Wehrmacht Heer Feldbluse M40 für einen Gefreiten der Artillerie 

Kammerstück um 1940, Fertigung aus feldgrauem Tuch, feldgrauen Kragen, feldgrau getönte Knöpfe, komplett mit allen Effekten. Der Brustadler in Bevo-gewebter Ausführung, per Hand vernäht. Einheitskragenspiegel maschinell vernäht, die Schulterklappen mit Schlaufen, Waffenfarbe hochrot. Auf dem linken Ärmel das Rangabzeichen per Hand vernäht. Innen mit Futter, seitlich mit Größenangabe, Abnahmestempel "F40" und Herstellermarkierung "Steinmeyer". Maße: Schulterbreite ca. 45 cm, Armlänge-Außen ca. 59 cm, Gesamtlänge ca. 64,5 cm. Jacke wurde von der Kammer eingekürzt, Zustand 2.
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2.300,00

Wehrmacht Heer Feldbluse M40 für einen Gefreiten der Artillerie 

Die Wehrmacht Heer Feldbluse M40 repräsentiert eine bedeutende Entwicklungsstufe in der deutschen Militäruniform des Zweiten Weltkriegs. Diese Uniformjacke für einen Gefreiten der Artillerie aus dem Jahr 1940 verkörpert die typischen Merkmale der Uniformreform, die aus kriegswirtschaftlichen Gründen und aufgrund praktischer Felderfahrungen eingeleitet wurde.

Das Modell 1940 stellte eine Vereinfachung gegenüber dem früheren M36-Modell dar. Die wichtigsten Änderungen betrafen die Reduzierung von Material und Arbeitsaufwand, wobei der dunkelgrüne Kragenspiegel durch feldgraue Ausführungen ersetzt wurde. Dies geschah sowohl aus Kostengründen als auch zur Vereinfachung der Produktion in einer Zeit zunehmender Kriegsbelastung. Die Uniformvorschrift vom 8. September 1939 leitete diese Vereinfachungen ein, die im M40-Modell vollständig umgesetzt wurden.

Der Brustadler in Bevo-gewebter Ausführung ist charakteristisch für diese Periode. Die Firma Bandfabrik Ewald Vorsteher (BeVo) aus Wuppertal entwickelte ein spezielles Webverfahren, das detaillierte Hoheitszeichen auf Stoffbasis ermöglichte. Diese maschinengewebten Adler waren haltbarer und kostengünstiger als gestickte Varianten und wurden ab 1939 zunehmend verwendet. Die handgenähte Befestigung deutet auf eine qualitätsbewusste Verarbeitung hin, wie sie in den frühen Kriegsjahren noch üblich war.

Die Waffenfarbe Hochrot identifiziert den Träger eindeutig als Angehörigen der Artillerie. Das System der Waffenfarben wurde 1935 eingeführt und diente der schnellen visuellen Identifikation der Truppengattung. Die Artillerie, als eine der wichtigsten Waffengattungen der Wehrmacht, verwendete durchgängig die Farbe Hochrot für Schulterklappen und Kragenspiegel. Diese Tradition reichte bis in die preußische Armee des 19. Jahrhunderts zurück.

Der Rang Gefreiter (Corporal) war der erste Mannschaftsdienstgrad mit Beförderungscharakter in der Wehrmacht. Das auf dem linken Ärmel handgenähte Rangabzeichen, bestehend aus einem gewinkelten Tressenstreifen, kennzeichnete einen Soldaten, der sich durch Zuverlässigkeit und Dienstzeit ausgezeichnet hatte. Gefreite übernahmen oft kleinere Führungsaufgaben und wurden als potenzielle Unteroffiziere betrachtet.

Die Herstellermarkierung “Steinmeyer” verweist auf einen der zahlreichen Zulieferbetriebe, die für die Wehrmacht produzierten. Der Abnahmestempel “F40” bezeichnet das Abnahmejahr 1940 und bestätigt, dass die Uniform die militärischen Qualitätsstandards erfüllte. Die Größenangabe im Innenfutter folgte dem standardisierten System der Wehrmacht, das eine effiziente Verteilung gewährleistete.

Besonders bemerkenswert ist der Hinweis, dass die Jacke von der Kammer eingekürzt wurde. Dies war eine gängige Praxis, wenn Uniformen an kleinere Soldaten ausgegeben wurden oder wenn Reparaturen notwendig waren. Die Kammer (Bekleidungskammer) war für die Verwaltung, Ausgabe und Instandhaltung der Uniformen zuständig. Solche Modifikationen zeugen von der praktischen Verwendung des Stücks und dem Bestreben, Material effizient zu nutzen.

Die feldgraue Färbung, die für alle Uniformteile verwendet wurde, entsprach der “Heeres-Dienstvorschrift 299”, die die Uniformierung der Wehrmacht regelte. Die feldgrau getönten Knöpfe waren ab 1940 Standard und ersetzten frühere Versionen mit stärkerem Kontrast. Diese Vereinheitlichung diente sowohl der Tarnung als auch der vereinfachten Produktion.

Das Jahr 1940 markierte eine Phase relativer deutscher militärischer Erfolge mit dem Westfeldzug gegen Frankreich und die Niederlande. Die Artillerie spielte in der deutschen Kriegführung eine zentrale Rolle, sowohl in der direkten Unterstützung der Infanterie als auch im Einsatz schwerer Geschütze gegen befestigte Stellungen. Gefreite der Artillerie waren typischerweise Geschützbedienungen oder hatten spezialisierte Aufgaben wie Munitionsversorgung oder Feuerleitung.

Die vollständige Erhaltung aller Effekten macht dieses Exemplar zu einem wertvollen historischen Dokument. Viele Feldblusen haben im Laufe der Jahrzehnte Abzeichen oder Knöpfe verloren. Die Kombination aus maschinell vernähten Kragenspiegeln und handgenähtem Brustadler sowie Rangabzeichen zeigt die typische Herstellungspraxis der Zeit, bei der Effizienz und handwerkliche Qualität noch in Balance standen.

Der Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit normalen Gebrauchsspuren hin. Solche Uniformen sind wichtige materielle Zeugnisse der Militärgeschichte und ermöglichen es heutigen Generationen, die konkreten Aspekte des soldatischen Alltags zu verstehen. Sie dokumentieren nicht nur militärische Hierarchien und Organisationsstrukturen, sondern auch die industrielle Produktion und logistische Organisation einer modernen Armee im 20. Jahrhundert.