Preußen Schirmmütze für einen Militärapotheker

Um 1900. Elegante, hohe Form. Der Mützenbund mit weinrotem Samt, karmesinroter Vorstoß, schwarz lackierter Mützenschirm, beide Kokarden. Innen mit hellbraunem Lederschweißband und goldfarbenem Seidenfutter mit Trägerinitiale "A". Stempel eines Kostümverleihs. Größe ca. 56. Ca. 3 kleine Mottenlöchlein. Zustand 2.
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600,00

Preußen Schirmmütze für einen Militärapotheker

Die preußische Schirmmütze für Militärapotheker aus der Zeit um 1900 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der militärmedizinischen Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Diese Kopfbedeckung war nicht nur ein funktionales Kleidungsstück, sondern ein wichtiges Standeszeichen, das die Position und den Rang ihres Trägers innerhalb der militärischen Hierarchie deutlich machte.

Das preußische Militärsanitätswesen hatte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts erheblich professionalisiert. Nach den Erfahrungen der Befreiungskriege und besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde die Bedeutung einer funktionierenden Sanitätsorganisation immer deutlicher. Militärapotheker nahmen dabei eine Schlüsselstellung ein: Sie waren verantwortlich für die Beschaffung, Lagerung und Ausgabe von Medikamenten sowie für die Qualitätskontrolle pharmazeutischer Präparate.

Die hier beschriebene Schirmmütze weist charakteristische Merkmale der Rangabzeichen für Sanitätsoffiziere auf. Der weinrote Samt am Mützenbund war das typische Distinktionsmerkmal für Angehörige des Sanitätskorps. Diese Farbgebung unterschied sie deutlich von anderen Waffengattungen: Infanterie trug weiß, Kavallerie verschiedene Farben je nach Regiment, Artillerie rot und Pioniere schwarz. Der karmesinrote Vorstoß unterstrich zusätzlich die Zugehörigkeit zum medizinischen Dienst.

Die elegante, hohe Form der Mütze entspricht der Mode der Jahrhundertwende. In dieser Zeit wurde die Schirmmütze zunehmend zur bevorzugten Kopfbedeckung für den täglichen Dienst und für Ausgehuniform. Sie löste allmählich ältere Kopfbedeckungsformen ab und wurde zum charakteristischen Erkennungsmerkmal des kaiserlichen Offiziers. Die Höhe der Mütze variierte je nach Mode und persönlichem Geschmack, wobei höhere Formen als besonders elegant galten.

Die beiden Kokarden sind von besonderer historischer Bedeutung. Die obere, schwarz-weiße Kokarde repräsentierte das Königreich Preußen, während die untere Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot die Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich symbolisierte. Diese Doppelkokarde war charakteristisch für die Zeit nach der Reichsgründung 1871 und zeigt die duale Loyalität preußischer Offiziere gegenüber ihrem Heimatstaat und dem Gesamtreich.

Das goldfarbene Seidenfutter mit der Trägerinitialen “A” weist auf die individuelle Anfertigung dieser Mütze hin. Offiziere mussten ihre Uniformen selbst beschaffen und beauftragten dafür spezialisierte Militäreffektenhändler. Die hochwertige Ausstattung mit Seidenfutter und das hellbraune Lederschweißband zeugen von der Qualität dieser Anfertigung und dem gesellschaftlichen Status des Trägers.

Militärapotheker hatten eine akademische Ausbildung absolviert und gehörten zur Gruppe der Sanitätsoffiziere. Sie standen im Rang gleichwertig mit anderen Offizieren, hatten jedoch spezifische Aufgaben. Ihre Tätigkeit umfasste nicht nur die Arzneimittelversorgung, sondern auch hygienische Überwachung, die Untersuchung von Lebensmitteln und Trinkwasser sowie gutachterliche Tätigkeiten. Die preußische Armee unterhielt sowohl Garnison-Apotheken als auch Feld-Apotheken, die im Kriegsfall mit den Truppen zogen.

Der Stempel eines Kostümverleihs auf dieser Mütze erzählt eine weitere Geschichte: Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 verloren militärische Uniformstücke ihre ursprüngliche Funktion. Viele wurden von Kostümverleihern erworben, die sie für Theater, Film oder Karnevalsveranstaltungen verwendeten. Dies war ein typisches Schicksal für militärische Ausrüstungsgegenstände der Kaiserzeit.

Die Erhaltung dieser Schirmmütze mit nur wenigen kleinen Mottenlöchern ist bemerkenswert. Textilien aus dieser Epoche sind durch Materialermüdung, Mottenfraß und unsachgemäße Lagerung oft stark beschädigt. Das Vorhandensein des originalen Lederschweißbandes und des vollständigen Futters macht dieses Stück zu einem wertvollen zeithistorischen Dokument.

Solche Uniformstücke ermöglichen uns heute einen unmittelbaren Einblick in die militärische Kultur des Kaiserreichs. Sie zeigen die strikte Hierarchie, die Bedeutung von Standesabzeichen und die handwerkliche Qualität der damaligen Militäreffekten. Für Sammler und Historiker sind sie wichtige Quellen zum Verständnis der preußisch-deutschen Militärgeschichte zwischen 1871 und 1918.