Bayern Bajonett M 69.

Erleichterte Ausführung für das Werder-Gewehr, Hersteller "Alex Coppel", Waffnnummer "52658", Truppenstempel "9.J.B. E ...", die Drückerfeder ausgeleiert, alle Stahlteile gedunkelt und fein narbig, kommt mit Scheide vom Württembergischen Jägerjatagan, dies ist nicht wirklich vorschriftsmäßig, taucht so aber immer wieder mal auf, eher in minderer Erhaltung. Zustand 2-3
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600,00

Bayern Bajonett M 69.

Das bayerische Bajonett Modell 1869 stellt ein bedeutendes Kapitel in der Entwicklung der deutschen Infanteriebewaffnung des späten 19. Jahrhunderts dar. Dieses Bajonett wurde speziell für das Werder-Gewehr entwickelt, ein Hinterladergewehr, das zwischen 1869 und 1872 in der bayerischen Armee eingeführt wurde und nach seinem Erfinder Johann Ludwig Werder benannt ist.

Das Werder-Gewehr markierte einen wichtigen technologischen Fortschritt in der bayerischen Militärgeschichte. Es handelte sich um ein Einzellader-Hinterladergewehr mit Fallblockverschluss, das im Kaliber 11mm × 50R verschoss. Bayern hatte sich bewusst für eine eigenständige Lösung entschieden, während andere deutsche Staaten das Dreyse-Zündnadelgewehr oder andere Systeme bevorzugten. Diese Entscheidung spiegelte die militärische Autonomie der bayerischen Armee innerhalb des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Kaiserreichs wider.

Das Bajonett M 1869 existierte in mehreren Varianten. Die hier beschriebene “erleichterte Ausführung” war eine spätere Modifikation des ursprünglichen Modells, bei der Material eingespart wurde, um Gewicht zu reduzieren und die Produktion zu vereinfachen. Diese Rationalisierung war typisch für die militärische Ausrüstungsentwicklung dieser Epoche, als die Armeen versuchten, Kosten zu senken und gleichzeitig die Kampfkraft ihrer Truppen zu erhalten.

Der Hersteller Alex Coppel war einer der bedeutenden Waffenproduzenten dieser Zeit in Süddeutschland. Die Firma Coppel, mit Sitz in Solingen, dem traditionellen Zentrum der deutschen Klingen- und Waffenproduktion, belieferte verschiedene deutsche Staaten mit Blankwaffen. Die Waffennummer 52658 deutet auf eine umfangreiche Serienproduktion hin, was die große Anzahl der für die bayerische Armee benötigten Bajonette unterstreicht.

Der Truppenstempel “9.J.B.” steht für das 9. Jägerbataillon, eine Einheit der bayerischen leichten Infanterie. Die Jägerbataillone waren Elite-Einheiten, die für besondere Aufgaben wie Aufklärung, Plänklerlinien und Gefechte in schwierigem Gelände ausgebildet wurden. Sie rekrutierten traditionell aus Männern mit Jagd- und Forstkenntnis, die bereits mit Schusswaffen vertraut waren. Die bayerische Armee verfügte im späten 19. Jahrhundert über mehrere solcher Jägerbataillone, die eine wichtige Rolle in der militärischen Organisation spielten.

Besonders interessant ist die erwähnte Kombination mit einer Scheide vom württembergischen Jägerjatagan. Dies ist historisch bemerkenswert, da es die Komplexität der Ausrüstungssituation in den deutschen Armeen der damaligen Zeit widerspiegelt. Nach der Reichsgründung 1871 begannen die verschiedenen Kontingentstruppen allmählich zu standardisieren, doch dieser Prozess verlief oft unvollständig. Dass eine bayerische Waffe mit einer württembergischen Scheide kombiniert wurde, war zwar nicht vorschriftsmäßig, aber in der Praxis nicht ungewöhnlich. Solche Kombinationen entstanden durch Materialknappheit, Versorgungsprobleme im Feld oder spätere Reorganisationen und Depotbestände.

Der württembergische Jägerjatagan selbst war eine charakteristische Blankwaffe der württembergischen Jäger, die ein gebogenes Klingenprofil aufwies und dem orientalischen Yatagan nachempfunden war. Diese romantisierende Anlehnung an exotische Waffenformen war in den deutschen Armeen des 19. Jahrhunderts nicht unüblich und verlieh den Jägereinheiten eine besondere visuelle Identität.

Die technischen Merkmale, wie die “ausgeleierten Drückerfeder” und die “gedunkelten und fein narbigen Stahlteile”, erzählen von der langen Nutzungsgeschichte dieser Waffe. Die Dunklung der Stahlteile war eine übliche Oberflächenbehandlung zur Korrosionsverhinderung, die im Laufe der Zeit und durch Gebrauch eine charakteristische Patina entwickelte. Die narbige Oberfläche könnte sowohl auf die ursprüngliche Behandlung als auch auf jahrzehntelange Lagerung und Handhabung zurückzuführen sein.

Das Werder-Gewehr und seine Bajonette blieben nur relativ kurz im aktiven Dienst der bayerischen Armee. Bereits 1872 wurde das einheitliche Infanteriegewehr Modell 1871 (auch bekannt als Mauser 71) für die gesamte deutsche Armee eingeführt, was die Standardisierung der Bewaffnung im Deutschen Kaiserreich markierte. Dennoch wurden die Werder-Gewehre nicht sofort ausgemustert, sondern dienten noch Jahre als Zweitlinienwaffen, bei Landwehr und Landsturm oder wurden in Depots gelagert.

Heute sind diese bayerischen Bajonette gesuchte Sammlerstücke, die ein wichtiges Kapitel der deutschen Militärgeschichte repräsentieren. Sie dokumentieren die Übergangszeit zwischen den einzelstaatlichen Armeen und der zunehmenden Vereinheitlichung der deutschen Streitkräfte nach 1871, eine Phase von großer technologischer Innovation und militärischer Reorganisation in der europäischen Geschichte.

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