Luftwaffe - Hermann-Göring-Sparbuch für Waisen gefallener Flieger gegeben an Kriegsweihnachten 1940

im VIII. Jahre der nationalsozialistischen Revolution, für das Mädchen Elke Kühe des Jahrgangs 1936 aus Neubrandenburg wurden am 24.12.1940 1000.-- RM eingezahlt, das Sparbuch ca. 21x15 cm, geprägter Adler als Reichsmarschall, mit dem Namen beschriftet. Komplett im großen blauen Präsentationsetui, ca. 24,5 x 19 x 2 cm, auf dem Deckel mit Gold gedrucktem Luftwaffen-Adler, innen im Deckel mit großem Eisernen Kreuz 1939. Zustand 2+.
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1.350,00

Luftwaffe - Hermann-Göring-Sparbuch für Waisen gefallener Flieger gegeben an Kriegsweihnachten 1940

Das Hermann-Göring-Sparbuch stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Sozialpolitik und Propagandaarbeit innerhalb der Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese speziellen Sparbücher wurden im Namen des Reichsmarschalls Hermann Göring, der als Oberbefehlshaber der Luftwaffe fungierte, an Waisen gefallener Flieger ausgegeben und repräsentierten sowohl eine finanzielle Unterstützungsmaßnahme als auch ein bedeutendes Propagandainstrument des NS-Regimes.

Die Einrichtung solcher Fonds für Kriegswaisen war Teil eines umfassenden Systems der Kriegsopferversorgung, das das nationalsozialistische Regime etablierte, um die Moral der kämpfenden Truppen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Loyalität der Hinterbliebenen zu sichern. Die Luftwaffe, als jüngste und modernste Teilstreitkraft der Wehrmacht, legte besonderen Wert auf die Versorgung der Familien ihrer Angehörigen. Hermann Göring selbst nutzte diese Programme geschickt zur Selbstdarstellung und zur Stärkung seines Images als fürsorglicher Befehlshaber.

Das vorliegende Exemplar wurde zu Kriegsweihnachten 1940 ausgegeben, einem Zeitpunkt, der strategisch gewählt war. Das Jahr 1940 markierte den Höhepunkt der deutschen Luftüberlegenheit nach erfolgreichen Kampagnen in Polen, Norwegen, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Die Luftschlacht um England war zwar ohne entscheidenden Sieg zu Ende gegangen, doch die Propaganda stellte die Luftwaffe weiterhin als unbesiegbar dar. Die Weihnachtszeit bot einen idealen Rahmen für solche symbolträchtigen Gesten, die Fürsorge und Volksgemeinschaft demonstrieren sollten.

Die Summe von 1000 Reichsmark stellte einen erheblichen Betrag dar. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Arbeiter verdiente zu dieser Zeit etwa 150-200 Reichsmark monatlich. Diese beträchtliche Einlage sollte den Waisen eine gewisse finanzielle Sicherheit für ihre Zukunft bieten und gleichzeitig den Wert zeigen, den das Regime den Opfern seiner Soldaten beimaß.

Die Gestaltung des Sparbuchs und seiner Präsentation war durchdacht und symbolgeladen. Der geprägte Adler als Reichsmarschall auf dem Sparbuch selbst verwies direkt auf Görings höchsten militärischen Rang, den er als einziger Träger in der deutschen Geschichte innehatte. Das große blaue Präsentationsetui mit dem goldgedruckten Luftwaffen-Adler auf dem Deckel unterstrich den zeremoniellen Charakter der Übergabe. Das Eiserne Kreuz 1939 im Deckelinneren symbolisierte Tapferkeit und Opferbereitschaft und verband das Kind symbolisch mit dem militärischen Erbe seines gefallenen Vaters.

Die Formulierung “im VIII. Jahre der nationalsozialistischen Revolution” war typisch für die NS-Zeitrechnung, die 1933 als Jahr Null der neuen Ära betrachtete. Diese sprachliche Konvention sollte den revolutionären Charakter der Machtübernahme betonen und eine neue Zeitrechnung etablieren.

Die personalisierte Beschriftung mit Namen und Jahrgang des Kindes verlieh dem Sparbuch einen individuellen Charakter, obwohl es Teil eines systematischen Programms war. Die Registrierung solcher Waisen diente auch administrativen Zwecken und ermöglichte es dem Regime, die Familien gefallener Soldaten zu erfassen und zu kontrollieren.

Nach 1945 wurden solche Sparbücher zu problematischen Dokumenten. Einerseits repräsentierten sie eine finanzielle Unterstützung für notleidende Kinder, andererseits waren sie untrennbar mit der NS-Propaganda verbunden. Viele dieser Dokumente wurden nach Kriegsende vernichtet oder die darin angelegten Gelder waren durch die Währungsreform 1948 praktisch wertlos geworden.

Heute sind diese Sparbücher wichtige historische Quellen, die Einblick in die Sozial- und Propagandapolitik des NS-Regimes geben. Sie dokumentieren die Verschränkung von tatsächlicher Fürsorge und ideologischer Instrumentalisierung, die charakteristisch für viele nationalsozialistische Sozialprogramme war. Für Militärhistoriker und Sammler sind sie bedeutende Zeugnisse der Alltagsgeschichte des Zweiten Weltkriegs und der komplexen Mechanismen, mit denen das Regime die Loyalität der Bevölkerung zu sichern versuchte.