Preußen Mitgliedsabzeichen " Kriegerverein Marienfelde " 

Blech, an Nadel, Zustand 2 
486946
45,00

Preußen Mitgliedsabzeichen " Kriegerverein Marienfelde " 

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Kriegervereins Marienfelde repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der preußischen und deutschen Militärgeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Art von Abzeichen verkörpert die ausgeprägte Veteranenkultur, die nach den deutschen Einigungskriegen eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben des Kaiserreichs spielte.

Historischer Kontext der Kriegervereine

Die Kriegervereine entstanden in Preußen und den deutschen Staaten verstärkt nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon (1813-1815). Ihre Blütezeit erlebten sie jedoch nach den Einigungskriegen – dem Deutsch-Dänischen Krieg (1864), dem Deutschen Krieg (1866) und insbesondere dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71). Nach der Reichsgründung 1871 entwickelten sich diese Vereine zu einer Massenbewegung. Im Jahr 1900 existierten bereits über 20.000 Kriegervereine mit mehr als einer Million Mitgliedern im Deutschen Reich.

Der Kyffhäuserbund, 1900 als Dachorganisation gegründet, vereinte schließlich die meisten dieser lokalen Vereine. Die Kriegervereine dienten mehreren Zwecken: Sie pflegten die Kameradschaft ehemaliger Soldaten, unterstützten bedürftige Veteranen und deren Hinterbliebene, förderten den vaterländischen Geist und stellten eine Reserve für die militärische Mobilmachung dar.

Marienfelde und sein Kriegerverein

Marienfelde, heute ein Ortsteil des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg, war zur Kaiserzeit eine eigenständige Landgemeinde im Kreis Teltow der Provinz Brandenburg. Wie in zahllosen anderen Gemeinden des Reiches gründete sich auch hier ein lokaler Kriegerverein, der die heimgekehrten Soldaten vereinte. Diese lokalen Vereine waren tief in der dörflichen und kleinstädtischen Gemeinschaft verwurzelt und prägten das gesellschaftliche Leben durch Feste, Gedenkfeiern und Umzüge.

Gestaltung und Funktion der Mitgliedsabzeichen

Das beschriebene Abzeichen aus Blech mit Nadelkonstruktion entspricht der typischen Herstellungsweise solcher Vereinsinsignien. Im Gegensatz zu den hochwertigeren, oft emaillierten Offiziersabzeichen oder den kostbaren silbernen Ehrenzeichen wurden einfache Mitgliedsabzeichen meist aus gestanztem und geprägtem Weißblech, Messing oder Tombak gefertigt. Dies ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion für die breite Mitgliedschaft.

Die Abzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Legitimationsnachweis bei Vereinsveranstaltungen, als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Veteranengemeinschaft und als Ausdruck lokaler Identität. Bei öffentlichen Anlässen, insbesondere an Sedantag (2. September, zur Erinnerung an die Schlacht bei Sedan 1870) oder am Kaisergeburtstag (27. Januar), trugen die Mitglieder ihre Abzeichen stolz an der Zivilkleidung.

Ikonographie und Symbolik

Typische Gestaltungselemente solcher Kriegervereinabzeichen umfassten preußische und deutsche nationale Symbole: den preußischen Adler, das Eiserne Kreuz, Eichenlaub als Symbol für Tapferkeit und Beständigkeit, gekreuzte Schwerter oder Gewehre, sowie Jahreszahlen bedeutender Schlachten. Häufig fanden sich auch Inschriften wie “Mit Gott für König und Vaterland” oder der Vereinsname mit Ortsbezug.

Gesellschaftliche Bedeutung

Die Kriegervereine und ihre Abzeichen müssen im Kontext der wilhelminischen Gesellschaft verstanden werden, in der Militarismus und Militärfrommheit tief verwurzelt waren. Die Vereine vermittelten monarchistische und nationalistische Werte und trugen zur Militarisierung der Zivilgesellschaft bei. Sie waren jedoch auch soziale Netzwerke, die praktische Hilfe leisteten und lokale Identität stifteten.

Ende und Nachgeschichte

Der Erste Weltkrieg und die Novemberrevolution 1918 markierten einen tiefen Einschnitt. Viele Kriegervereine lösten sich auf oder transformierten sich in der Weimarer Republik. Der Kyffhäuserbund bestand fort, musste sich aber der republikanischen Realität anpassen. Nach 1933 wurden die Vereine gleichgeschaltet und 1943 offiziell aufgelöst. Nach 1945 entstanden in der Bundesrepublik Traditionsverbände, die jedoch einen deutlich anderen Charakter hatten.

Das vorliegende Abzeichen ist somit ein authentisches Zeugnis einer untergegangenen Epoche deutscher Militär- und Sozialgeschichte – ein kleines Metallobjekt, das große historische Zusammenhänge verkörpert.

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