Deutsches Reich 1871-1918 Postkarte Salutschießen Garde-Feld-Artillerie-Regiment

Um 1910. 14 x 8.9 cm. Zustand 2.
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15,00

Deutsches Reich 1871-1918 Postkarte Salutschießen Garde-Feld-Artillerie-Regiment

Diese historische Postkarte aus der Zeit um 1910 dokumentiert ein Salutschießen des Garde-Feld-Artillerie-Regiments und bietet einen faszinierenden Einblick in die militärischen Traditionen des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918). Solche Postkarten waren in der wilhelminischen Ära außerordentlich populär und spiegelten die tiefe Verwurzelung des Militärs in der deutschen Gesellschaft wider.

Das Garde-Feld-Artillerie-Regiment gehörte zur preußischen Garde, der Eliteformation der kaiserlichen Armee. Die Garde-Artillerie umfasste mehrere Regimenter, die direkt dem Kaiser unterstanden und bei zeremoniellen Anlässen sowie im Kriegsfall eine herausragende Rolle spielten. Das Regiment war in Potsdam stationiert, der Garnisonsstadt in unmittelbarer Nähe zur Reichshauptstadt Berlin, wo sich auch die kaiserliche Residenz befand.

Salutschießen waren zeremonielle Ehrenbezeugungen, die bei bedeutenden Staatsanlässen, kaiserlichen Geburtstagen, Thronjubiläen oder beim Empfang hochrangiger Staatsgäste abgefeuert wurden. Die Anzahl der Salutschüsse richtete sich nach dem Rang der zu ehrenden Person: Der Kaiser erhielt 31 Schuss, Mitglieder des Kaiserhauses 21 Schuss, und ausländische Monarchen entsprechend ihrem Status. Diese Tradition geht auf maritime Bräuche zurück und wurde von allen europäischen Armeen praktiziert.

Die Bildpostkarte als Medium erlebte zwischen 1890 und 1914 ihre Blütezeit. Militärpostkarten waren besonders beliebt und bildeten eine eigene Kategorie innerhalb der Ansichtskartographie. Sie zeigten Truppenteile in Parade, bei Manövern, in ihren Quartieren oder bei zeremoniellen Anlässen. Für die Soldaten waren sie eine Möglichkeit, Stolz auf ihre Einheit auszudrücken und mit der Familie in Kontakt zu bleiben. Für die Zivilbevölkerung dokumentierten sie die militärische Pracht des Kaiserreichs.

Die wilhelminische Gesellschaft war stark militärisch geprägt. Das Offizierskorps genoss hohes gesellschaftliches Ansehen, und der Militärdienst galt als ehrenvolle Pflicht. Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) zeigte sich häufig in Uniform und förderte den Militarismus aktiv. Die Garde-Regimenter verkörperten diesen militärischen Geist in besonderem Maße und waren bei Paraden und Staatsempfängen stets präsent.

Die Feld-Artillerie unterschied sich von der Fußartillerie durch ihre größere Mobilität. Sie war mit Feldkanonen ausgerüstet, die von Pferden gezogen wurden und im Gefecht die Infanterie unterstützen sollten. Um 1910 verfügte die deutsche Feldartillerie über moderne Geschütze wie die Feldkanone 96 n.A. (neue Art), ein 77-mm-Schnellfeuergeschütz mit Rohrrücklauf, das zu den fortschrittlichsten Waffen seiner Zeit gehörte.

Postkarten wie diese wurden in hohen Auflagen von spezialisierten Verlagen produziert. Sie wurden bei Paraden, in Kasernen oder über den normalen Postkartenhandel vertrieben. Sammler erwarben sie systematisch, und es entstanden umfangreiche Alben mit militärischen Motiven. Die Karten dienten auch der patriotischen Erziehung und der Identifikation der Bevölkerung mit dem Militär.

Die Jahre um 1910 waren eine Zeit wachsender internationaler Spannungen. Die europäischen Mächte rüsteten auf, und das Deutsche Reich baute unter Admiral von Tirpitz seine Flotte massiv aus, was zu Rivalitäten mit Großbritannien führte. Die Artillerie wurde modernisiert und verstärkt, die Manöver wurden größer und realistischer. Die scheinbar friedlichen Salutschießen und Paraden verbargen die Vorbereitung auf einen großen Krieg, der 1914 ausbrechen sollte.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 verloren solche Postkarten ihre unmittelbare Funktion, gewannen aber historischen Wert. Sie dokumentieren eine untergegangene Welt und sind heute wichtige Quellen für die Militär-, Sozial- und Kulturgeschichte des Kaiserreichs. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die visuelle Kultur und die gesellschaftliche Bedeutung des Militärs in der wilhelminischen Ära.

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