Preußen 1. Weltkrieg Pickelhaube für einen Offizier im Garde-Füsilier-Regiment

Kriegs-Ausführung um 1915/16. Der Helm aus Vulkanfiber, komplett mit allen Beschlägen, die Beschläge teils in Neusilber bzw. versilbert, die Schuppenkette in Messing. Vorne aufgelegt der Gardeadler in Neusilber, eine Versilberung wurde nicht mehr aufgebracht, aufgelegt der Gardestern mit emailliertem Zentrum. Flache Schuppenketten an versilberten Rosetten, beide Kokarden. Der Teller mit vergoldeten Sternen, die Spitze abnehmbar. Innen mit braunem Schweißband mit in Gold aufgedruckter "Quadriga" mit dem Schriftzug «Depahg Patent», braunes Ripsfutter, der Vorderschirm grün und der Nackenschirm rot gefüttert. Größe ca. 54. Mit Trage- und Alterungsspuren. Zustand 2-.

Der Helm könnte so auch im 5. Garde-Regiment zu Fuß, Garde-Pionier-Bataillon oder in einem Eisenbahn-Regiment, bzw. dem Kraftfahr-Bataillon getragen werden.
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2.500,00

Preußen 1. Weltkrieg Pickelhaube für einen Offizier im Garde-Füsilier-Regiment

Dieser Offiziershelm des Garde-Füsilier-Regiments verkörpert einen entscheidenden Moment in der deutschen Militärgeschichte – die Jahre 1915/16, als das Kaiserreich unter dem Druck des Ersten Weltkriegs gezwungen war, traditionelle Materialien und Fertigungsmethoden aufzugeben. Als Kriegs-Ausführung gefertigt, repräsentiert dieser Helm die materielle Realität eines Krieges, der die industriellen und wirtschaftlichen Ressourcen Deutschlands bis an ihre Grenzen belastete.

Das Garde-Füsilier-Regiment, ursprünglich 1826 als Garde-Reserve-Infanterie-Regiment gegründet und 1860 umbenannt, zählte zu den Eliteeinheiten des preußischen und kaiserlichen Heeres. In Berlin-Charlottenburg stationiert, rekrutierte sich das Offizierskorps überwiegend aus dem Adel. Das Regiment gehörte zur 6. Garde-Infanterie-Brigade der 3. Garde-Division und kämpfte an den bedeutendsten Fronten des Ersten Weltkriegs: von der Invasion Belgiens und der Schlacht bei Namur über die Masurischen Seen und die Karpaten an der Ostfront bis zu den blutigen Materialschlachten an der Somme, bei Arras, Passchendaele und Cambrai an der Westfront. Das Regiment erlitt bereits 1914 bei Brzeziny derart schwere Verluste, dass es auf Bataillonsstärke reduziert wurde und mehrfach reorganisiert werden musste.

Die Konstruktion aus Vulkanfiber anstelle des traditionellen Leders markiert einen fundamentalen Bruch mit der Pickelhaube-Tradition. Bis 1914 wurden alle Helme aus Leder gefertigt, doch als Deutschlands Ledervorräte nach umfangreichen Importen aus Südamerika zur Neige gingen, begann die Regierung ab 1915 mit der Produktion von Ersatz-Pickelhauben aus alternativen Materialien wie dünnem Stahlblech, gepresstem Filz, Vulkanfiber, Kork, Pappmaché und sogar Papier. Der Hersteller Depahg Patent, dessen charakteristische Quadriga mit Goldaufdruck im braunen Schweißband erscheint, war ein bekannter Produzent dieser Vulkanfiber-Helme während des Krieges.

Die Beschläge des Helms zeigen weitere kriegsbedingte Vereinfachungen: Der Gardeadler ist aus Neusilber gefertigt, wobei die Versilberung nicht mehr aufgebracht wurde – eine deutliche Sparmaßnahme. Darüber liegt der Gardestern mit emailliertem Zentrum, jenes Abzeichen, das alle Truppen des Garde-Korps von den Linienregimentern unterschied. Der Stern trägt das Motto „Suum Cuique" (Jedem das Seine), entlehnt vom Orden des Schwarzen Adlers. Die Schuppenketten sind aus Messing an versilberten Rosetten befestigt, und der Teller zeigt vergoldete Sterne. Das braune Ripsfutter, der grün gefütterte Vorderschirm und der rot gefütterte Nackenschirm folgen den traditionellen Farbgebungen, während beide Kokarden – die preußische Staats- und die Reichskokarde – vorhanden sind.

Die Pickelhaube erwies sich als völlig ungeeignet für die Realitäten des Grabenkriegs. Sie bot praktisch keinen Schutz gegen Granatsplitter und Schrapnelle, und die auffällige Spitze machte ihre Träger zu bevorzugten Zielen. Im September 1915 wurde befohlen, dass Helme an der Front ohne Spitzen getragen werden sollten. Ab 1916 wurde die Pickelhaube während der Verdun-Kampagne schrittweise durch den Stahlhelm ersetzt, der die deutschen Kopfwundtodesfälle um 70 Prozent reduzierte. Für den Frontdienst wurde die Pickelhaube 1916 eingestellt, obwohl sie bis 1918 in begrenztem Umfang von höheren Offizieren fernab der Kriegszonen zeremoniell weitergetragen wurde.

Das Garde-Korps mit Hauptquartier in Berlin war die Eliteformation der preußischen und kaiserlichen Armeen, rekrutiert nicht aus einem spezifischen Gebiet, sondern aus ganz Preußen und Elsass-Lothringen. Am 14. Dezember 1918 wurde das Garde-Füsilier-Regiment in Berlin demobilisiert und aufgelöst, wobei Teile Freikorps-Einheiten bildeten. Durch Direktive von General Hans von Seeckt vom 24. August 1921 wurde die Tradition des Garde-Füsilier-Regiments in der Reichswehr an die 7. und 8. Kompanien des 5. (Preußischen) Infanterie-Regiments übertragen.

Vulkanfiber-Pickelhauben sind heute besonders seltene Überlebende, da sich das Material als nicht erfolgreich erwies und die Produktion begrenzt blieb. Dieser Helm dokumentiert nicht nur die Anpassungsfähigkeit der deutschen Kriegsindustrie unter extremen Bedingungen, sondern auch das Ende einer Ära militärischer Traditionen, die mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 unwiderruflich endete.