Preußen Schirmmütze für Offiziere im Garde-Schützen-Bataillon

Standort Berlin-Lichterfelde. Eigentumsstück um 1910. Die Schirmmütze in eleganter Sattelform, dunkelgrüner Stoff mit schwarzem Bund und roten Vorstößen, beide Kokarden, schwarz lackierter Schirm, innen mit braunem Schweißband und taubengrauen Futter. Im Schirm handschriftlich die Größe «57». Das Schweißband vorne beschädigt. Zustand 2.
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450,00

Preußen Schirmmütze für Offiziere im Garde-Schützen-Bataillon

Die Schirmmütze für Offiziere des Garde-Schützen-Bataillons repräsentiert ein bedeutendes Beispiel preußischer Militärtradition aus der späten Kaiserzeit. Das Garde-Schützen-Bataillon, stationiert in Berlin-Lichterfelde, nahm eine besondere Stellung innerhalb der preußischen Garde ein und seine Uniformierung spiegelte diese Exklusivität wider.

Das Garde-Schützen-Bataillon wurde 1814 als Teil der preußischen Militärreformen nach den Befreiungskriegen gegründet. Ursprünglich als leichte Infanterie konzipiert, entwickelte sich das Bataillon zu einer Eliteeinheit, die direkt dem König unterstand. Die Verlegung nach Lichterfelde, einem südwestlichen Vorort Berlins, erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo sich das Bataillon in der dortigen Kaserne etablierte. Lichterfelde wurde zu einem wichtigen Zentrum der preußischen Militärausbildung, besonders bekannt durch die dort ansässige Hauptkadettenanstalt.

Die vorliegende Schirmmütze stammt aus der Zeit um 1910, einer Periode, in der die preußische Armee ihre traditionellen Uniformvorschriften noch streng beachtete, aber bereits erste Modernisierungstendenzen erkennbar waren. Die charakteristische Sattelform der Mütze war typisch für die preußischen Offiziersmützen dieser Epoche und unterschied sich deutlich von den einfacheren Ausführungen der Mannschaften.

Die Farbgebung der Mütze ist von besonderer historischer Bedeutung: Der dunkelgrüne Stoff war die Waffenfarbe der Schützen und Jäger in der preußischen Armee und ging auf die Tradition der leichten Infanterie zurück. Diese Einheiten, ursprünglich für den Gefechts- und Plänklerdienst vorgesehen, trugen traditionell Grün als Tarnfarbe. Der schwarze Bund und die roten Vorstöße waren spezifische Kennzeichen des Garde-Schützen-Bataillons und unterschieden diese Einheit von anderen Schützenverbänden der preußischen Armee.

Die beiden Kokarden an der Mütze besaßen hohe symbolische Bedeutung. Die obere Kokarde zeigte die schwarz-weiß-schwarzen Farben Preußens, während die untere Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot die Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich anzeigte. Diese doppelte Kokarde war charakteristisch für preußische Militärmützen nach der Reichsgründung von 1871 und symbolisierte die Einheit von preußischer Tradition und deutscher Nationalidentität.

Der schwarz lackierte Schirm entsprach den Vorschriften für Offiziersmützen und bildete einen eleganten Kontrast zum dunkelgrünen Oberstoff. Die lackierte Oberfläche diente nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern bot auch praktischen Schutz gegen Witterungseinflüsse. Die hochwertige Verarbeitung mit braunem Schweißband und taubengrauem Futter unterstreicht den Status als Offiziersausrüstung. Diese Materialien waren deutlich qualitätsvoller als jene der Mannschaftsmützen.

Die handschriftliche Größenangabe “57” im Schirm war eine übliche Praxis und entspricht der deutschen Kopfweitenangabe in Zentimetern. Solche persönlichen Markierungen ermöglichen es, die Mütze als individuelles Eigentumsstück eines bestimmten Offiziers zu identifizieren, auch wenn der Name des Trägers nicht überliefert ist.

Die Schirmmütze wurde zu verschiedenen Anlässen getragen, insbesondere bei Ausgangsuniform und zu repräsentativen Zwecken. Sie war Teil der sogenannten kleinen Uniform und ergänzte den Waffenrock. Für Paraden und große Zeremonien trugen die Offiziere hingegen andere Kopfbedeckungen wie den Tschako oder die Pickelhaube.

Das Jahr 1910 markiert eine interessante Übergangsphase in der preußischen Militärgeschichte. Während die traditionellen Uniformen noch vorherrschten, begannen bereits Diskussionen über praktischere Felduniformen. Der Erste Weltkrieg würde nur wenige Jahre später diese prächtigen, aber im modernen Gefecht unpraktischen Uniformtraditionen weitgehend beenden.

Das Garde-Schützen-Bataillon selbst nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde später in der Weimarer Republik aufgelöst. Die Kaserne in Lichterfelde blieb jedoch ein wichtiger militärischer Standort und wurde in der Zeit des Nationalsozialismus von verschiedenen SS-Einheiten genutzt.

Heute stellen solche Uniformstücke wichtige historische Dokumente dar, die Einblick in die Militärkultur des Deutschen Kaiserreichs geben. Sie zeugen von der Bedeutung, die Tradition, Hierarchie und äußere Erscheinung in der preußischen Armee hatten. Die sorgfältige Unterscheidung durch Farben, Schnitte und Materialien ermöglichte es, Einheit, Rang und Waffengattung auf den ersten Blick zu erkennen – ein System, das die hochentwickelte Militärbürokratie des preußischen Staates widerspiegelt.