Schlesischer Adler 1. Stufe 

Eisen geschwärzt, an runder Nadel. Zustand 3.
521245
€ 135,00

Schlesischer Adler 1. Stufe 

Der Schlesische Adler 1. Stufe, auch als Schlesisches Bewährungsabzeichen bekannt, gehört zu den bedeutendsten regionalen Auszeichnungen der Weimarer Republik und dokumentiert einen dramatischen Abschnitt deutsch-polnischer Grenzgeschichte. Diese militärische Ehrenzeichen wurde am 16. Juni 1919 durch das Generalkommando des VI. Armee-Korps unter Generalleutnant Friedrich von Friedeburg gestiftet, um Angehörige des schlesischen Grenzschutzes zu ehren, die Schlesien während der turbulenten Nachkriegsjahre gegen polnische Angriffe verteidigten.

Der historische Kontext dieser Auszeichnung ist untrennbar mit den Schlesischen Aufständen von 1919 bis 1921 verbunden. Der Versailler Vertrag hatte eine Volksabstimmung über die Zukunft Oberschlesiens vorgeschrieben, was zu drei polnischen Aufständen zwischen August 1919 und Juli 1921 führte. In dieser hochexplosiven Grenzregion diente der Schlesische Adler sowohl als militärische Auszeichnung als auch als Symbol regionaler Identität in einem umkämpften Territorium.

Das Design stammte von dem Breslauer Bildhauer Professor Theodor von Gosen und zeigt einen aufrechten schlesischen Adler mit Blick nach rechts. Auf der Brust und den Flügeln trägt der Adler einen versilberten Halbmond mit Kreuz darüber – das schlesische Wappen. In seinen Fängen hält er ein Banner mit der Inschrift “FÜR SCHLESIEN”. Das Abzeichen wurde als Anstecknadel auf der linken Brust unterhalb des Eisernen Kreuzes 1. Klasse oder des Verwundetenabzeichens von 1918 getragen.

Die Maße variierten je nach Hersteller zwischen etwa 42 bis 47 Millimeter Höhe und 30 bis 32 Millimeter Breite. Verschiedene renommierte Hersteller produzierten das Abzeichen, darunter Paul Meybauer Berlin, Wilhelm Deumer Lüdenscheid und Petz & Lorenz Unterreichenbach. Das Material bestand aus geschwärztem Eisen oder Buntmetall, wobei Halbmond und Banner versilbert waren. Die offizielle Version war aus Eisen gefertigt, doch ab 1921 wurden auch emaillierte Versionen geduldet, die allerdings teurer waren als die reguläre Ausführung von etwa 3,50 Mark, die die Empfänger selbst erwerben mussten.

Die Verleihungskriterien für die 1. Stufe waren streng: Ursprünglich wurde sie für sechs Monate vorbildlichen Dienstes beim Grenzschutz Schlesien in derselben Einheit während 1918 bis 1919 verliehen. Zivilpersonen waren von der Verleihung ausgeschlossen. Die Verleihungen sollten zunächst am 1. Februar 1920 enden, wurden jedoch 1921 während des dritten polnischen Aufstands erneuert, wobei die Kriterien von zeitbasiert auf Kampfverdienst umgestellt wurden.

Ab dem 1. Juli 1921 konnten beide Stufen mit Eichenlaub, Schwertern oder beidem verliehen werden, was insgesamt acht Varianten pro Stufe schuf. Ein herausragender Träger war Hyazinth Graf Strachwitz, der sowohl die 2. als auch die 1. Stufe mit Eichenlaub und Schwertern für seine Taten in der Schlacht am Annaberg vom 21. bis 26. Mai 1921 erhielt, wo er als erster Deutscher den Gipfel erreichte. Die Empfänger stammten hauptsächlich aus schlesischen Regimentern und Freikorps-Formationen, besonders dem Freikorps Oberland.

Die geschätzten Verleihungszahlen belaufen sich auf etwa 10.000 für beide Stufen insgesamt, wobei die Auszeichnungen mit Eichenlaub und Schwertern mit etwa 2.000 deutlich seltener waren. Die Anzahl der Exemplare der 1. Stufe war aufgrund der restriktiven Verleihungspraxis entsprechend gering.

Die Nachgeschichte des Schlesischen Adlers zeigt seine anhaltende Bedeutung: Am 15. Mai 1934 wurde die Auszeichnung in ihrer Grundform unter dem nationalsozialistischen Deutschland als staatliche Auszeichnung anerkannt, allerdings ohne Eichenlaub und Schwerter. Sie gehörte zu den wenigen Freikorps-Auszeichnungen, die nach 1935 auf Wehrmacht-Uniformen getragen werden durften. Das Tragen blieb auch in der Bundesrepublik Deutschland durch das Gesetz von 1957 erlaubt. Heute ist der Schlesische Adler ein wichtiges Sammlerstück und historisches Artefakt, das die Freikorps-Periode der Weimarer Republik und die regionale schlesische Identität dokumentiert.