NSV/DAF Ärmelband "Werkfrauengruppe"

Bevo-Metallfaden gewebte Ausführung, silberne Schrift auf dunkelblau, mit mittelblauen Seitenstreifen. Volle Länge 39 cm mit umgenähten Enden, Zustand 2.
361647
300,00

NSV/DAF Ärmelband "Werkfrauengruppe"

Das vorliegende Ärmelband der Werkfrauengruppe repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der nationalsozialistischen Arbeitsorganisation während des Zweiten Weltkriegs. Diese textile Auszeichnung gehörte zum Uniformsystem der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und ihrer Unterorganisationen, die nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften im Mai 1933 als zentrale Arbeitsorganisation des NS-Regimes etabliert wurde.

Die Werkfrauengruppen waren ein wesentlicher Bestandteil der NS-Frauenorganisationen in Industriebetrieben. Sie wurden im Rahmen der DAF organisiert und dienten der ideologischen Durchdringung der weiblichen Belegschaft in Rüstungsbetrieben und anderen kriegswichtigen Industrien. Besonders während des Zweiten Weltkriegs gewannen diese Gruppen an Bedeutung, als Frauen zunehmend in traditionell männlichen Arbeitsbereichen eingesetzt wurden, um die zum Wehrdienst eingezogenen Männer zu ersetzen.

Die technische Ausführung des Ärmelbandes entspricht der hochwertigen Bevo-Webtechnik, die von der Barmer Bandweberei Vowinkel entwickelt wurde. Diese Fertigungsmethode ermöglichte die Herstellung detaillierter Abzeichen mit Metallfäden, was eine besondere Qualität und Haltbarkeit garantierte. Die silberne Schrift auf dunkelblauem Grund mit mittelblauen Seitenstreifen folgte den Farbstandards der DAF-Organisationen und gewährleistete eine sofortige Erkennbarkeit der Trägerin.

Das Ärmelband wurde am linken Unterarm der Dienstkleidung getragen und kennzeichnete die Trägerin als Angehörige oder Funktionärin einer Werkfrauengruppe. Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) arbeitete eng mit der DAF zusammen, insbesondere bei sozialen und fürsorgerischen Aufgaben in den Betrieben. Die Werkfrauengruppen organisierten nicht nur ideologische Schulungen, sondern kümmerten sich auch um praktische Belange wie Kinderbetreuung, Werkskantinen und soziale Betreuung der Arbeiterinnen.

Die Länge von 39 Zentimetern entspricht der Standardgröße für solche Ärmelbänder und ermöglichte das Anlegen um den Oberarm mit umgenähten Enden zur Befestigung. Die Verarbeitung mit verstärkten Enden sollte die Haltbarkeit im täglichen Gebrauch sicherstellen. Solche Abzeichen waren Teil eines umfassenden Systems von Uniformen und Rangabzeichen, das die hierarchische Struktur der NS-Organisationen auch visuell manifestierte.

Im Kontext der NS-Frauenpolitik spielten die Werkfrauengruppen eine ambivalente Rolle. Einerseits propagierte das Regime das traditionelle Frauenbild der Hausfrau und Mutter, andererseits erforderte die Kriegswirtschaft die massive Mobilisierung weiblicher Arbeitskraft. Die Werkfrauengruppen sollten diesen Widerspruch ideologisch überbrücken und die Frauen für den “totalen Krieg” mobilisieren, während gleichzeitig NS-Wertvorstellungen vermittelt wurden.

Nach Kriegsende 1945 wurden die DAF und alle ihre Unterorganisationen durch die Alliierten aufgelöst. Ärmelbänder wie dieses verloren ihre offizielle Funktion und wurden zu historischen Relikten einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Heute dienen solche Objekte als wichtige Quellen für die historische Forschung über die Organisation und Durchdringung der Zivilgesellschaft im Nationalsozialismus.

Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Uniformteile ist für das historische Verständnis der NS-Zeit von Bedeutung, da sie materielle Zeugnisse eines totalitären Systems darstellen, das alle Lebensbereiche zu kontrollieren und ideologisch zu durchdringen suchte.