Preußischer Landeskriegerverband Steckkreuz "Für Verdienst im Kriegervereinswesen"

vergoldet und emailliert, rückseitig ohne Nadel, im Verleihungsetui mit Aufdruck " Preußisches Kriegervereins-Ehrenkreuz 1.Klasse ", auf dem Boden mit Etikett von Heinrich Timm Berlin C19 Wallstrasse 23-24, Zustand 2
482244
250,00

Preußischer Landeskriegerverband Steckkreuz "Für Verdienst im Kriegervereinswesen"

Das Preußische Landeskriegerverband Steckkreuz “Für Verdienst im Kriegervereinswesen”

Das Preußische Landeskriegerverband Steckkreuz “Für Verdienst im Kriegervereinswesen” repräsentiert eine bedeutende Tradition der militärischen Veteranenorganisationen im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik. Diese Auszeichnung wurde vom Preußischen Landeskriegerverband verliehen, einer der größten und einflussreichsten Veteranenorganisationen des deutschen Sprachraums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Der Preußische Landeskriegerverband wurde im Zuge der Reichsgründung 1871 formell etabliert, obwohl lokale Kriegervereine bereits seit den 1840er Jahren existierten. Nach den erfolgreichen Einigungskriegen gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) wuchs die Zahl der Veteranen erheblich, was zur Gründung und Konsolidierung zahlreicher Kriegervereine führte. Diese Organisationen dienten nicht nur der Kameradschaftspflege, sondern auch der Unterstützung von Kriegsversehrten, Witwen und Waisen sowie der patriotischen Erziehung.

Das Ehrenkreuz wurde in verschiedenen Klassen verliehen, wobei die 1. Klasse die höchste Auszeichnung darstellte. Die Verleihung erfolgte an Personen, die sich besonders um das Kriegervereinswesen verdient gemacht hatten - typischerweise langjährige Funktionäre, Vereinsvorsitzende oder Personen, die außergewöhnliche Leistungen für die Organisation erbracht hatten. Die Kriterien waren streng, und die Auszeichnung genoss hohes Ansehen innerhalb der Veteranengemeinschaft.

Die technische Ausführung des Kreuzes zeigt die hohe handwerkliche Qualität, die bei solchen Ehrenzeichen üblich war. Die Vergoldung und Emaillierung waren aufwendige Prozesse, die von spezialisierten Manufakturen durchgeführt wurden. Der Hersteller Heinrich Timm mit Sitz in Berlin C19, Wallstraße 23-24, war einer der renommierten Produzenten militärischer Auszeichnungen und Abzeichen in der Hauptstadt des Deutschen Reiches. Die Firma gehörte zu den zahlreichen Berliner Betrieben, die sich auf Phaleristik spezialisiert hatten und sowohl staatliche als auch Verbandsauszeichnungen fertigten.

Die Präsentation im Verleihungsetui unterstreicht den zeremoniellen Charakter der Auszeichnung. Das Etui mit dem Aufdruck “Preußisches Kriegervereins-Ehrenkreuz 1. Klasse” diente nicht nur dem Schutz des Steckkreuzes, sondern verlieh der Verleihung zusätzliche Würde und Förmlichkeit. Das Steckkreuz-Format unterschied sich von tragbaren Ordensbändern und war für das Tragen am Revers oder bei besonderen Anlässen konzipiert.

Die Kriegervereine spielten in der deutschen Gesellschaft eine bedeutende politische und soziale Rolle. Sie waren stark monarchistisch und national-konservativ orientiert und unterstützten die Politik des Kaiserreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 mussten sich diese Organisationen neu orientieren. Viele Kriegervereine bestanden in der Weimarer Republik fort, verloren jedoch an Einfluss und wurden schließlich in der NS-Zeit gleichgeschaltet oder in den NS-Reichskriegerbund integriert.

Die erhaltenen Steckkreuze und ihre Etuis sind heute wichtige Zeugnisse dieser historischen Epoche. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Geschichte Preußens und Deutschlands, sondern auch die Sozialgeschichte der Veteranenbewegung und die Bedeutung militärischer Traditionen in der deutschen Gesellschaft vor 1945. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die materielle Kultur des Militarismus und der Veteranenorganisationen.

Die phaleristischen Merkmale - Vergoldung, Emaillierung und die handwerkliche Qualität - entsprechen den Standards der Zeit und zeigen die Wertschätzung, die solchen Auszeichnungen entgegengebracht wurde. Die Tatsache, dass das Steckkreuz ohne Nadel überliefert ist, ist nicht ungewöhnlich, da diese mechanischen Teile häufig verloren gingen oder beschädigt wurden. Die Kombination aus Original-Etui und Herstelleretikett erhöht die historische Authentizität und den dokumentarischen Wert des Objekts erheblich.

r