Preußen Waffenrock für einen Gefreiten im Kürassier-Regiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4

Standort Münster. Eigentumsstück um 1910. Der Rock aus dunkelblauem Stoff mit roten Vorstößen, rotem Stehkragen und roten "schwedischen" Ärmelaufschlägen, die Ärmel und der Stehkragen mit der rot-weiß-roten Borte, vernickelte Knöpfe, auf den Schultern eingenäht die weißen Schulterklappen mit den roten Vorstößen, Knöpfe der 1. Eskadron, am Stehkragen die vernickelten Wappenknöpfe für den Gefreiten, am rechten Ärmel der Winkel für "gutes Lanzenfechten" und das "Winkerabzeichen". Innen mit schwarzem Futter. Wenige kleine ca. Stecknadelkopfgroße Mottenlöchlein. Zustand 2.
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1.650,00

Waffenrock für einen Gefreiten im Kürassier-Regiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4

Dieses eindrucksvolle Stück preußischer Militärgeschichte – ein Waffenrock für einen Gefreiten des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 – ist ein herausragendes Zeugnis der letzten Friedensjahre des Kaiserreichs. Als Eigentumsstück aus der Zeit um 1910 verkörpert dieser Paraderock die ganze Pracht und Tradition der schweren preußischen Kavallerie, die in Münster in Westfalen garnisoniert war.

Das Regiment: Von den Anfängen bis zur Auflösung

Die Geschichte des Kürassier-Regiments Nr. 4 reicht bis in die Regierungszeit König Friedrich Wilhelms I. zurück. Am 17. Juli 1717 wurde das Regiment als Dragonerregiment in Ostpreußen gegründet. Über ein Jahrhundert lang diente es als Dragonereinheit, bevor es am 27. Mai 1819 zum Kürassierregiment umgewandelt wurde. Seinen endgültigen Namen erhielt das Regiment am 27. Januar 1889 durch Kaiser Wilhelm II., der es nach Generalleutnant Georg Wilhelm von Driesen (1700–1758) benannte, einem bedeutenden preußischen General.

Das Regiment blickte auf eine beeindruckende Kriegsgeschichte zurück. Es nahm an den Schlesischen Kriegen (1740–1742, 1744–1745), dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und den Napoleonischen Kriegen einschließlich der Schlacht bei Waterloo 1815 teil. In den deutschen Einigungskriegen kämpfte es gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870–71).

Die Garnisonsgeschichte des Regiments ist eng mit Westfalen verbunden. Ursprünglich waren die Schwadronen auf Münster (Regimentsstab), Hamm, Telgte und Warendorf verteilt. Ab 1885 wurden alle Einheiten in Münster zusammengezogen. Im Frieden bestand das Regiment aus fünf Schwadronen, die für den Kriegseinsatz auf vier reduziert wurden.

Der Erste Weltkrieg und das Ende

Am 2. August 1914 rückte das Regiment nach Frankreich aus und beteiligte sich am Vormarsch auf Paris. Es wurde im Stellungskrieg bei Warneton eingesetzt, bevor es im November 1914 an die Ostfront verlegt wurde. Nach der deutschen Niederlage wurde das Regiment 1919 aufgelöst. Der Vertrag von Versailles beseitigte die Kürassierregimenter vollständig aus der deutschen Militärstruktur.

Der Waffenrock: Erscheinungsbild und Bedeutung

Der vorliegende Waffenrock war die vorgeschriebene Paradeuniform der preußischen Kürassiere. Er besteht aus dunkelblauem Wolltuch mit roten Vorstößen, einem roten Stehkragen und roten “schwedischen” Ärmelaufschlägen. Die schwedischen Aufschläge waren eines von mehreren vorgeschriebenen Aufschlagmustern – neben brandenburgischen, polnischen und sächsischen – die die Regimentszugehörigkeit anzeigten. Kragen und Ärmel sind mit der charakteristischen rot-weiß-roten Borte besetzt.

Die weißen Schulterklappen mit roten Vorstößen sind eingenäht. Die darauf befindlichen Knöpfe weisen den Träger der 1. Eskadron zu. Die vernickelten Wappenknöpfe am Stehkragen kennzeichnen den Dienstgrad des Gefreiten – den höchsten Mannschaftsdienstgrad, zu dem Wehrpflichtige bis 1918 normalerweise befördert werden konnten. Die Wappenknöpfe wurden parallel zu den Schulterklappen am Kragen angebracht.

Besonders bemerkenswert sind die Abzeichen am rechten Ärmel: Der Winkel für “gutes Lanzenfechten” belegt die Qualifikation des Trägers im Lanzenkampf – eine zentrale Fertigkeit der schweren Kavallerie. Ergänzt wird dieser durch das Winkerabzeichen, das auf eine zusätzliche Ausbildung als Signalgeber hinweist. Das Innenfutter besteht aus schwarzem Stoff.

Uniformentwicklung und historischer Kontext

Um 1910, als dieser Rock gefertigt wurde, befand sich die kaiserliche Armee in einer Phase des Umbruchs. Die preußischen Kürassiere verfügten über mehrere Uniformtypen: den dunkelblauen Waffenrock für Paraden und feierliche Anlässe (wie das vorliegende Stück), einen weißen Koller für bestimmte formelle Gelegenheiten und seit 1907/1910 eine feldgraue Uniform für den Felddienst. Der dunkelblaue Waffenrock wurde für Paraden, Inspektionen und offizielle Anlässe getragen – nicht im Feld.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der dunkelblaue Waffenrock noch bis Mitte 1915 für Paradezwecke verwendet, bevor er im Zuge kriegsbedingter Vereinfachungsmaßnahmen endgültig abgeschafft wurde. Die feldgraue Uniform hatte den dunkelblauen Rock für den praktischen Dienst bereits vor dem Krieg ersetzt.

Erinnerung an das Regiment in Münster

Die Erinnerung an das Kürassier-Regiment Nr. 4 wird in Münster bis heute gepflegt. 1924 wurde ein erstes Denkmal am Neuplatz errichtet. Ein zweites, aufwendigeres Sandsteindenkmal folgte 1930 am selben Standort; dessen Metallbeschläge wurden allerdings 1942 für Kriegszwecke entfernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein drittes Denkmal errichtet.

Dieser Waffenrock ist ein faszinierendes Sammlerstück, das die Tradition, die Ausbildungsstandards und das Erscheinungsbild eines einzelnen Soldaten der preußischen schweren Kavallerie in den letzten Friedensjahren des Kaiserreichs greifbar macht. Die Kombination aus Eskadronzugehörigkeit, Dienstgradabzeichen und Qualifikationswinkeln macht ihn zu einem besonders aussagekräftigen Dokument soldatischen Alltags vor dem Großen Krieg.