Weimarer Republik Polizei, Bezug für das Feldbett des Polizei-Präsidium Berlin

Aus Leinen, Maße ca. 80 x 180 cm, Markierung "Pol-Präs. Berlin angefert. 1927". Flickstellen, fleckig, Zustand 2.
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140,00

Weimarer Republik Polizei, Bezug für das Feldbett des Polizei-Präsidium Berlin

Der vorliegende Feldbettbezug des Polizei-Präsidiums Berlin aus dem Jahr 1927 ist ein authentisches Zeugnis der Organisationsstruktur und materiellen Ausstattung der deutschen Polizei während der Weimarer Republik (1919-1933). Dieses aus Leinen gefertigte Ausrüstungsstück dokumentiert die Professionalisierung und Standardisierung der Polizeikräfte in der ersten deutschen Demokratie.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Novemberrevolution 1918 musste die junge Weimarer Republik ihre Sicherheitsorgane vollständig neu organisieren. Das Polizei-Präsidium Berlin nahm dabei eine Sonderstellung ein, da die Reichshauptstadt als politisches Zentrum besonderen Herausforderungen gegenüberstand. Die Berliner Polizei war nicht nur für die öffentliche Ordnung zuständig, sondern musste auch regelmäßig bei politischen Unruhen, Demonstrationen und Straßenkämpfen zwischen verschiedenen politischen Lagern eingreifen.

Die Schutzpolizei der Weimarer Republik wurde nach militärischen Prinzipien organisiert, was sich auch in ihrer Ausrüstung widerspiegelte. Die Polizisten waren in Hundertschaften kaserniert untergebracht, was die Notwendigkeit von Feldbetten und entsprechender Ausstattung erklärt. Diese militärähnliche Organisation war eine direkte Folge der turbulenten politischen Verhältnisse der 1920er Jahre, in denen die Polizei häufig als paramilitärische Einheit eingesetzt werden musste.

Das Jahr 1927, in dem dieser Feldbettbezug angefertigt wurde, fiel in eine Phase relativer Stabilisierung der Weimarer Republik. Nach den Krisenjahren der frühen 1920er Jahre mit Hyperinflation, Putschversuchen und politischen Morden erlebte Deutschland zwischen 1924 und 1929 die sogenannten “Goldenen Zwanziger”. In dieser Zeit wurde auch die Polizeiausstattung modernisiert und standardisiert.

Die Kennzeichnung “Pol-Präs. Berlin angefert. 1927” folgte den damaligen Verwaltungsvorschriften für staatliches Eigentum. Jedes Ausrüstungsstück musste eindeutig einer Behörde zugeordnet werden können, um Verluste zu dokumentieren und die Inventarverwaltung zu gewährleisten. Diese Praxis der Markierung war typisch für alle deutschen Behörden der Zeit und ermöglichte eine effiziente Verwaltung der oft knappen Ressourcen.

Die Verwendung von Leinen als Material war Standard für textile Ausrüstungsgegenstände dieser Epoche. Leinen war strapazierfähig, relativ preiswert und in Deutschland gut verfügbar. Die Maße von etwa 80 x 180 cm entsprechen den damals üblichen Dimensionen für Feldbetten, die sowohl in militärischen als auch polizeilichen Einrichtungen genutzt wurden.

Der Berliner Polizeipräsident war in den 1920er Jahren eine Schlüsselfigur der öffentlichen Sicherheit. Bekannte Amtsinhaber wie Albert Grzesinski (1926-1930) prägten die sozialdemokratische Polizeipolitik dieser Zeit. Die Berliner Polizei umfasste in den späten 1920er Jahren etwa 15.000 bis 16.000 Beamte und war damit eine der größten Polizeibehörden Europas.

Die kasernierten Polizeieinheiten wurden in sogenannten Polizeikasernen untergebracht, die über das gesamte Stadtgebiet Berlins verteilt waren. Dort standen den Beamten Gemeinschaftsunterkünfte zur Verfügung, in denen Feldbetten die Standardausstattung bildeten. Diese Unterbringungsform ermöglichte eine schnelle Mobilisierung bei Unruhen und Notfällen.

Die Ausrüstungsvorschriften der Weimarer Polizei waren detailliert geregelt und umfassten neben Uniformen und Waffen auch die gesamte Kasernenausstattung. Die Beschaffung erfolgte in der Regel zentral über das Polizeipräsidium, was die einheitliche Kennzeichnung erklärt. Die Qualitätskontrolle und Inventarisierung waren Teil der Verwaltungsroutine.

Der Erhaltungszustand dieses Objekts mit Flickstellen und Flecken zeugt von tatsächlichem Gebrauch über einen längeren Zeitraum. Dies unterstreicht die historische Authentizität des Stücks und dokumentiert die praktische Verwendung im Polizeialltag. Textilien aus dieser Zeit sind heute selten erhalten, da sie nach 1933 oft weiterverwendet oder entsorgt wurden.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Berliner Polizei grundlegend umstrukturiert. Viele republiktreue Beamte wurden entlassen, und die Polizei wurde schrittweise in den NS-Herrschaftsapparat integriert. Ausrüstungsgegenstände aus der Weimarer Zeit wurden teilweise weiterverwendet, oft aber auch durch neue, ideologisch aufgeladene Symbole ersetzt.

Heute sind solche Alltagsgegenstände der Weimarer Polizei von erheblichem historischem und musealen Wert. Sie dokumentieren die materielle Kultur einer untergegangenen Epoche und ermöglichen Einblicke in den konkreten Arbeitsalltag der Polizeibeamten. Für die Forschung zur Geschichte der Weimarer Republik und ihrer Institutionen sind solche Objekte unverzichtbare Quellen.