Preußen Waffenrock für einen Sergeanten im 3. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 135

Standort Diedenhofen. Eigentumsstück um 1910. Der Waffenrock aus blauem Stoff mit rotem Stehkragen und Ärmelaufschlägen mit roten Patten mit gelben Vorstößen, die Brustklappen mit roten Vorstößen, kupferfarbene Knöpfe, auf den Schultern eingenäht die gelben Schulterklappen mit in rot eingestickten Einheitsnummern «135», die Ärmelaufschläge und der Kragen mit der breiten goldenen Tresse für Unteroffiziere, am Kragen die großen Wappenknöpfe für den Sergeanten. Innen mit feinem schwarzen Tuchfutter. Schön erhalten, nur der Kragen innen mit einem kleinen Mottenloch, die Tresse am Kragen auf der Oberseite fleckig. Zustand 2.
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Preußen Waffenrock für einen Sergeanten im 3. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 135

Der Waffenrock des 3. Lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 135 repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der preußischen Militäruniform aus der späten Kaiserzeit. Dieses Uniformstück, das um 1910 getragen wurde, verkörpert nicht nur die militärische Tradition des Deutschen Kaiserreiches, sondern auch die komplexe Geschichte der Reichsländer Elsass-Lothringen nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.

Das 3. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 135 wurde am 1. Oktober 1897 in Diedenhofen (französisch: Thionville) aufgestellt, einer strategisch wichtigen Festungsstadt in Lothringen. Das Regiment gehörte zur 33. Division des XVI. Armee-Korps und war Teil der wachsenden militärischen Präsenz des Deutschen Reiches in den nach 1871 annektierten Gebieten. Die Stationierung in Diedenhofen unterstreicht die militärstrategische Bedeutung dieser Region, die als Bollwerk gegen Frankreich diente.

Die Uniform folgt den Adjustierungsvorschriften der preußischen Armee, die eine strikte Standardisierung der Uniformierung vorsahen. Der blaue Grundstoff war charakteristisch für die preußische Infanterie und wurde bereits seit den Reformen der napoleonischen Ära verwendet. Die roten Aufschläge und der rote Kragen dienten als Waffenfarbe, die die Zugehörigkeit zur Infanterie kennzeichnete. Die gelben Vorstöße und Schulterklappen waren spezifische Distinktionsmerkmale, die das Regiment innerhalb der preußischen Armee identifizierten.

Besonders bemerkenswert an diesem Waffenrock sind die Abzeichen des Sergeanten-Dienstgrades. Die breite goldene Tresse an Kragen und Ärmelaufschlägen war das charakteristische Merkmal der Unteroffiziere in der preußischen Armee. Diese Goldborte, auch Litze genannt, unterschied die Unteroffiziere deutlich von den einfachen Mannschaften. Die großen Wappenknöpfe am Kragen waren eine zusätzliche Distinktion für den Rang eines Sergeanten, der in der preußischen Hierarchie eine wichtige Mittelposition zwischen Mannschaften und Offizieren einnahm.

Die Regimentsnummer 135, die rot auf den gelben Schulterklappen gestickt ist, ermöglichte die sofortige Identifikation der Truppenzugehörigkeit. Diese Praxis war essentiell für die Organisation und Verwaltung der kaiserlichen Armee, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Friedenszeiten etwa 600.000 Mann umfasste.

Die Uniformierung der preußischen Armee um 1910 befand sich in einer Übergangsphase. Während der traditionelle dunkelblaue Waffenrock noch für Parade und Ausgehuniform verwendet wurde, hatte sich im Feld bereits die praktischere feldgraue Uniform durchzusetzen begonnen. Diese Entwicklung wurde durch die Erfahrungen moderner Kriegsführung beschleunigt, bei der die auffälligen Farben der traditionellen Uniformen zu erheblichen Verlusten führten. Der hier beschriebene Waffenrock repräsentiert somit eine Uniformtradition, die wenige Jahre später durch den Ersten Weltkrieg grundlegend verändert werden sollte.

Die Verarbeitung und Materialien des Waffenrocks entsprechen den hohen Standards der kaiserlichen Armee. Das feine schwarze Tuchfutter und die kupferfarbenen Knöpfe zeugen von der Qualität militärischer Schneiderarbeit. Die Herstellung solcher Uniformen erfolgte sowohl durch militärische Bekleidungsämter als auch durch zivile Uniformschneider, die nach strengen Vorgaben arbeiteten.

Das Regiment Nr. 135 sollte im Ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle spielen. Als Teil der deutschen Westfront kämpfte es in verschiedenen Schlachten und erlitt erhebliche Verluste. Nach dem Waffenstillstand von 1918 und der Rückgabe Elsass-Lothringens an Frankreich wurde das Regiment aufgelöst, womit auch eine Ära preußisch-deutscher Militärpräsenz in dieser Region endete.

Aus heutiger Sicht sind solche Uniformstücke wichtige historische Artefakte, die Einblicke in die Militärgeschichte, die Sozialstruktur der Armee und die handwerklichen Traditionen des frühen 20. Jahrhunderts bieten. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Organisation des Kaiserreiches, sondern auch die komplexen deutsch-französischen Beziehungen in den umstrittenen Grenzregionen. Der erhaltene Zustand dieses Waffenrocks, mit nur geringen Gebrauchsspuren, macht ihn zu einem wertvollen Zeugnis einer untergegangenen militärischen Welt.