Kriegsmarine dunkelblaue Tellermütze für Mannschaften

Eigentumsstück, dunkelblaue Tellermütze, komplett mit Metallfaden gewebtem Mützenband "Kriegsmarine", sowie Hoheitsadler über beschädigter Kokarde. Innen mit braunem Schweißband, schwarzes Seidenfutter und Zelluloidtrapez mit Herstellermarkierung "H. Lenzner...". Kopfgröße ca. 55. Schweißband wurde vorne an der Stirn zeitgenössisch repariert, Zustand 2-.
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875,00

Kriegsmarine dunkelblaue Tellermütze für Mannschaften

Die Tellermütze der Kriegsmarine für Mannschaften repräsentiert eines der charakteristischsten Uniformstücke der deutschen Marine während des Zweiten Weltkriegs. Diese dunkelblaue Kopfbedeckung, im Volksmund oft als “Schiffchen” oder “Tellermütze” bezeichnet, war ein unverzichtbarer Bestandteil der Borduniform für Matrosen und Unteroffiziere ohne Portepee.

Die Kriegsmarine, offiziell am 1. Juni 1935 als Nachfolgerin der Reichsmarine gegründet, führte eine Reihe von Uniformvorschriften ein, die sowohl an maritime Traditionen anknüpften als auch die nationalsozialistische Symbolik integrierten. Die Tellermütze für Mannschaften wurde in der Anzugordnung für die Kriegsmarine von 1936 detailliert beschrieben und blieb bis zum Ende des Krieges 1945 im Wesentlichen unverändert.

Das markanteste Merkmal dieser Mütze war das Mützenband mit der Aufschrift “Kriegsmarine”, das in Metallfaden auf schwarzem Untergrund gewebt wurde. Dieses Band ersetzte die früheren Schiffsnamen, die in der kaiserlichen Marine und noch teilweise in der Reichsmarine üblich waren. Die Standardisierung auf die einheitliche Aufschrift “Kriegsmarine” erfolgte aus Gründen der Geheimhaltung und militärischen Sicherheit, um zu verhindern, dass potenzielle Feinde durch gefangene oder übergelaufene Seeleute Informationen über die Stationierung bestimmter Schiffe erhielten.

Die Kokarde in den deutschen Nationalfarben Schwarz-Weiß-Rot wurde oberhalb des Mützenbandes angebracht und darüber thronte der Hoheitsadler des Dritten Reiches. Dieser Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der ein Hakenkreuz in den Fängen hielt, wurde ab 1935 als Hoheitszeichen auf allen Uniformen der Wehrmacht eingeführt. Die Kokarde und der Adler waren typischerweise aus geprägtem Metall oder gesticktem Material gefertigt.

Die Konstruktion der Tellermütze folgte präzisen Vorgaben: Der Mützenkörper bestand aus dunkelblauem Tuch (offiziell als “Marineblau” bezeichnet), das auf einer steifen Einlage aufgebracht wurde, um die charakteristische flache Form zu gewährleisten. Das Schweißband aus braunem Leder diente dem Tragekomfort und nahm Feuchtigkeit auf. Das Seidenfutter in Schwarz war Standard bei diesen Mützen und zeugte von der relativ hochwertigen Verarbeitung der frühen Kriegsjahre. Im Laufe des Krieges, besonders ab 1943, mussten aufgrund von Materialknappheit häufig Ersatzstoffe verwendet werden.

Das Zelluloidtrapez mit Herstellermarkierung war ein typisches Merkmal deutscher Militärkopfbedeckungen dieser Epoche. Hersteller wie H. Lenzner und zahlreiche andere Firmen produzierten diese Mützen im Auftrag der Kriegsmarine. Die Herstellermarkierungen ermöglichen heute eine Datierung und Authentifizierung dieser Stücke. Viele dieser Produzenten waren etablierte Hutmachereien und Mützenfabrikanten, die bereits vor dem Krieg existierten und nach 1933 auch Militäraufträge übernahmen.

Die angegebene Kopfgröße von etwa 55 entspricht einem Kopfumfang von 55 Zentimetern und war eine gängige Größe für die durchschnittliche männliche Bevölkerung jener Zeit. Die Mützen wurden in standardisierten Größen zwischen 53 und 62 gefertigt.

Zeitgenössische Reparaturen, wie die erwähnte Ausbesserung am Schweißband, sind charakteristisch für tatsächlich getragene Uniformstücke. Sie zeugen von der praktischen Verwendung und den oft schwierigen Bedingungen, unter denen diese Ausrüstungsgegenstände eingesetzt wurden. Material war kostbar, besonders während der Kriegsjahre, und Reparaturen waren die Norm.

Die Tellermütze wurde zu verschiedenen Uniformen getragen, hauptsächlich zum Bordanzug und zum Ausgehanzug. Sie war nicht für den Einsatz auf See bei schwerem Wetter gedacht – dafür gab es die praktischere Schiffchenmütze ohne Schirm oder verschiedene Arten von Kappen. Die Tellermütze war vielmehr ein Bestandteil der repräsentativen Uniform für Landgänge, Wachdienste an Land und offizielle Anlässe.

Heute sind gut erhaltene originale Tellermützen der Kriegsmarine gesuchte Sammlerstücke militärhistorischer Forschung und Dokumentation. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer tragischen Epoche der deutschen Geschichte und helfen, das Verständnis für die militärische Alltagskultur jener Zeit zu bewahren. Ihre Bewahrung und wissenschaftliche Dokumentation erfolgt in einem Kontext kritischer Geschichtsbetrachtung, der die Verbrechen des NS-Regimes nicht ausklammert, aber authentische Objekte als wichtige Quellen der Geschichtswissenschaft anerkennt.