Unter den militärischen Auszeichnungen des Königreichs Bayern nimmt der sogenannte Königspreis für beste Schießleistungen eine besondere Stellung ein. Während viele militärische Preise in Form von tragbaren Abzeichen oder kleinen Pokalen verliehen wurden, stellt die hier vorliegende monumentale Bronzebüste des Prinzregenten Luitpold von Bayern ein außergewöhnliches Zeugnis der bayerischen Militärtradition dar. Mit einer Höhe von etwa 86 Zentimetern und einem Gewicht von geschätzten 40 bis 50 Kilogramm handelt es sich um ein zeremonielles Preisobjekt von beeindruckender Größe und Qualität, das der 2. Batterie des 2. Feldartillerie-Regiments Horn für herausragende Schießleistungen in den Jahren 1905 und 1911 verliehen wurde.
Das Königspreis-System in Bayern
Die bayerische Armee führte, parallel zum preußischen Kaiserpreis-System, eigene Schießwettbewerbe durch. Ebenso wie Sachsen und Württemberg vergab Bayern den Königspreis an Einheiten, die in jährlichen kompetitiven Schießprüfungen die besten Leistungen erzielten. Der bayerische Königspreis trug dabei anstelle der kaiserlichen Krone die königliche Krone als Unterscheidungsmerkmal. Solche Schießpreise waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges Instrument zur Förderung der Schießfertigkeit innerhalb der Streitkräfte und dienten zugleich als prestigeträchtige Auszeichnung für die gesamte Einheit.
Das 2. Feldartillerie-Regiment Horn
Das Königlich Bayerische 2. Feldartillerie-Regiment “Horn” wurde am 11. Oktober 1824 gegründet und war ab 1827 in Würzburg stationiert. Der Namenspatron des Regiments war General Carl von Horn (1847–1923), bayerischer Generaloberst und Kriegsminister von 1905 bis 1912. Das Regiment blickte auf eine lange und bewegte Geschichte zurück und nahm an den Feldzügen von 1848, 1866, 1870/71 sowie am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende wurde das Regiment 1919 aufgelöst. Seine Tradition wurde in der Reichswehr ab dem 24. August 1921 von der 1. Batterie des 7. (Bayerischen) Artillerie-Regiments in Würzburg fortgeführt. In der späteren Wehrmacht übernahm die II. Abteilung des Artillerie-Regiments 93 diese Traditionspflege.
Prinzregent Luitpold von Bayern
Prinz Luitpold von Bayern (1821–1912) war eine der prägenden Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte im späten 19. Jahrhundert. Ab 1869 fungierte er als Generalinspekteur der Bayerischen Armee und wurde 1876 zum Generalfeldzeugmeister im Range eines Feldmarschalls ernannt. Nach der Entmündigung König Ludwigs II. übernahm er 1886 als Prinzregent die Staatsgeschäfte Bayerns – ein Amt, das er bis zu seinem Tod im Jahr 1912 ausübte. Seine Regentschaft gilt als ein “Goldenes Zeitalter” Bayerns, insbesondere was die kulturelle Blüte Münchens betraf. Die Büste zeigt ihn in seiner Eigenschaft als General der Infanterie in Uniform mit großem Ordensschmuck – eine Darstellung, die seinen engen Bezug zur Armee widerspiegelt.
Der Bildhauer Christoph Roth
Der Schöpfer dieser Büste, Professor Christoph Roth (1840–1907), war ein Münchner Bildhauer und Kunstprofessor, der vor allem für seine von anatomischen Studien inspirierten realistischen Werke bekannt war. Roth war kein Unbekannter in der Welt der militärischen Porträtplastik: Im Jahr 1883 schuf er Marmorbüsten der bayerischen Generäle Ludwig von der Tann und Jakob von Hartmann für das Bayerische Armeemuseum. Die vorliegende Büste trägt rückseitig die Signatur “Prof. Ch. Roth 1878 München”, während die Frontplakette die Auszeichnungsjahre 1905 und 1911 nennt.
Die Büste als physisches Objekt
Die Büste ist hohl gegossen und bronziert und weist eine schöne Bronze-Patina auf. Sie zeigt eine sehr detaillierte Darstellung des Prinzregenten in Uniform als General der Infanterie mit großem Ordensschmuck. Am Sockel befindet sich eine Plakette mit der Inschrift: “2. Batterie des 2. Feldartillerie-Regiments Königspreis für beste Schießleistungen 1905 und 1911”. Das Stück befindet sich in unberührtem, ungereinigtem Zustand mit typischen Altersspuren und Patina.
Bedeutung für den Sammler
Die vorliegende Büste vereint mehrere Aspekte, die sie zu einem herausragenden Sammlerstück machen. Zunächst ist die schiere Größe und Qualität des Objekts bemerkenswert – es handelt sich nicht um ein tragbares Abzeichen, sondern um ein monumentales zeremonielles Preisobjekt. Darüber hinaus verbindet es die Geschichte eines bedeutenden bayerischen Regiments mit der Person des Prinzregenten Luitpold und dem Schaffen eines anerkannten Münchner Bildhauers. Die Tatsache, dass die Büste zwei Auszeichnungsjahre (1905 und 1911) verzeichnet, unterstreicht die anhaltende Leistungsfähigkeit der 2. Batterie im Schießwettbewerb. Als Zeugnis des bayerischen Königspreis-Systems, das parallel zum preußischen Kaiserpreis existierte, dokumentiert dieses Objekt ein eigenständiges Kapitel der süddeutschen Militärgeschichte, das in der Sammlerwelt oft weniger Beachtung findet als seine preußischen Pendants. Der unberührte, unrestaurierte Zustand mit natürlicher Patina verleiht dem Stück zusätzlich eine besondere Authentizität.