III. Reich - KPM Porzellan Plakette zur Wiederherstellung des Staatlichen Opernhauses bzw. der Berliner Staatsoper 1942

Plakette aus weißem unglasiertem Porzellan, ca. 16,5 x 11,5 cm, mit dem Dankestext von Hermann Göring "In dankbarer Anerkennung erfolgreicher Mitarbeit an der Wiederherstellung des Staatlichen Opernhauses, 7. Dezember 1942, der Reichsmarschall des Grossdeutschen Reiches", für die Mitarbeit beim Wiederaufbau der am 10.4.41 durch einen britischen Luftangriff zerstörten Staatsoper. Im Originalkarton. 

477445
850,00

III. Reich - KPM Porzellan Plakette zur Wiederherstellung des Staatlichen Opernhauses bzw. der Berliner Staatsoper 1942

Die KPM-Porzellanplakette zur Wiederherstellung der Berliner Staatsoper aus dem Jahr 1942 repräsentiert ein bemerkenswertes Beispiel nationalsozialistischer Dankesbezeugungen und der Propaganda des Dritten Reiches. Dieses Objekt dokumentiert die aufwendigen Bemühungen zur Wiederherstellung eines der bedeutendsten kulturellen Wahrzeichen Berlins nach dessen Zerstörung durch alliierte Luftangriffe.

Die Berliner Staatsoper, auch bekannt als Staatsoper Unter den Linden, wurde am 10. April 1941 während eines britischen Luftangriffs schwer beschädigt. Das 1742 unter Friedrich dem Großen eröffnete Opernhaus galt als eines der prestigeträchtigsten kulturellen Zentren Deutschlands. Seine Zerstörung stellte nicht nur einen erheblichen Verlust für das kulturelle Leben Berlins dar, sondern wurde von der NS-Führung auch als symbolischer Angriff auf die deutsche Kultur interpretiert.

Hermann Göring, in seiner Funktion als Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches und Preußischer Ministerpräsident, übernahm persönlich die Schirmherrschaft über den Wiederaufbau. Göring, der sich selbst als Kunstmäzen und Kulturschützer inszenierte, ließ die Plaketten bei der renommierten Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) anfertigen. Die KPM, gegründet 1763, war die älteste noch existierende Porzellanmanufaktur Europas und genoss internationales Ansehen für ihre Qualität.

Die Plakette aus weißem unglasiertem Porzellan, bekannt als Biskuitporzellan, misst etwa 16,5 x 11,5 cm und trägt die Inschrift: “In dankbarer Anerkennung erfolgreicher Mitarbeit an der Wiederherstellung des Staatlichen Opernhauses, 7. Dezember 1942, der Reichsmarschall des Grossdeutschen Reiches”. Die Verwendung von Biskuitporzellan war eine bewusste ästhetische Entscheidung, die an klassische Medaillons und Plaketten des 18. und 19. Jahrhunderts erinnerte und der Auszeichnung eine zeitlose, erhabene Qualität verlieh.

Der 7. Dezember 1942 markierte die feierliche Wiedereröffnung der Staatsoper mit einer Aufführung von Wagners “Die Meistersinger von Nürnberg” – ein Werk, das von den Nationalsozialisten besonders geschätzt wurde. Der Wiederaufbau war in nur 20 Monaten durchgeführt worden, eine bemerkenswerte Leistung angesichts der kriegsbedingten Materialknappheit und Arbeitskräftemangel. Dies wurde von der NS-Propaganda als Beweis deutscher Leistungsfähigkeit und des unbeugsamen Willens inszeniert.

Die Plaketten wurden an Architekten, Handwerker, Künstler, Ingenieure und andere Beteiligte vergeben, die zum Wiederaufbau beigetragen hatten. Sie dienten mehreren Zwecken: als persönliche Anerkennung, als Propagandainstrument zur Demonstration kultureller Kontinuität trotz des Krieges, und als Dokument der angeblichen Fürsorge der NS-Führung für die deutsche Kultur. Die Verleihung erfolgte in der Regel zusammen mit dem Originalkarton, was die zeremonielle Bedeutung unterstreicht.

Die Produktion solcher Plaketten durch die KPM war während des Dritten Reiches nicht ungewöhnlich. Die Manufaktur fertigte verschiedene offizielle Auszeichnungen, Geschenke und Erinnerungsstücke für staatliche Anlässe. Die Zusammenarbeit zwischen der traditionellen Kunsthandwerksinstitution und dem NS-Regime illustriert die komplexe Verflechtung von Kultur, Handwerk und Politik in dieser Epoche.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Dokumente. Sie dokumentieren nicht nur die kulturpolitischen Prioritäten des NS-Regimes, sondern auch den Versuch, selbst während des totalen Krieges ein Bild von Normalität und kultureller Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, dass erhebliche Ressourcen in den Wiederaufbau eines Opernhauses investiert wurden, während gleichzeitig Millionen Menschen in den besetzten Gebieten litten und die deutsche Zivilbevölkerung zunehmend unter den Kriegsfolgen litt, offenbart die verzerrten Prioritäten der NS-Führung.

Die Staatsoper sollte übrigens nicht lange unversehrt bleiben – sie wurde 1944 erneut durch alliierte Bombenangriffe schwer beschädigt und erst nach dem Krieg, in den 1950er Jahren, endgültig wiederaufgebaut. Heute gehören solche KPM-Plaketten zu den seltenen Zeugnissen dieser turbulenten Periode und werden in Museen und Sammlungen als historische Artefakte bewahrt, die Einblick in die Propagandamethoden und kulturellen Bestrebungen des Dritten Reiches geben.