1. Weltkrieg Stahlhelm M 1917

feldgraue Lackierung zu 80 % erhalten. Innen mit Stempel "BF 64", komplett mit 3-teiligem Lederfutter am Stahlring, komplett mit Kinnriemen am Knopf 91. Getragenes Stück, Lederfutter ist beschädigt, die Polstertaschen sind nicht mehr vorhanden, 2 Helmnieten wurden ergänzt, innen leicht mit Flugrost, Kinnriemen ist fragile und nicht vorschriftsmäßig, Zustand 2-
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850,00

1. Weltkrieg Stahlhelm M 1917

Der Stahlhelm M 1917 stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte des militärischen Kopfschutzes dar und wurde zu einem der ikonischsten Symbole des Ersten Weltkriegs. Seine Entwicklung war eine direkte Antwort auf die verheerenden Kopfverletzungen, die deutsche Soldaten in den ersten Kriegsjahren erlitten.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 trugen deutsche Soldaten noch den traditionellen Pickelhelm aus Leder, der zwar imposant aussah, aber keinerlei Schutz gegen moderne Kriegswaffen bot. Die industrialisierte Kriegsführung mit ihrer massiven Artillerie, Granatsplittern und Schrapnellen forderte einen enormen Tribut. Medizinische Statistiken zeigten, dass ein unverhältnismäßig hoher Anteil der Verwundungen und Todesfälle auf Kopfverletzungen zurückzuführen war.

Im Jahr 1915 begann Dr. Friedrich Schwerd vom Technischen Institut Hannover im Auftrag des Kriegsministeriums mit der Entwicklung eines wirksamen Stahlhelms. Nach umfangreichen ballistischen Tests und Versuchen an der Front entstand das Modell 1916, das ab Januar 1916 in die Massenproduktion ging. Der M 1916 bewährte sich sofort und führte zu einer dramatischen Reduzierung tödlicher Kopfverletzungen.

Das hier beschriebene Exemplar ist ein Modell 1917, eine leicht modifizierte Weiterentwicklung des M 1916. Die Hauptunterschiede zum Vorgängermodell lagen in Details der Fertigung und der Vereinfachung bestimmter Produktionsschritte, um die steigende Nachfrage zu bewältigen. Der charakteristische Stempel “BF 64” identifiziert den Hersteller und die Losnummer. “BF” steht für die Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation, eines der bedeutendsten Stahlwerke im Ruhrgebiet und einer der Hauptlieferanten von Stahlhelmen für die deutsche Armee.

Der Helm wurde aus einem einzigen Stück Chrom-Nickel-Stahl mit einer Dicke von etwa 1,0 bis 1,2 mm tiefgezogen. Das charakteristische Design mit seiner breiten Krempe, die sich nach unten erstreckt, bot nicht nur Schutz vor herabfallenden Splittern, sondern auch vor seitlichen Projektilen. Die Hörner an den Seiten dienten zur Befestigung eines zusätzlichen Stirnpanzers für Scharfschützen und Maschinengewehrschützen, sowie eines Nackenschildes für Wachposten.

Die feldgraue Lackierung war Standard für alle deutschen Helme ab 1916 und diente der Tarnung im Grabenkrieg. Die auf diesem Exemplar zu 80% erhaltene Lackierung ist bemerkenswert, da viele Helme ihre Originalfarbe durch Witterungseinflüsse, Beschuss oder spätere Übermalungen verloren haben. Die Farbe war eine matte, nicht reflektierende Oberfläche, die oft mit Sand oder anderen Materialien versetzt wurde, um die Tarnung zu verbessern.

Das dreiteilige Lederfutter am Stahlring war ein ausgeklügeltes System, das Tragekomfort und Stoßdämpfung gewährleisten sollte. Es bestand aus drei gepolsterten Ledersegmenten, die am inneren Stahlring befestigt waren und einen Abstand zwischen Helm und Kopf schufen. Dieser Abstand war essentiell, um die Aufprallenergie zu absorbieren. Die Polstertaschen, die bei diesem Exemplar fehlen, enthielten ursprünglich Rosshaar oder ähnliche Polstermaterialien.

Der Kinnriemen war normalerweise aus robustem Leder gefertigt und wurde an beiden Seiten des Helms an speziellen Knöpfen befestigt. Der erwähnte “Knopf 91” bezieht sich auf das Modell dieser Befestigung. Das System musste sicherstellen, dass der Helm fest saß, ohne den Träger bei Explosionen zu strangulieren – ein Problem, das bei früheren Helmkonstruktionen aufgetreten war.

Während des Krieges wurden schätzungsweise über 8 Millionen Stahlhelme der Modelle M 1916 und M 1917 produziert. Die Produktion verteilte sich auf mehrere Werke, darunter neben dem Bochumer Verein auch die Eisenhütte Thale, Sachsische Emailierwerke Lauter und andere. Jeder Hersteller hatte seinen eigenen Stempelcode.

Der Stahlhelm M 1917 wurde nicht nur an der Westfront getragen, sondern auch an der Ostfront, in Italien und im Nahen Osten. Er wurde zum Symbol der deutschen Wehrmacht und beeinflusste das Design von Militärhelmen weltweit. Die charakteristische Form wurde mit leichten Modifikationen im Modell M 1935 und M 1942 während des Zweiten Weltkriegs fortgeführt.

Der Erhaltungszustand dieses Exemplars mit ergänzten Nieten, beschädigtem Lederfutter und leichtem Flugrost ist typisch für getragene Frontstücke. Diese Gebrauchsspuren erzählen die Geschichte eines Helms, der tatsächlich im Dienst war und möglicherweise das Leben eines Soldaten in den Schützengräben von Verdun, der Somme oder Flandern geschützt hat. Solche authentischen, getragenen Exemplare sind historisch besonders wertvoll, da sie unmittelbare Zeugen der Geschichte sind.

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