Ordenschnalle eines Veteranen am Feldzug 1870 gegen Frankreich

Königreich Bayern Verdienstorden vom Heiligen Michael Kreuz 4.Klasse mit der Krone ab 1887, Preußen Kriegsdenkmünze 1870/1871 für Kämpfer mit der 1895 gestifteten Gefechtsspange "Strassburg", Baden Felddienstauszeichnung mit der 1871 gestifteten Metallschleife "1870". Centenar-Medaille. 
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Ordenschnalle eines Veteranen am Feldzug 1870 gegen Frankreich

Diese Ordenschnalle repräsentiert die militärische Laufbahn eines bayerischen Veteranen, der am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 teilgenommen hat. Die Zusammenstellung der Auszeichnungen bietet einen faszinierenden Einblick in das deutsche Auszeichnungswesen des späten 19. Jahrhunderts und dokumentiert die militärische Biografie eines Mannes, der nicht nur im Krieg kämpfte, sondern auch in Friedenszeiten dem bayerischen Staat diente.

Die erste Auszeichnung ist das Verdienstkreuz vom Heiligen Michael 4. Klasse mit Krone, eine der bedeutendsten zivilen und militärischen Auszeichnungen des Königreichs Bayern. Der Orden wurde ursprünglich 1693 von Kurfürst Joseph Clemens gestiftet und 1837 von König Ludwig I. reformiert. Die vierte Klasse mit Krone wurde ab 1887 verliehen und war eine besondere Ehrung für Offiziere und Beamte. Das Kreuz zeigt den Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen und trägt die Devise “Quis ut Deus” (Wer ist wie Gott). Die Verleihung dieser Auszeichnung deutet darauf hin, dass der Träger nach dem Krieg weiterhin im Staatsdienst tätig war und sich besondere Verdienste erworben hatte.

Das zweite Element der Schnalle ist die preußische Kriegsdenkmünze für Kämpfer 1870/1871 mit der Gefechtsspange “Straßburg”. Diese Medaille wurde am 20. Mai 1871 von König Wilhelm I. von Preußen gestiftet und an alle Angehörigen der preußischen Armee verliehen, die am Krieg teilgenommen hatten. Die Medaille unterschied zwischen Kämpfern (mit gekreuzten Schwertern) und Nichtkämpfern (ohne Schwerter). Die Gefechtsspange wurde erst 1895, also 24 Jahre nach Kriegsende, durch Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Sie konnte für 16 verschiedene Schlachten und Belagerungen verliehen werden, darunter auch für die Belagerung von Straßburg vom 14. August bis 28. September 1870. Diese Belagerung war eine der bedeutendsten Operationen des Krieges, bei der die Stadt nach sechswöchigem Beschuss kapitulierte. Die Tatsache, dass ein bayerischer Soldat die preußische Kriegsdenkmünze erhielt, war durchaus üblich, da die süddeutschen Staaten als Verbündete Preußens am Krieg teilnahmen.

Die dritte Auszeichnung ist die badische Felddienstauszeichnung mit der 1871 gestifteten Metallschleife “1870”. Das Großherzogtum Baden war ebenfalls ein Verbündeter Preußens im Krieg gegen Frankreich. Die Felddienstauszeichnung wurde bereits 1870 gestiftet und war eine Anerkennung für die Teilnahme am Feldzug. Die Metallschleife mit der Jahreszahl “1870” wurde 1871 hinzugefügt und kennzeichnete die Träger, die tatsächlich im Feld gedient hatten. Die Verleihung dieser badischen Auszeichnung an einen bayerischen Soldaten ist bemerkenswert und könnte darauf hindeuten, dass der Träger während des Krieges in einem gemischten Verband oder unter badischem Kommando gekämpft hatte, was bei den süddeutschen Kontingenten durchaus vorkam.

Die letzte Komponente ist die Centenar-Medaille, die 1897 von Prinzregent Luitpold zur Feier des 100-jährigen Bestehens der bayerischen Armee in ihrer modernen Form gestiftet wurde. Diese Medaille wurde an alle noch lebenden Veteranen der bayerischen Armee verliehen und war eine Ehrung für langjährigen Militärdienst. Sie zeigt auf der Vorderseite das Bildnis König Ludwigs I. und auf der Rückseite eine militärische Trophäengruppe mit der Jahreszahl 1897.

Die Kombination dieser vier Auszeichnungen erzählt die Geschichte eines Mannes, der wahrscheinlich als Unteroffizier oder niederer Offizier in der bayerischen Armee diente. Seine Teilnahme an der Belagerung von Straßburg zeigt, dass er an einer der härtesten Operationen des Krieges beteiligt war. Die Verleihung des Michaelsordens nach dem Krieg deutet auf eine Fortsetzung seiner Karriere im Staatsdienst hin, möglicherweise im Militär oder in der Verwaltung. Die badische Auszeichnung weist auf die komplexen Koalitionsstrukturen des Krieges hin, bei dem verschiedene deutsche Staaten zusammenarbeiteten.

Solche Ordenschnallen waren im deutschen Kaiserreich weit verbreitet und wurden an der Uniform über der linken Brusttasche getragen. Sie dienten nicht nur als persönliche Ehrung, sondern auch als sozialer Ausweis und Zeichen der Zugehörigkeit zur Veteranengemeinschaft. Nach 1871 spielten die Kriegsveteranen eine wichtige Rolle in der deutschen Gesellschaft und trugen zur Stärkung des nationalen Bewusstseins bei. Diese Ordenschnalle ist somit nicht nur ein militärhistorisches Objekt, sondern auch ein Zeugnis der deutschen Reichsgründungszeit und der gesellschaftlichen Bedeutung des Militärs im wilhelminischen Deutschland.