III. Reich - Offizielles Abzeichen der deutsch/italienischen Teilnehmerdelegation der Faschistischen Organisationen P.N.F. und O.N.D. für ein internationales Gesangstreffen in Siena im Mai 1938
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert eine bemerkenswerte Episode der deutsch-italienischen Beziehungen während der Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus in den 1930er Jahren. Es handelt sich um ein offizielles Teilnehmerabzeichen für ein internationales Gesangstreffen, das im Mai 1938 in der toskanischen Stadt Siena stattfand und von den faschistischen Organisationen Partito Nazionale Fascista (P.N.F.) und Opera Nazionale Dopolavoro (O.N.D.) ausgerichtet wurde.
Die Opera Nazionale Dopolavoro, 1925 gegründet, war eine der wichtigsten Massenorganisationen des italienischen Faschismus unter Benito Mussolini. Sie organisierte die Freizeitgestaltung italienischer Arbeiter und Angestellter und diente als Instrument zur kulturellen und politischen Durchdringung der Gesellschaft. Die O.N.D. organisierte Theater, Sport, Ausflüge, Konzerte und eben auch Gesangsveranstaltungen. Mit über vier Millionen Mitgliedern in den 1930er Jahren war sie eine der größten Freizeitorganisationen Europas.
Der Partito Nazionale Fascista war die 1921 gegründete faschistische Partei Italiens, die von 1922 bis 1943 die alleinige Staatspartei darstellte. Die P.N.F. kontrollierte alle Bereiche des öffentlichen Lebens und unterhielt enge Beziehungen zu allen faschistischen Organisationen im Land.
Das Jahr 1938 markiert einen Höhepunkt der Achse Berlin-Rom, des politisch-militärischen Bündnisses zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien. Nach dem österreichischen Anschluss im März 1938 und vor der Sudetenkrise im Herbst desselben Jahres intensivierten beide Regime ihre kulturellen und propagandistischen Austauschprogramme. Solche Gesangstreffen dienten nicht nur der musikalischen Begegnung, sondern waren wichtige Instrumente der Kulturpropaganda und der ideologischen Verbrüderung beider totalitärer Systeme.
Die Wahl Sienas als Veranstaltungsort war symbolträchtig. Die mittelalterliche toskanische Stadt galt als Inbegriff italienischer Kulturgeschichte und wurde vom faschistischen Regime gerne für repräsentative Veranstaltungen genutzt. Die historische Kulisse sollte die Verbindung zwischen der römischen Antike, dem italienischen Mittelalter und dem modernen Faschismus suggerieren.
Das Abzeichen selbst vereint die zentralen Symbole beider Regime: das nationalsozialistische Hakenkreuz und das Fasces oder Liktorenbündel, das antike römische Symbol, das dem italienischen Faschismus seinen Namen gab. Diese Kombination der Hoheitszeichen auf einem gemeinsamen Abzeichen visualisiert die propagandistische Einheit der beiden verbündeten Diktaturen. Die vergoldete Ausführung und die Emaillierung zeugen von der Wertigkeit, die solchen offiziellen Veranstaltungsabzeichen beigemessen wurde.
Die rückseitige Herstellermarkierung eines italienischen Produzenten bestätigt die offizielle Natur des Abzeichens. Italienische Hersteller von militärischen und paramilitärischen Abzeichen wie Lorioli, Bertoni oder Johnson in Mailand waren für ihre hochwertige Verarbeitung bekannt und fertigten zahlreiche Abzeichen für faschistische Organisationen.
Gesangsvereine und Chorwesen spielten in beiden totalitären Systemen eine wichtige Rolle. In Deutschland waren die Arbeiter-Gesangsvereine bereits in den 1930er Jahren weitgehend gleichgeschaltet worden, und das gemeinsame Singen wurde als Mittel zur Volksgemeinschaftsbildung propagiert. In Italien hatte das Chorwesen ebenfalls eine lange Tradition, die vom Faschismus für seine Zwecke instrumentalisiert wurde.
Solche internationalen Treffen wurden von beiden Regimen akribisch vorbereitet und dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die kulturelle Zusammenarbeit demonstrieren, die ideologische Einheit der faschistischen Bewegungen bekräftigen und nicht zuletzt den Teilnehmern das Gefühl vermitteln, Teil einer großen internationalen Bewegung zu sein. Die Teilnehmerabzeichen waren dabei sowohl Erinnerungsstücke als auch Ausweise der ideologischen Zugehörigkeit.
Aus historischer Perspektive sind solche Abzeichen heute wichtige Dokumente der deutsch-italienischen Beziehungen in der Zwischenkriegszeit. Sie illustrieren, wie beide Regime kulturelle Veranstaltungen für propagandistische Zwecke nutzten und wie sie versuchten, durch symbolische Gesten und gemeinsame Veranstaltungen ihre politische Allianz zu festigen. Das Gesangstreffen in Siena 1938 war nur eines von vielen solchen Ereignissen, doch Abzeichen wie dieses haben die Zeit überdauert und erinnern an eine dunkle Epoche europäischer Geschichte.