Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Kameradschaftsälteste

altsilberfarben, aus Eisen, Hersteller : Assmann 39, an Nadel, Zustand 2.
479944
€ 90,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Kameradschaftsälteste

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Brosche für Kameradschaftsälteste stellt ein bedeutendes Abzeichen aus der Zeit des Nationalsozialismus dar, das die hierarchische Struktur innerhalb der weiblichen Abteilung des Reichsarbeitsdienstes widerspiegelte.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde am 26. Juni 1935 durch das “Reichsarbeitsdienstgesetz” als obligatorische Organisation etabliert. Während der RAD zunächst hauptsächlich männliche Jugendliche umfasste, wurde die weibliche Abteilung, der Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ), im September 1939 mit Kriegsbeginn erheblich ausgebaut. Ab 1939 wurden junge Frauen zwischen 17 und 25 Jahren zum sechsmonatigen Arbeitsdienst verpflichtet.

Die vorliegende Brosche wurde von Assmann, einem renommierten Hersteller militärischer Auszeichnungen und Abzeichen mit Sitz in Lüdenscheid, produziert. Die Herstellermarkierung “Assmann 39” verweist auf die Fertigung im Jahr 1939, einem entscheidenden Jahr für die Expansion des weiblichen Arbeitsdienstes. Die Firma Assmann gehörte zu den bedeutendsten Produzenten von NS-Abzeichen und Auszeichnungen während der gesamten Zeit des Dritten Reiches.

Die Rangbezeichnung Kameradschaftsälteste bezeichnete eine Führungsposition innerhalb der kleinsten organisatorischen Einheit des RAD/wJ, der Kameradschaft. Eine Kameradschaft umfasste typischerweise etwa 40 bis 50 junge Frauen, die zusammen in einem Lager untergebracht waren. Die Kameradschaftsälteste fungierte als direkte Vorgesetzte und war verantwortlich für die tägliche Betreuung, Ausbildung und Disziplin ihrer Untergebenen. Sie bildete das Bindeglied zwischen der einfachen Arbeitsmaiden und den höheren Führungsebenen.

Das Abzeichen selbst ist aus Eisen gefertigt und in altsilberfarbenem Finish ausgeführt. Diese Materialkombination war typisch für die Kriegszeit, als Edelmetalle zunehmend rationiert wurden und für kriegswichtigere Zwecke reserviert waren. Die Verwendung von Eisen mit einer Silberbeschichtung oder -patinierung stellte eine kostengünstige Alternative dar, die dennoch den gewünschten repräsentativen Charakter bewahrte.

Die Brosche wurde mittels einer Nadel an der Uniform befestigt, üblicherweise an der linken Brustseite der RAD/wJ-Uniform. Diese Uniformen bestanden aus einem braunen Rock, einer weißen Bluse und trugen die charakteristischen Abzeichen des Reichsarbeitsdienstes. Die korrekte Platzierung und das Tragen von Rangabzeichen waren streng reglementiert und unterlagen den Dienstvorschriften des RAD.

Der RAD/wJ hatte mehrere Hauptaufgabenbereiche: Die jungen Frauen wurden vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, wo sie bei der Ernte halfen und Bauernfamilien unterstützten, deren männliche Arbeitskräfte zum Militärdienst eingezogen worden waren. Mit fortschreitendem Krieg übernahmen die Arbeitsmaiden zunehmend auch Aufgaben in der Kriegswirtschaft, in Lazaretten und bei der Kinderbetreuung. Die Ausbildung umfasste nicht nur praktische Arbeitsfähigkeiten, sondern auch intensive ideologische Schulung im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Die hierarchische Struktur des RAD/wJ war komplex und militärisch organisiert. Über der Kameradschaftsältesten standen weitere Ränge wie Truppführerin, Obertruppführerin, Mädelführerin und höhere Führungspositionen bis zur Reichsarbeitsführerin. Jeder dieser Ränge besaß spezifische Abzeichen und Kennzeichnungen, die die Position innerhalb der Organisation verdeutlichten.

Solche Broschen und Abzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie waren einerseits funktionale Rangabzeichen, die die Befehlsstruktur sichtbar machten, andererseits aber auch Instrumente zur Motivation und Identifikation. Das Tragen eines solchen Abzeichens signalisierte Verantwortung, Vertrauen und eine gewisse Stellung innerhalb der Organisation. Für viele junge Frauen bedeutete die Position der Kameradschaftsältesten die erste Führungsverantwortung in ihrem Leben.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurde der Reichsarbeitsdienst zusammen mit allen anderen NS-Organisationen von den Alliierten aufgelöst. Die Uniformen, Abzeichen und sonstigen Insignien wurden größtenteils vernichtet oder beschlagnahmt. Überlebende Exemplare wie die beschriebene Brosche sind heute historische Artefakte, die in Museen, Sammlungen und im Antiquitätenhandel zu finden sind.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Quellen für die historische Forschung. Sie dokumentieren die organisatorische Struktur, die materielle Kultur und die Alltagsrealität einer Organisation, die Millionen junger Frauen durchliefen. Gleichzeitig erinnern sie an ein System der Zwangsarbeit und ideologischen Indoktrination, das Teil des totalitären NS-Regimes war. Der wissenschaftliche und museale Umgang mit solchen Objekten erfordert daher stets eine kritische Kontextualisierung und historische Einordnung.