Bayern Kavallerie Extradegen (KD) 89 .

Starrer Korb mit bewehrtem Löwen, Kunststoffgriff mit Abplatzungen unterhalb des Knaufes, vernickelte Klinge mit Hohlkehlen, Hersteller "WKC", beidseitig geätztes Treuebandeau, die schwarz lackierte Scheide mit zwei Trageringen, diese nicht zugehörig da etwas länger als die Klinge es erfordert, Alters- und Gebrauchsspuren, sonst aber noch gut erhalten. Zustand 2-
501847
450,00

Bayern Kavallerie Extradegen (KD) 89 .

Der bayerische Kavallerie-Extradegen Modell 1889 stellt ein bedeutendes Beispiel der militärischen Blankwaffenentwicklung im Königreich Bayern während der späten Kaiserzeit dar. Diese Waffe wurde im Zuge der Standardisierung der bayerischen Kavalleriebewaffnung eingeführt und blieb bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 im Dienst.

Das Modell 1889 war speziell für Offiziere und Unteroffiziere der bayerischen Kavallerie vorgesehen. Der Begriff “Extradegen” bezeichnet dabei eine besondere Ausführung, die sich von den regulären Mannschaftssäbeln durch höhere Qualität und aufwendigere Gestaltung unterschied. Die bayerische Kavallerie, die aus traditionsreichen Regimentern wie den Chevaulegers, Ulanen und schweren Reiterregimentern bestand, legte großen Wert auf die Ausstattung ihrer Offiziere mit repräsentativen Waffen.

Ein charakteristisches Merkmal des bayerischen Kavallerie-Extradegens ist der starre Korbgefäß mit dem bayerischen Löwen. Dieses Emblem, der bewehrte (also gekrönte und bewaffnete) Löwe, war das Wappentier Bayerns und symbolisierte die Zugehörigkeit zur bayerischen Armee innerhalb des Deutschen Reiches. Der Korb diente nicht nur dem Handschutz, sondern war auch ein wichtiges Erkennungsmerkmal und Rangabzeichen.

Die Klinge des Modell 1889 war typischerweise mit Hohlkehlen versehen, die das Gewicht reduzierten und gleichzeitig die Steifigkeit erhöhten. Die beidseitige Ätzung mit Treuebandeau war ein weiteres charakteristisches Element bayerischer Offizierswaffen. Das Treuebandeau zeigte häufig Sprüche wie “In Treue fest” oder ähnliche Devisen, umgeben von floralen Ornamenten und militärischen Symbolen. Diese Ätzungen wurden in aufwendigen chemischen Verfahren aufgebracht und vergoldet oder versilbert.

Die Vernickelung der Klinge war eine fortschrittliche Oberflächenbehandlung für die Zeit und bot besseren Korrosionsschutz als die traditionelle Blankverzinnung. Nickelüberzüge wurden ab den 1880er Jahren zunehmend populär und galten als modern und pflegeleicht.

Der Hersteller WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Co.) aus Solingen war einer der renommiertesten deutschen Blankwaffenproduzenten. Das Unternehmen entstand 1883 durch Fusion der Firmen P.D. Weyersberg und Kirschbaum & Co. und belieferte nicht nur die preußische, sondern auch die bayerische Armee sowie zahlreiche ausländische Streitkräfte. WKC-Klingen galten als qualitativ hochwertig und waren bei Offizieren sehr geschätzt.

Die schwarze Lackierung der Scheide war der Standard für Kavalleriescheiden dieser Zeit. Sie bestand üblicherweise aus Stahlblech mit zwei Trageringen zur Befestigung am Wehrgehänge. Die Tragart unterschied sich je nach Truppengattung und Dienstgrad. Kavallerie-Offiziere trugen den Degen an speziellen Portepees und Gehängen, die ebenfalls nach strengen Vorschriften gefertigt wurden.

Der Kunststoffgriff ist ein interessantes Detail, das auf eine spätere Produktionsphase oder eine Reparatur hinweist. Während frühe Ausführungen oft Griffe aus Fischbein, Horn oder Holz mit Wicklung aufwiesen, wurden ab den 1890er Jahren zunehmend moderne Materialien wie Galalith oder andere frühe Kunststoffe verwendet. Diese waren haltbarer und kostengünstiger in der Herstellung.

Im militärischen Kontext diente der Kavallerie-Extradegen sowohl als Waffe als auch als Rangabzeichen und Bestandteil der Paradeuniform. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg verlor die Blankwaffe rasch an taktischer Bedeutung, behielt jedoch ihre symbolische und zeremonielle Funktion.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der bayerischen Armee wurden viele dieser Waffen von ihren Trägern als Erinnerungsstücke behalten oder gingen in Sammlungen über. Heute sind bayerische Kavallerie-Extradegen gesuchte Sammlerstücke, die einen wichtigen Teil der deutschen Militärgeschichte repräsentieren.

Die Erhaltung solcher historischer Objekte ist von großer kulturhistorischer Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Entwicklung, sondern auch handwerkliche Traditionen, regionale Besonderheiten und die politische Geschichte des deutschen Kaiserreichs. Der bayerische Kavallerie-Extradegen Modell 1889 steht exemplarisch für eine Epoche, in der militärische Ausrüstung noch stark von regionaler Identität und handwerklicher Qualität geprägt war.