Vorläufige Reichswehr Schirmmütze M 1916 für einen Offizier im Württembergischen Train-Bataillon Nr. 13

Um 1919/20. Es handelt sich um eine Schirmmütze M 1916 zur Friedensuniform M 1915, die in die Vorläufige Reichswehr übernommen wurde. Die Schirmmütze in leichter Sattelform aus feldgrauem Stoff mit hellblauem Mützenbund und Vorstoß, olivgrün lackierter Schirm, vorne die Reichskokarde im Eichenlaubkranz, darüber die württembergische Landeskokarde. Innen mit hellbeigem Schweißband und weiße. Seidenfutter. Größe ca. 54. Leichte Tragespuren, der Stoff mit Mottenschäden. Zustand 2-3.

Sehr selten! Die Schirmmütze zur Friedensuniform wurde kriegsbedingt nur selten beschafft. Dieses Stück wurde dann noch in die Vorläufige Reichswehr übernommen.
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750,00

Vorläufige Reichswehr Schirmmütze M 1916 für einen Offizier im Württembergischen Train-Bataillon Nr. 13

Die vorliegende Schirmmütze M 1916 eines Offiziers des Württembergischen Train-Bataillons Nr. 13 repräsentiert eine faszinierende Übergangsperiode der deutschen Militärgeschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung der Weimarer Republik. Dieses seltene Uniformstück verbindet kaiserliche Tradition mit der entstehenden republikanischen Ordnung und dokumentiert die komplexen Transformationsprozesse der deutschen Streitkräfte zwischen 1918 und 1920.

Das Train-Bataillon Nr. 13 gehörte zur württembergischen Armee, die als eines der vier Kontingentstruppen des Deutschen Kaiserreichs eine eigenständige Militärorganisation innerhalb des preußisch dominierten Heeres darstellte. Die Train-Truppen waren für den militärischen Transport, die Logistik und den Nachschub verantwortlich – eine Aufgabe von entscheidender Bedeutung für die Kriegsführung. Württemberg unterhielt mehrere Train-Bataillone, die während des Ersten Weltkriegs an allen Fronten eingesetzt wurden.

Die Schirmmütze M 1916 wurde als Teil der Friedensuniform M 1915 eingeführt, einer Uniformreform, die während des Krieges konzipiert wurde, aber aufgrund der Kriegslage nur begrenzt zur Ausgabe kam. Das Modell 1916 ersetzte die älteren Mützenformen und zeichnete sich durch eine moderne, funktionale Gestaltung aus. Die charakteristische leichte Sattelform des Mützenkörpers war typisch für diese Periode und unterschied sich von den höheren, steiferen Formen der Vorkriegszeit.

Die Farbgebung dieser Mütze ist von besonderer Bedeutung: Der feldgraue Grundstoff war seit 1910 die Standard-Uniformfarbe der deutschen Armee und hatte die früheren bunten Uniformen abgelöst. Der hellblaue Mützenbund und Vorstoß identifizierten den Träger als Angehörigen der Train-Truppen, da jede Waffengattung durch spezifische Waffenfarben gekennzeichnet war. Hellblau (auch als kornblumenblau bezeichnet) war die traditionelle Waffenfarbe des Trains.

Die Kokarden-Anordnung zeigt die föderale Struktur des Kaiserreichs: Die Reichskokarde in schwarz-weiß-rot im Eichenlaubkranz repräsentierte das Deutsche Reich, während die darüber angebrachte württembergische Landeskokarde in schwarz-rot die Zugehörigkeit zum Königreich Württemberg anzeigte. Diese doppelte Kokarden-Anordnung war charakteristisch für die süddeutschen Königreiche Bayern und Württemberg, die ihre dynastische Identität innerhalb des Reiches betonten.

Der olivgrün lackierte Schirm entsprach den Vorschriften für Offiziersschirmmützen dieser Periode und unterschied sich deutlich von den schwarzen Lackschirmen der Vorkriegszeit. Diese Änderung war Teil der allgemeinen Tendenz zur Feldgrau-Harmonisierung der Uniform.

Die Vorläufige Reichswehr, in die diese Mütze übernommen wurde, entstand unmittelbar nach der Novemberrevolution 1918. Sie bildete die Übergangsstreitkraft zwischen der kaiserlichen Armee und der durch den Versailler Vertrag regulierten Reichswehr ab 1921. In dieser chaotischen Periode wurden bestehende Uniformstücke weiterverwendet, da die neue Republik nicht über die Ressourcen verfügte, die gesamte Truppe neu auszustatten. Die Weiterbenutzung kaiserlicher Uniformteile war daher üblich, wobei häufig nur die Kokarden ausgetauscht oder modifiziert wurden.

Die Tatsache, dass diese Schirmmütze noch beide Kokarden trägt – Reichs- und Landeskokarde – deutet auf die frühe Phase der Vorläufigen Reichswehr hin, etwa 1919 bis 1920. Später wurden die Landeskokarden systematisch entfernt, da die neue republikanische Reichswehr eine einheitliche, nicht mehr föderale Struktur anstrebte. Das Beharren auf den alten Abzeichen spiegelte sowohl praktische Erwägungen als auch die monarchistische Gesinnung vieler Offiziere wider, die in der Vorläufigen Reichswehr dienten.

Die Seltenheit dieser Mütze erklärt sich mehrfach: Erstens wurde die Friedensuniform M 1915 kriegsbedingt nur in geringen Stückzahlen beschafft, da alle Ressourcen für die Felduniform benötigt wurden. Zweitens überlebten nur wenige Stücke die turbulenten Jahre nach 1918. Drittens dokumentiert gerade diese Mütze den kurzen Übergangszustand der Vorläufigen Reichswehr, bevor die systematische Neuordnung unter dem Versailler Vertrag erfolgte.

Das helle Schweißband und das weiße Seidenfutter entsprechen der Qualität einer Offiziersanfertigung. Offiziere beschafften ihre Uniformen privat bei spezialisierten Militäreffektenfirmen, was höhere Qualitätsstandards ermöglichte als bei der Mannschaftsausstattung. Die Größe von etwa 54 entspricht zeitgenössischen deutschen Maßstäben.

Die erwähnten Tragespuren und Mottenschäden sind typisch für textile Militaria dieser Periode und mindern nicht die historische Bedeutung. Sie bezeugen vielmehr die tatsächliche Verwendung des Stücks während einer der dramatischsten Umbruchphasen der deutschen Geschichte – dem Übergang vom Kaiserreich zur Republik, von der Niederlage zur Neuordnung, von monarchischer Tradition zu republikanischer Realität.