiederaufrüstung und offener Missachtung des Versailler Vertrages. Die Spielzeuge reflektierten zeitgenössische Wehrmacht-Fahrzeuge und Ausrüstung und wurden Teil der militarisierten Spielkultur der Zeit des Dritten Reiches.

Die Spielzeugproduktion bei Lineol lief bis 1943, als die Fabrik zur Herstellung von Artilleriezündern umgewandelt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen von den sowjetischen Besatzungsbehörden enteignet und verstaatlicht. Lineol wurde mit der Lehmann Company, einem Blechspielzeughersteller in Brandenburg, unter dem Namen VEB Mechanische Spielwaren zusammengeführt und wurde zum führenden Blechspielzeughersteller in Ostdeutschland. 1949 wurde Lineol als VEB Lineol-Plastik nach Dresden verlegt und operierte unter sozialistischer Staatskontrolle. Das ursprüngliche Unternehmen stellte 1965 seinen Betrieb ein.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Marke Lineol 1985 wiederbegründet. Das Unternehmen operiert heute unter dem Namen Lineol Duscha und produziert Repliken von Lineol-Figuren aus der Vorkriegszeit sowie neue Artikel. Original-Lineol-Militärspielzeuge aus den 1930er Jahren wie der Nebeltank Nr. 1280 sind heute hochbegehrte Sammlerstücke, die ein einzigartiges Zeugnis einer komplexen historischen Epoche darstellen.