Preußen Schirmmütze für einen Offizier des Garde-Schützen-Landwehr-Bataillons
Sehr selten.
Äußerst selten! Erstmalig in unserem Programm!
Die vorliegende Schirmmütze eines Offiziers des Garde-Schützen-Landwehr-Bataillons repräsentiert ein außerordentlich seltenes Beispiel preußischer Militärheadgear aus der späten Kaiserzeit, circa 1910. Dieses Bataillon gehörte zur preußischen Landwehr, der Reserve- und Territorialarmee des Königreichs Preußen, und innerhalb dieser zur prestigeträchtigen Garde.
Das Garde-Schützen-Landwehr-Bataillon war eine höchst exklusive Formation innerhalb der preußischen Armee. Die Garde-Formationen genossen traditionell einen besonderen Status als Eliteeinheiten, die direkt dem preußischen König unterstanden. Die Schützen-Einheiten entwickelten sich aus den Jägerbataillonen des 18. Jahrhunderts und zeichneten sich durch besondere Fähigkeiten im Schießen und in der leichten Infanterietaktik aus. Die Kombination von Garde-Status und Schützen-Spezialisierung machte diese Formation besonders prestigeträchtig.
Die Landwehr selbst war eine Institution, die nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon durch die Wehrpflichtverordnung von 1814 geschaffen wurde. Sie bestand aus Männern, die ihren aktiven Militärdienst bereits absolviert hatten, aber im Alter von 27 bis 39 Jahren noch wehrpflichtig blieben. Offiziere der Landwehr waren oft Reserveoffiziere, die im zivilen Leben andere Berufe ausübten, aber ihre militärische Verpflichtung beibehielten. Der soziale Status eines Landwehroffiziers war in der wilhelminischen Gesellschaft beträchtlich.
Die Schirmmütze zeigt die charakteristische hohe, elegante Tellerform, die für Offizierskappen der preußischen Armee um 1910 typisch war. Das dunkelgrüne Tuch ist die Waffenfarbe der Schützen- und Jägerformationen, die sich damit von der preußischen Infanterie mit ihren roten Aufschlägen unterschieden. Der schwarze Samtbund und der weiße Vorstoß entsprechen den Vorschriften für Offizierskappen dieser Periode.
Besonders bemerkenswert ist die Kombination der beiden Kokarden. Die preußische Landeskokarde in Schwarz-Weiß war obligatorisch für alle preußischen Truppen. Die zweite Kokarde trägt das Landwehrkreuz, ein besonderes Kennzeichen, das die Zugehörigkeit zur Landwehr dokumentierte. Das Landwehrkreuz wurde 1813 durch König Friedrich Wilhelm III. gestiftet und blieb bis 1918 das Symbol der Landwehr-Formationen.
Die Innenausstattung mit braunem Schweißband und lila Seidenfutter entspricht der hochwertigen Verarbeitung, die von Offiziersuniformen erwartet wurde. Die Kennzeichnung “Deutsche Qualitätsarbeit” weist auf die Herstellung in einem renommierten deutschen Uniformatelier hin. Offizierskappen waren Eigentumsstücke, die von den Offizieren selbst beschafft werden mussten, im Gegensatz zu den Mannschaftsuniformen, die vom Staat gestellt wurden.
Die Bekleidungsvorschriften für die preußische Armee wurden detailliert in den Adjustierungsvorschriften geregelt, die regelmäßig aktualisiert wurden. Die letzte umfassende Revision vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte 1899, mit weiteren Änderungen in den folgenden Jahren. Diese Vorschriften legten genau fest, welche Farben, Materialien und Verzierungen für jede Formation und jeden Rang zu verwenden waren.
Das Jahr 1910, in dem diese Mütze datiert wird, fällt in die späte Regierungszeit Kaiser Wilhelms II., eine Periode, in der die preußisch-deutsche Armee ihren Höhepunkt an Größe und Komplexität erreichte. Die Landwehr wurde kontinuierlich ausgebaut und modernisiert, um im Kriegsfall als schnell mobilisierbare Reserve zu dienen.
Die Seltenheit dieses Objekts erklärt sich aus mehreren Faktoren. Erstens war das Garde-Schützen-Landwehr-Bataillon eine relativ kleine Formation mit entsprechend wenigen Offizieren. Zweitens wurden viele Uniformstücke während und nach dem Ersten Weltkrieg zerstört, verbraucht oder entsorgt. Drittens galten die Uniformen der kaiserlichen Armee nach 1918 in der Weimarer Republik als politisch problematisch, was zu weiteren Verlusten führte.
Der angegebene Zustand 2 mit nur einem kleinen Mottenloch am Deckelrand ist für ein über hundert Jahre altes Textilstück bemerkenswert gut. Dies deutet darauf hin, dass die Mütze unter günstigen Bedingungen aufbewahrt wurde, möglicherweise von Nachfahren des ursprünglichen Besitzers oder von Sammlern, die ihren historischen Wert erkannten.
Solche Kopfbedeckungen sind wichtige materielle Zeugnisse der preußisch-deutschen Militärgeschichte und dokumentieren nicht nur die militärische Organisation, sondern auch die soziale Struktur und die handwerklichen Fähigkeiten der Zeit. Sie ermöglichen es Historikern und Sammlern, die komplexe Welt der kaiserlichen Armee zu verstehen und zu rekonstruieren.