Miniatur - Ehrenzeichen vom Deutschen Roten Kreuz 1937-1939 Kreuz 3. Klasse

16 mm, einseitig emaillierte Ausführung, an Öse, mit Bandabschnitt, Zustand 2
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135,00

Miniatur - Ehrenzeichen vom Deutschen Roten Kreuz 1937-1939 Kreuz 3. Klasse

Die Miniatur des Ehrenzeichens vom Deutschen Roten Kreuz 3. Klasse aus der Periode 1937-1939 repräsentiert eine bedeutende Phase in der Geschichte der deutschen Wohlfahrtsorganisationen während der nationalsozialistischen Ära. Diese nur 16 mm große, einseitig emaillierte Ausführung an Öse mit Bandabschnitt ist ein typisches Beispiel der Miniaturdekorationen, die im Deutschen Reich für den alltäglichen oder gesellschaftlichen Gebrauch getragen wurden.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hatte im Jahr 1937 eine grundlegende Neuorganisation erfahren. Nach dem Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937 wurde die Organisation vollständig dem nationalsozialistischen Staat unterstellt und in die Strukturen der NSDAP eingegliedert. Der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha wurde als Präsident durch den Arzt Ernst-Robert Grawitz ersetzt, der gleichzeitig SS-Gruppenführer und Reichsarzt SS war. Diese Gleichschaltung bedeutete einen fundamentalen Wandel für eine Organisation, die seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert auf den Prinzipien der Genfer Konvention basierte.

Die Ehrenzeichen vom Deutschen Roten Kreuz wurden am 1. Oktober 1922 gestiftet und nach 1937 mit neuen Statuten versehen. Die Auszeichnung existierte in drei Klassen: Die 1. Klasse als Kreuz am Bande, die 2. Klasse als Steckkreuz mit Nadel, und die 3. Klasse ebenfalls als Kreuz mit Band. Alle drei Klassen konnten in der Miniaturform getragen werden, wie das hier vorliegende Exemplar.

Die 3. Klasse wurde für langjährige aktive Mitarbeit und besondere Verdienste um das Deutsche Rote Kreuz verliehen. Die Verleihungskriterien wurden 1937 neu definiert und an die Anforderungen des nationalsozialistischen Staates angepasst. Das Ehrenzeichen konnte sowohl an Männer als auch an Frauen verliehen werden, die sich in der praktischen Rot-Kreuz-Arbeit bewährt hatten, sei es in der Sanitätsausbildung, der Krankenpflege oder der Katastrophenhilfe.

Die Miniaturausführungen von Orden und Ehrenzeichen hatten im deutschen Militär- und Zivildekorsystem eine lange Tradition. Sie wurden typischerweise bei gesellschaftlichen Anlässen, in Zivilkleidung oder bei kleineren Uniformen getragen, wo die Vollgröße der Auszeichnung zu dominant gewirkt hätte. Die hier vorliegende Miniatur mit nur 16 mm Durchmesser entspricht den üblichen Proportionen, die etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Originalgröße entsprachen.

Die einseitige Emailierung war bei Miniaturen aus wirtschaftlichen Gründen üblich, da die Rückseite beim Tragen ohnehin nicht sichtbar war. Die Qualität der Emaillierung variierte je nach Hersteller erheblich. Die Farben des DRK-Ehrenzeichens – ein rotes Kreuz auf weißem Grund – mussten sorgfältig aufgetragen werden, wobei die rote Emaille besonders anfällig für Beschädigungen war.

Die Periode 1937-1939 markiert eine spezifische Phase vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit wurde das Deutsche Rote Kreuz systematisch auf seine Rolle im kommenden Konflikt vorbereitet. Die Organisation führte verstärkt Ausbildungskurse in Erster Hilfe durch, bildete Schwestern und Sanitäter aus und baute die Infrastruktur für den Kriegsfall aus. Die Verleihung von Ehrenzeichen diente auch der Motivation und Bindung von freiwilligen Helfern.

Das Band des Ehrenzeichens war weiß mit roten Streifen an den Rändern, die traditionellen Farben des Roten Kreuzes. Bei Miniaturen wurde meist nur ein kurzer Bandabschnitt verwendet, an dem die Miniatur mittels einer Öse befestigt war. Dies ermöglichte das Tragen an Frackketten oder speziellen Miniaturspangen.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 gewann das DRK eine noch zentralere Rolle. Die in den Jahren 1937-1939 verliehenen Ehrenzeichen dokumentieren daher die Aufbauphase einer Organisation, die später in den Kriegsgeschehnissen eine tragische Rolle spielen sollte, oft weit entfernt von den ursprünglichen humanitären Idealen Henry Dunants.

Heute sind solche Miniaturen aus der NS-Zeit historische Dokumente, die die Vereinnahmung humanitärer Organisationen durch totalitäre Regime illustrieren. Sie erinnern an die Notwendigkeit der Unabhängigkeit von Hilfsorganisationen und die Gefahr der Instrumentalisierung für staatliche Zwecke. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in das komplexe System von Auszeichnungen und gesellschaftlicher Anerkennung im Dritten Reich.