NS-Volks-Flugtag Leipzig-Mockau,
Das vorliegende Objekt ist ein verzinktes eisernes Flugzeugabzeichen vom NS-Volks-Flugtag Leipzig-Mockau, das die programmatische Inschrift trägt: “Das deutsche Volk muss ein Volk von Fliegern werden, Hermann Göring”. Dieses kleine, aber historisch bedeutsame Erinnerungsstück repräsentiert die intensive Luftfahrtpropaganda des nationalsozialistischen Regimes in den 1930er Jahren.
Nach der Machtübernahme 1933 verfolgte das NS-Regime eine systematische Politik der Remilitarisierung, die zunächst unter dem Deckmantel ziviler Aktivitäten erfolgen musste, da der Versailler Vertrag Deutschland noch die militärische Luftfahrt untersagte. Die sogenannten Volksflugtage spielten in dieser Phase eine zentrale Rolle. Sie dienten offiziell der Förderung der zivilen Luftfahrt und der Begeisterung der Bevölkerung für das Fliegen, waren aber tatsächlich Teil der verdeckten Aufrüstungsstrategie.
Hermann Göring, seit 1933 Reichsminister der Luftfahrt und ab 1935 Oberbefehlshaber der neu gegründeten Luftwaffe, war die treibende Kraft hinter dieser Propaganda. Das auf dem Abzeichen zitierte Motto spiegelt die ideologische Zielsetzung wider, das gesamte deutsche Volk mental und praktisch auf die Bedeutung der Luftmacht einzuschwören. Die Luftfahrt wurde im nationalsozialistischen Weltbild als Symbol für Modernität, technischen Fortschritt und nationale Stärke inszeniert.
Der Standort Leipzig-Mockau war für solche Veranstaltungen besonders geeignet. Der Flugplatz Mockau, nordöstlich von Leipzig gelegen, war seit den 1920er Jahren ein bedeutender Verkehrsflughafen und diente auch als Standort für Flugzeugbau und -entwicklung. In der Weimarer Republik hatte hier bereits zivile Luftfahrt stattgefunden, was die Tarnung militärischer Absichten erleichterte.
Die Volksflugtage fanden typischerweise als große Publikumsveranstaltungen statt, bei denen Flugvorführungen, Kunstflug, Fallschirmsprünge und Rundflüge für die Bevölkerung geboten wurden. Sie zogen oft zehntausende Besucher an und wurden von massiver medialer Begleitung flankiert. Die Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die Bevölkerung für die Luftfahrt begeistern, potenzielle Piloten und Flieger rekrutieren, die Akzeptanz für die Aufrüstung erhöhen und die technische Leistungsfähigkeit Deutschlands demonstrieren.
Abzeichen und Plaketten wie das vorliegende Exemplar wurden als Erinnerungsstücke und Eintrittskarten bei solchen Veranstaltungen ausgegeben oder verkauft. Sie dienten als Propagandamittel, die die Teilnehmer mit nach Hause nahmen und dort als dauerhafte Erinnerung an das Ereignis aufbewahrten. Die Wahl des Materials – verzinktes Eisen – deutet auf eine Massenproduktion hin, die kostengünstig erfolgen musste, um große Stückzahlen herstellen zu können.
Die geprägte Ausführung war typisch für solche Abzeichen der 1930er Jahre. Die Flugzeugform symbolisierte unmittelbar den Bezug zur Luftfahrt und machte das Objekt auch für Kinder und Jugendliche attraktiv, die eine wichtige Zielgruppe der Propaganda darstellten. Die Hitler-Jugend und das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) nutzten solche Veranstaltungen intensiv zur Nachwuchsgewinnung.
Ab 1935, nach der offiziellen Wiedergründung der Luftwaffe und der offenen Abkehr vom Versailler Vertrag, änderte sich der Charakter dieser Veranstaltungen teilweise. Die Tarnung war nicht mehr notwendig, dennoch blieben die Volksflugtage ein wichtiges Instrument der Mobilisierung und der Demonstration militärischer Stärke. Sie trugen zur psychologischen Vorbereitung der Bevölkerung auf den kommenden Krieg bei.
Die Seltenheit solcher Abzeichen heute erklärt sich durch mehrere Faktoren: Viele wurden nach 1945 vernichtet, da sie kompromittierende NS-Symbolik trugen. Das Material Eisen war anfällig für Korrosion, und viele Exemplare sind im Laufe der Jahrzehnte zerstört worden. Zudem wurden sie oft von Kindern als Spielzeug verwendet und gingen dadurch verloren.
Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wertvolle Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Alltagsgeschichte im Dritten Reich. Sie dokumentieren, wie das Regime systematisch alle Lebensbereiche durchdrang und ideologisch instrumentalisierte. Die Volksflugtage waren Teil eines umfassenden Systems der Massenbeeinflussung, das auf die mentale Kriegsvorbereitung der gesamten Gesellschaft abzielte.