U-Bootfrontspange in Silber
Die U-Boot-Frontspange in Silber gehört zu den seltensten und begehrtesten Auszeichnungen der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Diese Kampfauszeichnung wurde am 24. November 1944 von Großadmiral Karl Dönitz, dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, gestiftet und markierte die höchste Stufe der Anerkennung für U-Boot-Besatzungen im Fronteinsatz.
Die Einführung dieser Auszeichnung erfolgte vor einem dramatischen historischen Hintergrund. Die Frontspange sollte die kontinuierliche harte Kampfleistung der U-Boot-Besatzungen gegen feindliche Kriegsschiffe und Handelsschiffe würdigen und eine Ungerechtigkeit ausgleichen: Während andere Wehrmachtsteile bereits seit langem über vergleichbare Frontspengen verfügten, fehlte eine solche Anerkennung für die U-Boot-Waffe. Bereits 1941 gab es U-Boot-Besatzungen, die die Voraussetzungen für das grundlegende U-Boot-Kriegsabzeichen weit überschritten hatten. Die Auszeichnung kam jedoch in der Endphase der Atlantikschlacht, als der U-Boot-Krieg aufgrund der alliierten Luft- und Seeüberlegenheit extrem gefährlich geworden war. Das späte Stiftungsdatum 1944 bedeutete, dass bis zur Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 nur relativ wenige verliehen werden konnten.
Die Frontspange existierte in zwei Klassen: Die Bronze-Stufe wurde bereits am 15. Mai 1944 eingeführt, die silberne Stufe folgte im November desselben Jahres. Eine goldene Klasse war geplant, wurde aber niemals gestiftet oder verliehen. Die Verleihung der silbernen Frontspange erfolgte an alle U-Boot-Besatzungsmitglieder, die sich im Fronteinsatz ausgezeichnet hatten und bereits die bronzene Spange besaßen. Die Voraussetzungen umfassten einwandfreies Verhalten sowie die Teilnahme an mindestens 25 Feindfahrten oder 120 Seetagen. Diese Bedingungen konnten in besonderen Fällen außergewöhnlicher Erfolge, Verdienste oder im Kampf erlittener Verwundungen erlassen werden. Die Verleihung basierte auf Empfehlungen der U-Boot-Kommandanten und erforderte die persönliche Genehmigung durch Karl Dönitz.
Nach Angaben der TracesOfWar-Datenbank wurden 196 silberne Frontspengen verliehen, wobei 89 Empfänger in ihrer Datenbank dokumentiert sind. Auf uboat.net sind lediglich fünf U-Boot-Kommandanten mit der silbernen Spange dokumentiert. Die geringe Zahl unterstreicht die Seltenheit und Exklusivität dieser Auszeichnung.
Entworfen wurde die Frontspange von Wilhelm Ernst Peekhaus aus Berlin. Die ausschließliche Herstellung erfolgte durch die Firma Schwerin & Söhne in Berlin. Die Spange besteht aus versilbertem Feinzink und misst etwa 76,32 bis 76,46 mm in der Breite und 24,08 bis 24,16 mm in der Höhe. Das Gewicht variiert aufgrund unterschiedlicher Zinkqualitäten zwischen 19,2 und 20,9 Gramm. Das Mittelstück ist ausgefräst und zeigt eine Miniaturversion des U-Boot-Kriegsabzeichens von 1939: einen ovalen Lorbeerkranz mit einem stilisierten U-Boot im Zentrum, überragt von einem deutschen Adler mit Hakenkreuz. Zwei gekreuzte Schwerter befinden sich am unteren Ende des Kranzes. Jeweils sechs leicht versetzte Eichenblätter flankieren das Mittelstück auf jeder Seite.
Die Rückseite trägt auf der linken Seite die Markierung “Entwurf Peekhaus” und rechts “Ausf. Schwerin Berlin SW 68” oder “Ausf. Schwerin Berlin S.W.”. Es existieren zwei dokumentierte Varianten: Die erste Variante weist eine vertiefte Mitte auf der Rückseite mit glatter Nadel auf, die zweite eine flache Mitte mit gekehlter Nadel. Das beschriebene Exemplar mit breiter magnetischer, nicht gekehlter Nadel entspricht der ersten Produktionsvariante.
Die Spange wurde direkt über der Bandschnalle auf der linken Brustseite getragen. Bei Verleihung der silbernen Spange musste die bronzene abgelegt werden; ein gleichzeitiges Tragen beider war untersagt. Die Auszeichnung war nicht rückgabepflichtig und konnte posthum an Hinterbliebene verliehen werden.
Nach der deutschen Niederlage 1945 durfte die Auszeichnung nicht mehr mit nationalsozialistischen Symbolen getragen werden. Das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 erlaubte das Tragen in der Bundesrepublik Deutschland nur in entnazifizierter Form ohne Hakenkreuz und Adler. Entsprechende Nachkriegsversionen wurden produziert. Die U-Boot-Frontspange bleibt bei Militaria-Sammlern sehr begehrt, besonders aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Silberne Exemplare werden je nach Zustand zwischen 800 und 1.100 Euro gehandelt, vollständige Nachlässe mit Urkunden können über 5.000 Euro wert sein.