Preußen Ringkragen/Brustschild für Unteroffiziere Regiment Gardes du Corps

Um 1912. Das Brustschild aus Tombak mit aufgeschraubtem versilberten Trophäen mit der Königskrone, der Chiffre «♔WII» und den Jahreszahlen «1712 1912», das Zentrum mit der Chiffre «FR» in vergoldeter Ausführung für die Unteroffiziere (bei Mannschaften silber). Komplett mit der Tragekette auf ponceaurotem Stoff. Rückseitig mit drei Trageklammern, mit dem Hersteller «C.E. Juncker Berlin», eingeritzt der Trägername «Kuhl». Zustand 2.
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Preußen Ringkragen/Brustschild für Unteroffiziere Regiment Gardes du Corps

Das Gardes du Corps war eines der prestigeträchtigsten Kavallerie-Regimenter der preußischen Armee und diente als persönliche Leibgarde des preußischen Königs und späteren deutschen Kaisers. Das hier beschriebene Brustschild, auch Ringkragen genannt, repräsentiert ein außergewöhnliches Beispiel der militärischen Auszeichnungen und Uniformteile, die um die Jahrhundertwende im Deutschen Kaiserreich getragen wurden.

Das Regiment wurde ursprünglich 1740 von König Friedrich Wilhelm I. gegründet und erhielt seine endgültige Form unter Friedrich dem Großen. Die Jahreszahl 1712 auf diesem Brustschild bezieht sich jedoch auf eine bedeutende Vorgängereinheit oder ein historisches Ereignis in der Regimentsgeschichte, während 1912 das 200-jährige Jubiläum markiert. Solche Jubiläumsauflagen von Uniformteilen waren im Kaiserreich üblich und wurden zu besonderen Anlässen hergestellt.

Die Chiffre “FR” im Zentrum des Schildes steht für Fridericus Rex (König Friedrich), eine direkte Verbindung zu Friedrich dem Großen, der als einer der bedeutendsten preußischen Herrscher gilt. Dies unterstreicht die historische Kontinuität und Tradition des Regiments. Die aufgeschraubte Chiffre “WII” mit Königskrone bezieht sich auf Kaiser Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 regierte und unter dessen Herrschaft dieses Stück gefertigt wurde.

Das Brustschild besteht aus Tombak, einer Kupfer-Zink-Legierung, die häufig für militärische Ausrüstungsgegenstände verwendet wurde, da sie das Aussehen von Gold imitieren konnte, aber deutlich kostengünstiger war. Das aufgeschraubte Tropaion – ein klassisches Motiv aus Waffen und militärischen Emblemen – ist versilbert, während die zentrale Chiffre vergoldet ist, was die hierarchische Bedeutung der verschiedenen Elemente widerspiegelt.

Die Tragekette auf ponceaurotem Stoff ist charakteristisch für preußische Militäruniformen. Ponceau, ein leuchtend scharlachrotes Rot, war eine der traditionellen Farben der preußischen Armee und wurde häufig für Abzeichen, Kragen und andere Uniformteile verwendet. Die Kette ermöglichte das Tragen des Brustschildes als Teil der Paradeuniform bei zeremoniellen Anlässen.

Der Hersteller C.E. Juncker Berlin war einer der renommiertesten Produzenten militärischer Auszeichnungen und Uniformteile im Deutschen Kaiserreich. Die Firma, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde, war für ihre hochwertige Handwerkskunst bekannt und belieferte die königlichen und kaiserlichen Höfe sowie verschiedene Regimenter. Die Herstellermarkierung auf der Rückseite garantierte Qualität und Authentizität.

Der eingeritzte Name “Kuhl” identifiziert den ursprünglichen Träger dieses Brustschildes. Diese Praxis der Personalisierung war üblich und diente sowohl zur Identifikation als auch zur Verhinderung von Verlust oder Verwechslung der wertvollen Ausrüstungsgegenstände. Unteroffiziere des Gardes du Corps trugen solche Brustschilder als Teil ihrer Galauniform bei Paraden, königlichen Zeremonien und anderen offiziellen Anlässen.

Das Gardes du Corps rekrutierte seine Mitglieder aus dem Adel und besonders verdienten Soldaten. Die Anforderungen waren streng: Neben tadelloser militärischer Leistung mussten die Gardisten auch physische Mindestanforderungen erfüllen, darunter eine beeindruckende Körpergröße. Das Regiment war in Potsdam stationiert und nahm an allen wichtigen militärischen Kampagnen Preußens teil.

Die Uniformierung des Gardes du Corps war besonders prächtig und sollte die Macht und den Glanz der Monarchie repräsentieren. Neben den Brustschildern trugen die Gardisten weiße Kürassieruniformen mit charakteristischen Helmen, die mit dem preußischen Adler gekrönt waren. Bei Paradeuniformen wurden zusätzliche Elemente wie das hier beschriebene Brustschild angelegt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 wurde das Regiment wie alle kaiserlichen Garden aufgelöst. Die Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände wurden entweder von den ehemaligen Trägern behalten oder gingen in private Sammlungen über. Heute sind solche Stücke wichtige historische Zeugnisse der preußisch-deutschen Militärgeschichte und werden von Museen und Sammlern hochgeschätzt.

Der erhaltene Zustand dieses Brustschildes mit seiner kompletten Tragekette und den originalen Befestigungsklammern macht es zu einem besonders wertvollen Beispiel seiner Art. Es dokumentiert nicht nur die handwerkliche Qualität der kaiserlichen Epoche, sondern auch die Bedeutung von Tradition, Hierarchie und symbolischer Repräsentation in der preußischen Militärkultur.