Urkundengruppe für einen Zeugfeldwebel bei der 1. Artilleriedepot-Direktion in Spandau

, Besitzzeugnis für die II. Schießauszeichnung, ausgestellt in Danzig am 27.9.1898; Verleihungsurkunde für die Dienstauszeichnung 3. Klasse, ausgestellt in Darmstadt am 18.1.1906; Beglaubigungsschein über die Verleihung der Dienstauszeichnung 1. Klasse, ausgestellt am 27.4.1915.
Die Blätter sind alle gelocht, gefaltet und beschnitten.
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Urkundengruppe für einen Zeugfeldwebel bei der 1. Artilleriedepot-Direktion in Spandau

Diese Urkundengruppe dokumentiert die militärische Laufbahn eines Zeugfeldwebels (Armament Sergeant Major) bei der 1. Artilleriedepot-Direktion in Spandau, einer der bedeutendsten militärischen Einrichtungen des Deutschen Kaiserreichs. Die drei Dokumente umfassen einen Zeitraum von 1898 bis 1915 und bieten einen faszinierenden Einblick in das Beförderungs- und Auszeichnungssystem der kaiserlichen Armee.

Das Artilleriedepot Spandau war weit mehr als nur ein Lagerhaus. Es fungierte als zentrale Einrichtung für die Verwaltung, Wartung und Ausgabe von Artilleriematerial für die preußische und später die deutsche Armee. Die dort stationierten Zeugfeldwebel waren hochspezialisierte Unteroffiziere, die für die technische Verwaltung von Waffen, Munition und militärischem Gerät verantwortlich waren. Ihre Position erforderte umfassende technische Kenntnisse und absolute Zuverlässigkeit.

Das erste Dokument, das Besitzzeugnis für die II. Schießauszeichnung, ausgestellt in Danzig am 27. September 1898, belegt die Schießfertigkeit des Inhabers. Die Schießauszeichnungen wurden nach der Allerhöchsten Kabinetts-Ordre vom 6. Mai 1895 verliehen und waren in vier Klassen unterteilt. Die II. Klasse war eine beachtliche Leistung und musste durch wiederholte überdurchschnittliche Leistungen beim Schießen erworben werden. Danzig, als bedeutende Garnisonsstadt an der Ostsee, verfügte über ausgedehnte Schießplätze und Ausbildungseinrichtungen.

Das zweite Dokument ist eine Verleihungsurkunde für die Dienstauszeichnung 3. Klasse, ausgestellt in Darmstadt am 18. Januar 1906. Die preußische Dienstauszeichnung wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Ordre vom 13. September 1825 gestiftet und in drei Klassen verliehen: die 3. Klasse für neun Dienstjahre, die 2. Klasse für 15 Jahre und die 1. Klasse für 21 Jahre treuer Dienste. Die Ausstellung in Darmstadt, der Hauptstadt des Großherzogtums Hessen, deutet darauf hin, dass der Inhaber zu diesem Zeitpunkt möglicherweise in diesem Militärbezirk stationiert war oder von dort aus versetzt wurde.

Das dritte und letzte Dokument ist ein Beglaubigungsschein über die Verleihung der Dienstauszeichnung 1. Klasse, ausgestellt am 27. April 1915. Diese höchste Stufe der Dienstauszeichnung würdigte 21 Jahre treuen militärischen Dienst. Das Datum fällt in die Zeit des Ersten Weltkriegs, als die deutsche Armee bereits seit August 1914 in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt war. Die Verwaltungseinrichtungen wie die Artilleriedepot-Direktion in Spandau spielten eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Fronttruppen mit Munition und Material.

Die physische Beschaffenheit der Dokumente – gelocht, gefaltet und beschnitten – ist typisch für militärische Personalakten dieser Zeit. Solche Dokumente wurden üblicherweise in Personalbögen eingeheftet und in den Militärakten verwahrt. Die Lochung ermöglichte das Einordnen in die standardisierten Aktenmappen der kaiserlichen Militärverwaltung.

Die Laufbahn des Zeugfeldwebels spiegelt die typische Karriere eines technischen Unteroffiziers im Kaiserreich wider. Von der frühen Ausbildung und dem Nachweis militärischer Grundfertigkeiten (Schießauszeichnung 1898) über die Anerkennung langjähriger Dienste (Dienstauszeichnung 3. Klasse 1906) bis zur höchsten Ehrung für zwei Jahrzehnte treuen Dienstes (1. Klasse 1915) dokumentieren diese Urkunden einen beständigen militärischen Werdegang.

Die Artilleriedepot-Direktion Spandau gewann während des Ersten Weltkriegs enorm an Bedeutung. Die industrielle Kriegsführung erforderte eine beispiellose Menge an Munition und Material. Zeugfeldwebel waren unverzichtbar für die Organisation dieser logistischen Herausforderungen. Sie verwalteten nicht nur Bestände, sondern waren auch für die Qualitätskontrolle, die Ausgabe und oft auch für die technische Beratung zuständig.

Solche Urkundengruppen sind heute wichtige historische Quellen. Sie ermöglichen es Forschern, individuelle Militärkarrieren nachzuvollziehen und Einblicke in die Verwaltungspraxis der kaiserlichen Armee zu gewinnen. Die geografische Verteilung der Ausstellungsorte – Danzig, Darmstadt, Spandau – illustriert zudem die Mobilität von Militärangehörigen im Deutschen Reich und die reichsweite Standardisierung militärischer Verwaltungsverfahren.

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