Feldgraue Ulanka für einen Rittmeister des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6
Die hier vorgestellte feldgraue Ulanka ist ein bemerkenswertes Zeugnis der preußischen Kavallerie im Ersten Weltkrieg. Als Eigentumsstück eines Rittmeisters des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 verkörpert sie sowohl die traditionsreiche Geschichte der deutschen Ulanenregimenter als auch den tiefgreifenden Wandel, den der Ausbruch des Weltkrieges in der militärischen Uniformierung mit sich brachte.
Die Ulanka als Uniformtyp
Sämtliche deutschen Ulanenregimenter trugen die charakteristische Ulanka – einen Waffenrock mit Plastronverschluss, Stehkragen und spitzen, sogenannten «polnischen» Aufschlägen sowie Taschen am unteren Schoß. Diese Schnittform war der Standardwaffenrock der Kavallerieeinheiten vom Ulanentyp und wurde sowohl in der farbigen Paradeuniform als auch in der feldgrauen Dienstuniform getragen. Die vorliegende Ulanka entspricht dem Modell 1907/10: Die feldgraue Friedensuniform mit farbigen Abzeichen wurde in Preußen ab 1907 per Erlass eingeführt und die ab 1910 vollständig eingeführte feldgraue Uniform war zunächst für Manöver und Feldübungen vorgesehen. Offiziersuniformstücke wie dieses wurden von privaten Schneidern und militärischen Zulieferern nach vorschriftsmäßigen Standards gefertigt.
Die Ulanka besteht aus feinem feldgrauem Stoff mit roten Vorstößen, die entlang des Kragens, des Plastrons, der Aufschläge, der Rückseite der Ärmel, des Rückens und der Schoßtaschen verlaufen. Im Inneren ist sie mit olivgrünem Futter versehen. Auf den Schultern befinden sich eingenähte Schulterstücke mit je zwei Rangsternen für den Rittmeister – einen Dienstgrad, der dem Hauptmann in anderen Waffengattungen entspricht und auf NATO-Ebene dem Rang OF-2 gleichkommt. Ein Rittmeister befehligte in der Regel eine Schwadron, eine kompaniestärke Einheit.
Das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6
Die Geschichte des Ulanen-Regiments Nr. 6 reicht bis zum 25. März 1815 zurück, als aus drei Schwadronen des Lützowschen Kavallerieregiments ein Ulanenregiment mit der Nummer 6 gebildet wurde; eine vierte Schwadron wurde innerhalb des Regiments aufgestellt. Im Jahr 1860 erhielt das Regiment den Zusatznamen «Thüringisches». Ab dem 8. April 1903 trugen die Schulterstücke das rote, gekrönte Monogramm «CR» des Königs Christian IX. von Dänemark, der als Regimentsinhaber fungierte. Der Heimatstandort des Regiments war Hanau.
Der Erste Weltkrieg
Bis zum Kriegsausbruch im August 1914 wurden die traditionellen, farbenprächtigen Uniformen weiterhin als Parade- und Ausgehuniform getragen, während die feldgraue Uniform für den Felddienst vorgesehen war. Mit dem Kriegsbeginn wurde Feldgrau zur normalen Uniform aller deutschen Soldaten. Das Ulanen-Regiment Nr. 6 war als Divisionskavallerie der 21. Infanterie-Division unter Generalleutnant von Oven zugeteilt. Diese Division bildete zusammen mit der 25. Division das XVIII. Armeekorps unter General der Infanterie von Schenck. In der Nacht vom 6. auf den 7. August 1914 wurde die 1. Schwadron verladen, und im Laufe des 7. August folgten der Regimentsstab und die übrigen Schwadronen. Das Regiment wurde zunächst an der Westfront eingesetzt.
Bemerkenswert ist, dass der Dichter Fritz von Unruh als Kriegsfreiwilliger in der 3. Schwadron des Ulanen-Regiments Nr. 6 diente.
Nachkriegsgeschichte und Traditionsfortführung
In der Reichswehr übernahm die 4. Schwadron des 16. Reiter-Regiments die Tradition der Thüringischen Ulanen. In Langensalza, dem Garnisonsstandort der Schwadron, wurde 1925 ein Denkmal für die Gefallenen des Regiments im Weltkrieg enthüllt. Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht wurde das Regiment 1934 in Kavallerie-Regiment Erfurt umbenannt, jedoch bereits am 15. Oktober 1935 aufgelöst und als Stamm für die ersten drei Kradschützenbataillone verwendet, die im Zweiten Weltkrieg als Panzeraufklärung aufgerieben wurden.
Bedeutung für Sammler
Diese feldgraue Ulanka ist ein seltenes und anschauliches Dokument der preußischen Militärgeschichte. Sie vereinigt die Tradition der Ulanenkavallerie mit dem praktischen Wandel zur feldgrauen Kampfuniform des Ersten Weltkrieges. Das Stück befindet sich in einem guten Erhaltungszustand (Zustand 2), wobei lediglich das Futter auf der linken Seite zwei kleine Risse aufweist. Als Eigentumsstück eines Rittmeisters aus der frühen Kriegszeit um 1914/15 bietet es einen unmittelbaren Bezug zu den dramatischen Ereignissen des Kriegsbeginns und zur Mobilmachung des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6.