ADAC ( Allgemeiner Deutscher Automobil-Club ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Herbst Regatta 29.9.29 "

Buntmetall vergoldet und emailliert, Breite 65 mm, mit 2 Bohrungen, Hersteller : "Metallkleinkunst A.Moser, München", Zustand 2.
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200,00

ADAC ( Allgemeiner Deutscher Automobil-Club ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Herbst Regatta 29.9.29 "

ADAC Herbst-Regatta Teilnehmerplakette von 1929: Automobil- und Wassersportkultur in der Weimarer Republik

Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) zur Herbst-Regatta vom 29. September 1929 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Vereins- und Sportkultur in der späten Weimarer Republik. Diese aus vergoldetem und emailliertem Buntmetall gefertigte Plakette mit einer Breite von 65 mm stammt aus der renommierten Münchner Werkstatt Metallkleinkunst A. Moser und dokumentiert die vielfältigen Aktivitäten deutscher Automobilclubs jenseits des reinen Straßenverkehrs.

Der ADAC wurde am 24. Mai 1903 in Stuttgart als Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung gegründet und erhielt 1911 seinen heutigen Namen. In den 1920er Jahren entwickelte sich der Club zu einer der bedeutendsten Interessenvertretungen deutscher Kraftfahrer. Die Mitgliederzahl stieg von etwa 80.000 im Jahr 1924 auf über 200.000 Mitglieder Ende der 1920er Jahre. Der ADAC organisierte nicht nur Pannenhilfe und Rechtsberatung, sondern auch ein breites Spektrum gesellschaftlicher und sportlicher Veranstaltungen, die das aufstrebende Bürgertum der Weimarer Zeit zusammenführten.

Die Kombination von Automobilclub und Wassersport mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, war jedoch typisch für die Vereinskultur der 1920er Jahre. Viele Automobilclubs organisierten Regatten und Wassersportveranstaltungen, da ihre wohlhabenden Mitglieder häufig auch Besitzer von Motorbooten waren. Die zunehmende Motorisierung erstreckte sich nicht nur auf Straßenfahrzeuge, sondern erfasste auch den Wassersport. Motorbootregatten erfreuten sich in dieser Zeit großer Beliebtheit und wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen der gehobenen Mittelschicht.

Das Datum 29. September 1929 ordnet die Veranstaltung in eine Zeit ein, die wirtschaftlich und gesellschaftlich von großer Ambivalenz geprägt war. Nur einen Monat später, am 24. Oktober 1929, sollte der Schwarze Donnerstag an der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise auslösen, die auch Deutschland schwer treffen würde. Der September 1929 markierte somit das Ende der relativen Stabilisierung und des wirtschaftlichen Aufschwungs der späten Weimarer Republik, der sogenannten “Goldenen Zwanziger”.

Die Herstellung durch Metallkleinkunst A. Moser aus München verweist auf die hochentwickelte Tradition der deutschen Metallverarbeitung und Emaillekunst. München war in den 1920er Jahren ein bedeutendes Zentrum für kunsthandwerkliche Metallarbeiten. Firmen wie Moser spezialisierten sich auf die Herstellung von Abzeichen, Plaketten und Ehrenzeichen für Vereine, Verbände und staatliche Institutionen. Die Technik der Emaillearbeit erforderte hohes handwerkliches Geschick: Farbiges Glaspulver wurde auf das Metallsubstrat aufgetragen und bei hohen Temperaturen eingebrannt, wodurch dauerhafte, farbintensive Oberflächen entstanden.

Solche nichttragbaren Plaketten unterschieden sich von Anstecknadeln oder Medaillen durch ihre zwei Bohrungen zur Befestigung. Sie waren dazu bestimmt, an Wandtafeln, in Vitrinen oder an anderen festen Unterlagen montiert zu werden. Teilnehmer sammelten solche Plaketten als Erinnerung an besuchte Veranstaltungen und präsentierten sie oft in speziellen Sammelalben oder auf Erinnerungstafeln. Dies war Teil einer ausgeprägten Sammelkultur, die in Deutschland besonders stark entwickelt war.

Die Vergoldung und Emaillierung der Plakette zeugen vom repräsentativen Anspruch solcher Vereinsabzeichen. Sie waren nicht nur funktionale Erinnerungsstücke, sondern auch Statussymbole, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht und Teilnahme am modernen, motorisierten Leben dokumentierten. Die aufwendige Gestaltung spiegelt den Stolz wider, mit dem solche Veranstaltungen organisiert und die Teilnahme daran geschätzt wurde.

Im Kontext der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentieren solche Vereinsabzeichen die lebendige Zivilgesellschaft der Weimarer Republik, die durch vielfältige Vereine und Verbände geprägt war. Der ADAC selbst überstand die politischen Umbrüche der folgenden Jahrzehnte, passte sich jedoch den wechselnden Regimen an. Nach 1933 wurde der Club in die gleichgeschaltete Struktur des NS-Staates eingegliedert.

Heute sind solche historischen Vereinsabzeichen wichtige Quellen für die Sozial- und Alltagsgeschichte. Sie dokumentieren Freizeitgestaltung, Vereinsleben und die materielle Kultur einer vergangenen Epoche und bieten Einblicke in die Lebenswelt des deutschen Bürgertums am Ende der Weimarer Republik.