Maidenbrosche der Landfrauenschule Chattenbühl bei Hann.Münden 1. Form

Buntmetall, an Nadel. Zustand 2.
478445
€ 180,00

Maidenbrosche der Landfrauenschule Chattenbühl bei Hann.Münden 1. Form

Die Maidenbrosche der Landfrauenschule Chattenbühl bei Hann.Münden repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Bildungs- und Sozialgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Obwohl dieses Objekt nicht im engeren Sinne als militärisches Artefakt klassifiziert werden kann, spiegelt es dennoch die gesellschaftlichen Strukturen und Bildungsideale wider, die in der Zeit zwischen dem Kaiserreich und der NS-Zeit prägend waren.

Die Landfrauenschulen entstanden in Deutschland ab den 1890er Jahren als Teil einer umfassenden Reformbewegung im ländlichen Raum. Diese Einrichtungen zielten darauf ab, jungen Frauen aus bäuerlichen Familien eine praktische und theoretische Ausbildung in Hauswirtschaft, Landwirtschaft und Handarbeit zu vermitteln. Die Schule am Chattenbühl bei Hann.Münden in Niedersachsen war eine dieser Institutionen, die in der Region Südniedersachsen eine wichtige Rolle in der Mädchenbildung spielte.

Die hier beschriebene Brosche aus Buntmetall wurde als Abzeichen oder Erkennungszeichen getragen und diente mehreren Zwecken. Erstens identifizierte sie die Trägerin als Schülerin oder Absolventin der Einrichtung. Zweitens symbolisierte sie die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft junger Frauen, die sich der Verbesserung der ländlichen Haushaltsführung und der landwirtschaftlichen Praxis verschrieben hatten. Die Bezeichnung “1. Form” deutet darauf hin, dass es verschiedene Versionen oder Jahrgänge dieser Broschen gab, wobei diese hier die erste Ausführung darstellt.

Im Kontext der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts gewannen solche Institutionen besondere Bedeutung. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) verstärkte sich die Notwendigkeit, die ländliche Bevölkerung besser auszubilden, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Weimarer Republik machten eine effiziente Haushaltsführung und landwirtschaftliche Produktion noch wichtiger.

Während der NS-Zeit wurden viele dieser Landfrauenschulen in das System der Reichsnährstand-Organisationen eingegliedert. Die ursprünglich emanzipatorischen Bildungsziele wurden zunehmend durch ideologische Inhalte überlagert, die Frauen primär auf ihre Rolle als Mütter und Hausfrauen im Sinne der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie vorbereiteten.

Die Herstellung aus Buntmetall – eine Legierung aus Kupfer und anderen Metallen – war typisch für solche Abzeichen im frühen 20. Jahrhundert. Im Gegensatz zu wertvolleren Materialien wie Silber oder Gold waren Buntmetall-Broschen kostengünstig herzustellen und damit für eine breite Schülerschaft erschwinglich. Die Befestigung an einer Nadel ermöglichte das Tragen an der Kleidung, üblicherweise an der Bluse oder am Kleid.

Die Region Hann.Münden, gelegen am Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser, war traditionell landwirtschaftlich geprägt. Die Gründung einer Landfrauenschule in dieser Gegend entsprach dem Bedürfnis, die lokale Bevölkerung für die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft und Haushaltsführung auszubilden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele dieser Einrichtungen neu strukturiert oder aufgelöst. Einige entwickelten sich zu modernen Fachschulen für Hauswirtschaft und Sozialpädagogik weiter. Die historischen Abzeichen und Broschen dieser Schulen sind heute begehrte Sammlerstücke, die Einblicke in die Bildungsgeschichte und das Alltagsleben vergangener Generationen bieten.

Der angegebene Zustand 2 in der Objektbeschreibung deutet nach gängigen Sammlerkategorien auf einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand hin, bei dem das Objekt möglicherweise leichte Gebrauchsspuren aufweist, aber keine wesentlichen Beschädigungen zeigt. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt, das vermutlich aus der Zeit zwischen 1920 und 1945 stammt.

Für Sammler und Historiker bieten solche Broschen wertvolle Einblicke in die Institutionengeschichte, die Materialkultur der Zeit und die sozialgeschichtlichen Aspekte der Frauenbildung im ländlichen Raum. Sie dokumentieren eine Ära, in der Bildung zunehmend auch für Frauen aus allen Gesellschaftsschichten zugänglich wurde, wenn auch oft mit spezifischen geschlechtsspezifischen Erwartungen verbunden.