Preußen Koppelschloss für Mannschaften bis 1895

große alte Ausführung, ca. 63x53 mm, Messing mit Neusilbermedaillon, getragener Zustand
507346
145,00

Preußen Koppelschloss für Mannschaften bis 1895

Das preußische Koppelschloss für Mannschaften, das bis 1895 in Verwendung stand, stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Ausrüstung des Deutschen Kaiserreichs dar. Mit seinen Maßen von etwa 63x53 mm repräsentiert dieses Exemplar die große, alte Ausführung dieser Schlösser, die aus Messing gefertigt und mit einem charakteristischen Neusilbermedaillon versehen waren.

Die Tradition der preußischen Koppelschlösser reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert, als unter König Friedrich Wilhelm I. und seinem Nachfolger Friedrich dem Großen die preußische Armee systematisch organisiert und uniformiert wurde. Das Koppelschloss diente nicht nur dem praktischen Zweck, die Lederriemen der Ausrüstung zu verbinden, sondern war auch ein wichtiges Symbol der militärischen Zugehörigkeit und Disziplin.

Die hier beschriebene Variante stammt aus der Periode zwischen der Reichsgründung 1871 und der Reform von 1895. In dieser Ära trug die preußische Infanterie und andere Truppengattungen Koppelschlösser, die zentral das preußische Hoheitszeichen zeigten. Das Neusilbermedaillon, das auf dem messingfarbenen Grundkörper angebracht war, trug typischerweise die preußische Krone und oft die Inschrift “GOTT MIT UNS”, den traditionellen Wahlspruch des preußischen Militärs seit dem Dreißigjährigen Krieg.

Die Fertigung dieser Koppelschlösser erfolgte durch spezialisierte Manufakturen, die unter strenger staatlicher Aufsicht arbeiteten. Die Verwendung von Messing als Grundmaterial bot mehrere Vorteile: Es war relativ korrosionsbeständig, ließ sich gut bearbeiten und entwickelte mit der Zeit eine charakteristische Patina. Das Neusilber für das Medaillon, eine Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, bot einen silberähnlichen Glanz ohne die Kosten von echtem Silber.

Die Allgemeine Heeresverordnung regelte präzise die Ausführung und das Tragen der Koppelschlösser. Mannschaften, also gemeine Soldaten ohne Unteroffiziersrang, trugen die hier beschriebene Standardausführung. Offiziere und Unteroffiziere hatten demgegenüber oft aufwendigere oder anders gestaltete Schlösser, die ihren Rang widerspiegelten.

Das Jahr 1895 markiert einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der preußischen Koppelschlösser. Mit der Kabinettsorder vom 24. März 1895 wurde eine neue, modernisierte Form eingeführt. Die älteren, größeren Schlösser wie das hier beschriebene wurden nach und nach aus dem aktiven Dienst genommen, blieben aber oft noch Jahre in Verwendung, besonders bei Reserveeinheiten oder in der Landwehr.

Der getragene Zustand dieses Exemplars zeugt von seinem tatsächlichen militärischen Einsatz. Die Abnutzungsspuren an Messing und Neusilber erzählen von jahrelangem Tragen am Lederriemen, vom regelmäßigen Putzen und Polieren, das Teil der militärischen Routine war, und möglicherweise von der Teilnahme an Übungen, Paraden oder sogar Feldzügen.

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erlebte die preußische Armee bedeutende Veränderungen. Nach den erfolgreichen Kriegen gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870-71) war Preußen zur dominierenden Militärmacht in Europa aufgestiegen. Die Standardisierung der Ausrüstung, einschließlich solcher Details wie der Koppelschlösser, war Teil der Professionalisierung und Modernisierung der Streitkräfte.

Heute sind solche Koppelschlösser begehrte Sammlerstücke, die Einblick in die materielle Kultur des preußischen und frühen deutschen Militärwesens geben. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Fertigkeiten und metallurgische Techniken ihrer Zeit, sondern auch die Bedeutung militärischer Symbolik und Tradition. Für Historiker und Sammler bieten sie wertvolle Informationen über Uniformierung, Rangabzeichen und die Organisation der kaiserlichen Armee.

Die Erhaltung solcher Objekte ist von kulturhistorischer Bedeutung, da sie authentische Zeugnisse einer prägenden Epoche deutscher Geschichte darstellen und helfen, die Lebenswelt der Soldaten jener Zeit zu verstehen.