Königreich Preußen Kesselpaukenbehang des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4

um 1900. Schwerer Stoff aus champagnerfarbener gemusterter Seide mit Silbertressen und rotem Fransenbehang. Darauf aufgesetzt das Tuch aus ponceaufarbenem schwerem Samt mit silbernen Tressen und fransen. Auf den 5 Feldern in aufwendigster Handstickerei jeweils abwechselnd dreimal der gekrönte preußische Adler sowie zweimal die gekrönte Herrscherchiffre "WR II". Rückseitig mit roter Lederabdeckung, 4 Lederlaschen und dem ledernen Befestigungsriemen mit Schnalle. Maße 130 x 40 cm. Nur leichte Gebrauchs- und Altersspuren, die Stickerei und das Tuch in hervorragendem Zustand, auf der Rückseite hatte die rote Lederabdeckung wohl einen Brandschaden, ein kleines Stück des Leders wurde in alter Zeit ausgebessert. 
Extrem selten, in über 30 Jahren ist dies das 1. Mal, dass wir einen Kesselpaukenbehang eines preußischen Kürassier-Regiments anbieten dürfen !
385944

Königreich Preußen Kesselpaukenbehang des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4

Der Kesselpaukenbehang des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 repräsentiert ein außergewöhnlich seltenes Zeugnis der preußischen Kavallerie-Zeremonialkultur der Wilhelminischen Ära. Dieses um 1900 gefertigte Prunkstück verkörpert die militärische Tradition eines der prestigeträchtigsten schweren Kavallerieregimenter Preußens, dessen Geschichte sich über mehr als zwei Jahrhunderte erstreckte.

Das Kürassier-Regiment Nr. 4 wurde am 17. Juli 1717 ursprünglich als Dragonerregiment aufgestellt. Am 27. Mai 1819 erfolgte die Umwandlung in ein Kürassierregiment mit der Regimentsnummer 4. Den endgültigen Namen “von Driesen” erhielt das Regiment am 27. Januar 1889 von Kaiser Wilhelm II, zu Ehren des preußischen Generalleutnants Georg Wilhelm von Driesen (1700-1758). Von 1717 bis zu seiner Auflösung 1919 existierte dieses Regiment und nahm an allen bedeutenden preußischen Militärkampagnen teil: den Schlesischen Kriegen der 1740er Jahre, dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), den Napoleonischen Kriegen mit dem triumphalen Einzug in Paris 1815, dem Deutsch-Dänischen Krieg (1864), dem Deutsch-Österreichischen Krieg (1866), dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-71) und schließlich dem Ersten Weltkrieg (1914-1918).

Das Regiment war hauptsächlich in Münster garnisoniert, wobei zeitweise auch Schwadronen in Hamm, Telgte und Warendorf stationiert waren, bis 1885 alle Einheiten in Münster konsolidiert wurden. Im Ersten Weltkrieg erlitt das Regiment 209 Gefallene und beteiligte sich 1918 an der Niederschlagung des Spartakusaufstandes in Berlin, bevor es 1919 aufgelöst wurde.

Dieser Kesselpaukenbehang mit seinen Maßen von 130 x 40 cm wurde vom berittenen Pauker des Regiments bei Zeremonien und Paraden getragen. Die Konstruktion besteht aus schwerem champagnerfarbenem gemustertem Seidenstoff mit Silbertressen und rotem Fransenbehang als Grundgewebe. Darüber liegt ein Tuch aus ponceaurotem schwerem Samt mit silbernen Tressen und Fransen. Die fünf horizontal angeordneten Felder zeigen in aufwendigster Handstickerei mit Silberfaden abwechselnd dreimal den gekrönten preußischen Adler sowie zweimal die gekrönte Herrscherchiffre “WR II”, die Kaiser Wilhelm II. repräsentiert, der von 1888 bis 1918 regierte.

Die Rückseite ist mit roter Lederabdeckung versehen und verfügt über 4 Lederlaschen sowie einen ledernen Befestigungsriemen mit Schnalle zur Anbringung an den Kesselpauken. Kesselpauken waren prestigeträchtige Symbole der Kavallerieregimenter, und ihre Pauker trugen bei Paraden und Zeremonien markante Uniformen und führten kunstvoll dekorierte Banner wie dieses mit sich.

Die Verwendung der Chiffre “WR II” datiert dieses Stück spezifisch in die Regierungszeit Wilhelms II. (1888-1918), der eine ausgeprägte Affinität zu militärischem Prunk besaß und aufwendige zeremonielle Traditionen pflegte. Das ponceaurote Samt reflektiert die Regimentsfarben, während die gekrönten preußischen Adler und die königliche Chiffre die Treue des Regiments zur preußischen Krone und zum Deutschen Kaiserreich symbolisierten.

Kesselpaukenbehänge waren spezifische zeremonielle Kavallerie-Ausrüstungsgegenstände für berittene Pauker. Während Kürassierregimenter Kesselpauken und ihre geschätzten Pauker besaßen, verfügten Dragonerregimenter nur über reguläre Trommler. Jedes preußische Kürassierregiment hätte Banner besessen, die seine spezifischen Regimentsfarben und königlichen Chiffren entsprechend seiner Dienstperiode reflektierten.

Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und der Auflösung der Kaiserlich Deutschen Armee wurde das Kürassier-Regiment von Driesen 1919 aufgelöst. Die Reichswehr der Weimarer Republik führte keine Kürassierregimenter mehr fort. In Münster wurden mehrere Denkmäler für die Gefallenen des Regiments errichtet: 1924 eines auf dem Neuplatz, 1930 ein aufwendigeres Sandsteinmonument am selben Ort (gestaltet vom Münchner Bildhauer Josef Freiherr von Hammerstein) und ein drittes nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Metallplatten des Denkmals von 1930 wurden 1942 entfernt und für Kriegszwecke eingeschmolzen.

Dieser Kesselpaukenbehang überlebte als seltenes Stück der kaiserlich-deutschen militärischen Zeremonialausrüstung. Die Objektbeschreibung betont seine außerordentliche Seltenheit und merkt an, dass dies in über 30 Jahren das erste Mal ist, dass ein solcher Kesselpaukenbehang eines preußischen Kürassierregiments angeboten wurde.