Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Kameradschaftsälteste

altsilberfarben, aus Eisen, Hersteller : Assmann 39, an Nadel, Zustand 2.
389343
€ 85,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Kameradschaftsälteste

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Brosche für Kameradschaftsälteste stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Arbeitsorganisation für junge Frauen im Dritten Reich dar. Diese spezielle Auszeichnung wurde an Führungspersonen innerhalb der weiblichen Abteilung des Reichsarbeitsdienstes verliehen und symbolisierte die Position und Verantwortung der Trägerin innerhalb der Organisation.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde offiziell am 26. Juni 1935 durch das Reichsarbeitsdienstgesetz als staatliche Organisation etabliert, nachdem bereits seit 1931 der Freiwillige Arbeitsdienst bestanden hatte. Während der RAD zunächst hauptsächlich für männliche Jugendliche konzipiert war, wurde die weibliche Abteilung zunehmend ausgebaut. Ab 1939 wurde der Arbeitsdienst für junge Frauen verpflichtend, zunächst für sechs Monate, später auf ein Jahr verlängert.

Die Kameradschaftsälteste war eine wichtige Führungsposition innerhalb der RAD/wJ-Hierarchie. Sie war verantwortlich für eine Kameradschaft, die typischerweise aus etwa 40 bis 50 jungen Frauen bestand. Ihre Aufgaben umfassten die Aufsicht über das tägliche Leben, die Arbeitseinteilung, die ideologische Schulung und die Disziplin ihrer Untergebenen. Diese Position erforderte nicht nur organisatorische Fähigkeiten, sondern auch eine ausgeprägte Loyalität zum nationalsozialistischen System.

Die hier beschriebene Brosche wurde vom Hersteller Assmann, gekennzeichnet mit der Herstellernummer 39, produziert. Die Firma Assmann aus Lüdenscheid war einer der renommierten Hersteller von militärischen und paramilitärischen Auszeichnungen während der NS-Zeit. Die Fertigung aus Eisen in altsilberfarbener Ausführung war typisch für die Kriegszeit, als Buntmetalle zunehmend knapp wurden und für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Die Verwendung von Eisen anstelle von Silber oder anderen Metallen spiegelt die Ressourcenknappheit wider, die Deutschland ab den frühen 1940er Jahren zunehmend betraf.

Die RAD/wJ unterschied sich in ihrer Ausrichtung deutlich vom männlichen Pendant. Während männliche Arbeitsdienstler hauptsächlich in der Landwirtschaft, beim Straßenbau und bei anderen Infrastrukturprojekten eingesetzt wurden, konzentrierte sich die weibliche Abteilung auf sogenannte “frauentypische” Tätigkeiten. Dazu gehörten Hilfsdienste in der Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Kinderpflege und später zunehmend auch Ersatztätigkeiten für Männer, die zum Militärdienst eingezogen worden waren.

Die Trageweise solcher Broschen war genau geregelt. Sie wurden an der Uniform getragen und dienten als sofort erkennbares Rangabzeichen. Die RAD/wJ-Uniform bestand aus einem grauen Rock, einer Jacke und einem charakteristischen braunen Kopftuch. Die Brosche wurde typischerweise an der linken Brustseite der Jacke befestigt und war somit deutlich sichtbar.

Die ideologische Bedeutung des RAD/wJ kann nicht unterschätzt werden. Die Organisation diente nicht nur der Arbeitskräftemobilisierung, sondern auch der ideologischen Indoktrination junger Frauen. Im Rahmen des Dienstes wurden nationalsozialistische Weltanschauung, Rassenlehre und die Rolle der Frau in der “Volksgemeinschaft” vermittelt. Die Kameradschaftsälteste spielte eine Schlüsselrolle bei dieser Indoktrination.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Reichsarbeitsdienst zusammen mit allen anderen NS-Organisationen aufgelöst. Die Auszeichnungen und Abzeichen der Organisation, einschließlich solcher Broschen, wurden zu historischen Objekten, die heute als Zeugnisse dieser dunklen Epoche der deutschen Geschichte dienen. Das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 verfügte die Auflösung aller NS-Organisationen.

Heute sind solche Objekte von Bedeutung für die historische Forschung und Dokumentation. Sie helfen, die Strukturen, Hierarchien und das Funktionieren der nationalsozialistischen Organisationen zu verstehen. Für Sammler und Museen sind sie wichtige Studienobjekte, die das Ausmaß der Durchdringung der Gesellschaft durch das NS-Regime dokumentieren.