Preußen Mitgliedsabzeichen " Krieger und Landwehr Verein Berlin Oberschöneweide " 

Blech, an Nadel, Zustand 2 
486944
35,00

Preußen Mitgliedsabzeichen " Krieger und Landwehr Verein Berlin Oberschöneweide " 

Das Mitgliedsabzeichen des Krieger- und Landwehr-Vereins Berlin Oberschöneweide repräsentiert einen wichtigen Aspekt der preußischen und deutschen Militärgeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Art von Abzeichen war nicht nur ein Symbol der Mitgliedschaft, sondern auch Ausdruck eines tief verwurzelten Kameradschaftsgeistes und der militärischen Tradition im Deutschen Kaiserreich.

Historischer Hintergrund der Kriegervereine

Die Krieger- und Landwehrvereine entstanden in Preußen und den anderen deutschen Staaten im Laufe des 19. Jahrhunderts, besonders nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon (1813-1815). Diese Veteranenorganisationen dienten mehreren Zwecken: Sie pflegten die Kameradschaft ehemaliger Soldaten, bewahrten militärische Traditionen, unterstützten bedürftige Veteranen und deren Familien, und förderten den Patriotismus in der Bevölkerung.

Nach der Reichsgründung 1871 erlebten diese Vereine einen enormen Aufschwung. Der Kyffhäuserbund, gegründet 1900, vereinigte schließlich die meisten deutschen Kriegervereine unter einem Dachverband. Bis zum Ersten Weltkrieg zählte der Bund über 30.000 Einzelvereine mit mehr als 2,8 Millionen Mitgliedern.

Oberschöneweide und lokale Vereinsstrukturen

Oberschöneweide war ein Ortsteil im Südosten Berlins, der zur Gemeinde Niederschöneweide gehörte, bevor beide 1920 durch das Groß-Berlin-Gesetz in die Reichshauptstadt eingemeindet wurden. Das Gebiet erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine rasante industrielle Entwicklung. Firmen wie die AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) siedelten sich dort an und machten die Region zu einem wichtigen Industriestandort.

In diesem schnell wachsenden Industrievorort gründeten Veteranen der preußischen Armee, die an verschiedenen Feldzügen teilgenommen hatten – sei es in den Einigungskriegen gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) oder Frankreich (1870/71) – ihre lokalen Kriegervereine. Diese Organisationen waren fest in das soziale Gefüge der Gemeinden eingebunden.

Gestaltung und Bedeutung der Mitgliedsabzeichen

Die Mitgliedsabzeichen wurden üblicherweise aus Blech gefertigt, oft versilbert, vergoldet oder emailliert. Sie zeigten typischerweise militärische Symbole wie Eiserne Kreuze, Eichenlaub, Schwerter, preußische Adler oder die Reichskrone. Häufig war auch der Name des jeweiligen Vereins aufgeprägt oder graviert.

Diese Abzeichen wurden an einer Nadel befestigt und an der Zivilkleidung getragen, besonders bei Vereinsveranstaltungen, Aufmärschen, patriotischen Feiern oder Gedenkveranstaltungen. Sie dienten der Identifikation und stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder. Das Tragen des Abzeichens war Ausdruck von Stolz auf die geleisteten militärischen Dienste und die Verbundenheit mit den Kameraden.

Aktivitäten und gesellschaftliche Rolle

Die Krieger- und Landwehrvereine organisierten regelmäßige Treffen, Schießübungen, Ausflüge und Festveranstaltungen. An nationalen Gedenktagen wie dem Sedantag (2. September, zur Erinnerung an die Schlacht bei Sedan 1870) oder dem Geburtstag des Kaisers nahmen sie an öffentlichen Zeremonien teil. Sie pflegten Kriegerdenkmäler und unterstützten die Hinterbliebenen gefallener Soldaten.

Diese Vereine spielten auch eine wichtige Rolle in der Wehrerziehung und der Vorbereitung junger Männer auf den Militärdienst. Sie förderten monarchistische und nationalistische Werte und waren eng mit der politischen Führung des Kaiserreichs verbunden.

Entwicklung nach 1918

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 wandelte sich der Charakter vieler Kriegervereine. Viele schlossen sich zu größeren Veteranenorganisationen wie dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten zusammen. Die traditionellen Kriegervereine existierten teilweise weiter, verloren aber an Bedeutung.

Die Nationalsozialisten integrierten nach 1933 die Veteranenorganisationen in ihre Strukturen. 1938 wurden die meisten Kriegervereine im NS-Reichskriegerbund zwangsvereinigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle militärischen Veteranenverbände in der sowjetischen Besatzungszone und später der DDR aufgelöst.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind Mitgliedsabzeichen von Krieger- und Landwehrvereinen begehrte Sammlerobjekte. Sie dokumentieren die lokale Militärgeschichte und das Vereinswesen des Kaiserreichs. Die Zustandsbewertung erfolgt üblicherweise auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 4 (stark beschädigt). Ein Zustand 2 entspricht einem gut erhaltenen Stück mit leichten Gebrauchsspuren.

Diese Abzeichen sind wichtige historische Quellen für die Erforschung der Militärkultur, des Patriotismus und der sozialen Strukturen im wilhelminischen Deutschland. Sie zeigen, wie tief militärische Werte in der Gesellschaft verankert waren und wie Veteranen ihre Identität auch im zivilen Leben pflegten.