III. Reich - Der Kampf im Westen -  Raumbildalbum 

München, Raumbild-Verlag Schönstein, 1940, gebundene Ausgabe, Ganzleineneinband, komplett mit 100 Bildern, mit Brille,
Buchbock vom vorderen Deckel fast gelöst sonst kleine Gebrauchsspuren.
Zustand 3

459246
150,00

III. Reich - Der Kampf im Westen -  Raumbildalbum 

Der Kampf im Westen - Raumbildalbum: Propagandafotografie im Dienste des Dritten Reiches

Das vorliegende Raumbildalbum “Der Kampf im Westen”, erschienen 1940 beim Raumbild-Verlag Schönstein in München, stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese Publikation dokumentiert den Westfeldzug von Mai bis Juni 1940, in dem die Wehrmacht Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg eroberte.

Die Raumbildtechnik, auch als Stereoskopie bekannt, war eine fotografische Methode, die räumliches Sehen ermöglichte. Zwei leicht versetzte Aufnahmen desselben Motivs wurden nebeneinander präsentiert und durch ein spezielles Stereoskop (die beigefügte “Brille”) betrachtet, wodurch ein dreidimensionaler Effekt entstand. Diese Technik, die bereits im 19. Jahrhundert populär war, erlebte in den 1920er und 1930er Jahren eine Renaissance.

Der Raumbild-Verlag Schönstein war einer der führenden Verlage für stereoskopische Publikationen im deutschsprachigen Raum. Während der NS-Zeit produzierte der Verlag zahlreiche Raumbildalben, die militärische Themen aufgriffen und der Glorifizierung der Wehrmacht dienten. Diese Alben waren Teil der umfassenden Propagandastrategie des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels.

Das Album mit seinen 100 Stereobildern dokumentierte den schnellen Sieg der Wehrmacht über die westlichen Alliierten. Der Westfeldzug, auch als “Sichelschnitt” bekannt, war eine der erfolgreichsten militärischen Operationen der Wehrmacht. Innerhalb von nur sechs Wochen kapitulierten die Niederlande, Belgien und schließlich Frankreich. Die Bilder in solchen Alben zeigten typischerweise marschierende Truppen, Panzerkolonnen, eroberte Städte und besiegte Feinde.

Die Propagandafunktion dieser Raumbildalben war vielfältig. Einerseits sollten sie die militärische Überlegenheit der Wehrmacht demonstrieren und die Moral der deutschen Bevölkerung stärken. Die dreidimensionale Darstellung vermittelte einen Eindruck von Authentizität und Unmittelbarkeit, der die Betrachter emotional stärker involvierte als herkömmliche Fotografien. Andererseits dienten diese Alben auch der Rechtfertigung des Krieges und der Verharmlosung der tatsächlichen Kriegsgräuel.

Die Produktion solcher Alben war aufwendig. Kriegsberichterstatter der Propagandakompanien (PK) fertigten die Aufnahmen an der Front an. Diese Fotografen waren speziell ausgebildete Soldaten, die sowohl militärische als auch fotografische Fähigkeiten besaßen. Ihre Bilder wurden zensiert und ausgewählt, um ein bestimmtes Narrativ zu konstruieren. Die ausgewählten Fotografien wurden dann als Stereopaare reproduziert und in gebundenen Alben veröffentlicht.

Der Ganzleineneinband und die hochwertige Verarbeitung solcher Alben unterstrichen deren Bedeutung als Sammelobjekte. Sie wurden nicht nur als Propagandamaterial vertrieben, sondern auch als repräsentative Geschenke und Erinnerungsstücke. Die Tatsache, dass das Album komplett mit der originalen Betrachtungsbrille erhalten ist, erhöht seinen Wert als historisches Dokument.

Nach dem Krieg wurden solche Publikationen gemäß den Entnazifizierungsbestimmungen der Alliierten häufig vernichtet oder aus dem Verkehr gezogen. Überlebende Exemplare sind heute wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der visuellen Darstellung des Zweiten Weltkrieges. Sie dokumentieren nicht die historische Realität des Krieges, sondern vielmehr, wie das NS-Regime wollte, dass der Krieg wahrgenommen wird.

Aus heutiger Perspektive sind solche Raumbildalben ambivalente Objekte. Sie besitzen zweifellos historischen Wert als Primärquellen für die Propagandaforschung und die Geschichte der Fotografie. Gleichzeitig verkörpern sie die Instrumentalisierung der Bildmedien für die Zwecke eines verbrecherischen Regimes. Ihre Bewahrung und wissenschaftliche Untersuchung ist wichtig, um die Mechanismen totalitärer Propaganda zu verstehen und künftige Generationen über die Gefahren der Manipulation durch Bildmedien aufzuklären.