Kaiserliche Marine kurze Paradejacke für einen Obermatrosen

Kammerstück 1903. Blaues Tuch mit goldenen Ankerknöpfen, auf dem linken Ärmel der Winkel für den Gefreiten, etwas ausgeblichen. Innen schwarzes Futter, am Kragen mit Kammerstempel " B.A.K. 25. 09. 03 ...". Zustand 2.
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450,00

Kaiserliche Marine kurze Paradejacke für einen Obermatrosen

Die kurze Paradejacke (auch als Matrosenjacke bekannt) war ein wesentlicher Bestandteil der Uniform der Kaiserlichen Marine des Deutschen Kaiserreichs von 1871 bis 1918. Das vorliegende Exemplar aus dem Jahr 1903 repräsentiert die maritime Tradition und militärische Hierarchie der wilhelminischen Ära und gibt Einblick in das Leben der Mannschaftsdienstgrade an Bord der kaiserlichen Kriegsschiffe.

Die Kaiserliche Marine durchlief Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine Phase rasanter Expansion. Unter Kaiser Wilhelm II. und seinem Staatssekretär des Reichsmarineamts, Alfred von Tirpitz, wurde die Flotte massiv ausgebaut. Die Flottengesetze von 1898 und 1900 legten den Grundstein für den Aufbau einer Hochseeflotte, die mit der britischen Royal Navy konkurrieren sollte. Diese maritime Aufrüstung erforderte die Rekrutierung und Ausbildung tausender Matrosen, die alle mit standardisierten Uniformen ausgestattet werden mussten.

Die kurze Paradejacke war Teil der Paradeuniform, die zu besonderen Anlässen, Inspektionen und feierlichen Veranstaltungen getragen wurde. Sie unterschied sich deutlich von der alltäglichen Arbeitskleidung der Matrosen. Das charakteristische blaue Tuch war seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Standardfarbe für Marineuniformen in den meisten europäischen Ländern und symbolisierte die Verbindung zum Meer. Die Jacke war im Schnitt deutlich kürzer als zeitgenössische Landuniformen und ermöglichte größere Bewegungsfreiheit an Bord.

Die goldenen Ankerknöpfe waren nicht nur funktional, sondern auch symbolisch bedeutsam. Der Anker als maritimes Symbol kennzeichnete die Träger eindeutig als Angehörige der Seemacht. Die Verwendung von goldfarben glänzenden Knöpfen bei der Paradeuniform unterstrich den repräsentativen Charakter dieser Kleidung.

Besonders aufschlussreich ist der Winkel auf dem linken Ärmel, der den Rang eines Obermatrosen (auch Gefreiter genannt) kennzeichnete. In der Hierarchie der Kaiserlichen Marine stellte dieser Rang die erste Beförderungsstufe über dem einfachen Matrosen dar. Der Obermatrose hatte bereits Erfahrung im Dienst gesammelt und übernahm kleinere Führungsaufgaben. Das Rangabzeichen in Form eines Winkels war auf dem linken Oberarm angebracht und für alle deutlich sichtbar. Diese visuelle Hierarchie war auf den beengten Verhältnissen eines Kriegsschiffes von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung der militärischen Ordnung.

Der Kammerstempel am Kragen mit der Bezeichnung “B.A.K. 25. 09. 03” ist ein wichtiges Dokument der militärischen Verwaltung. Solche Stempel dienten der Identifikation und Zuordnung der Uniformstücke zu bestimmten Einheiten oder Depots. B.A.K. könnte für Bekleidungsamt Kiel oder eine ähnliche Dienststelle stehen. Das Datum 25. September 1903 markiert wahrscheinlich den Zeitpunkt der Ausgabe oder Überprüfung des Kleidungsstücks. Solche präzisen Aufzeichnungen waren charakteristisch für die deutsche Militärverwaltung und ermöglichten eine effiziente Logistik.

Das schwarze Futter im Inneren der Jacke diente sowohl praktischen als auch ästhetischen Zwecken. Es verstärkte die Haltbarkeit des Kleidungsstücks und bot zusätzlichen Schutz gegen Wind und Kälte auf See. Die Kombination von blauem Außenstoff und schwarzem Futter war typisch für Marineuniformen dieser Epoche.

Die Bezeichnung als Kammerstück weist darauf hin, dass diese Jacke zur offiziellen Ausstattung gehörte, die in der Kleiderkammer verwaltet wurde. Im Gegensatz zu privat beschafften Uniformteilen waren Kammerstücke Eigentum der Marine und mussten bei der Entlassung oder Versetzung zurückgegeben werden. Dies gewährleistete eine einheitliche Erscheinung und erleichterte die Versorgung der Mannschaften.

Im historischen Kontext des Jahres 1903 befand sich die Kaiserliche Marine in einer Phase intensiven Wachstums. Die Flotte umfasste zu diesem Zeitpunkt mehrere moderne Linienschiffe, Kreuzer und Torpedoboote. Die Mannschaftsstärke wuchs kontinuierlich, und die Marine entwickelte sich zu einem wichtigen Machtinstrument der deutschen Außenpolitik. Gleichzeitig verschärfte diese maritime Aufrüstung die Spannungen mit Großbritannien und trug zum Wettrüsten bei, das schließlich zum Ersten Weltkrieg führen sollte.

Uniformen wie diese kurze Paradejacke sind heute wichtige materielle Zeugnisse dieser historischen Epoche. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Organisation und Hierarchie, sondern auch die handwerkliche Qualität und die textile Technologie der Zeit. Das leichte Ausbleichen des Winkelabzeichens zeugt von der tatsächlichen Verwendung des Stücks und verleiht ihm zusätzliche Authentizität als historisches Dokument. Solche Objekte ermöglichen es Historikern und Sammlern, die Alltagsrealität der Marinesoldaten des Kaiserreichs besser zu verstehen.

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