WHW - Abzeichen des Deutschen reiches, Berühmte Baudenkmäler
WHW-Abzeichen "Berühmte Baudenkmäler des Deutschen Reiches"
Die vorliegende Serie von 15 verschiedenen Glasabzeichen gehört zu den charakteristischen Sammelobjekten des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes (WHW), einer der bedeutendsten Sozialorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland zwischen 1933 und 1945. Diese spezielle Serie widmete sich dem Thema “Berühmte Baudenkmäler des Deutschen Reiches” und repräsentiert eine von vielen thematischen Sammlungen, die zur Finanzierung der Winterhilfe herausgegeben wurden.
Das Winterhilfswerk wurde offiziell am 13. September 1933 durch das NS-Regime ins Leben gerufen, wobei es an frühere Wohltätigkeitsprogramme der Weimarer Republik anknüpfte. Die Organisation hatte offiziell zum Ziel, bedürftigen Deutschen während der Wintermonate mit Lebensmitteln, Kohle, Kleidung und anderen lebensnotwendigen Gütern zu helfen. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt, der direkt Joseph Goebbels und dem Propagandaministerium unterstand, entwickelte sich das WHW jedoch schnell zu einem wichtigen Instrument der nationalsozialistischen Propaganda und sozialen Kontrolle.
Die WHW-Abzeichen spielten eine zentrale Rolle im Spendensammlungssystem. Gegen eine “freiwillige” Spende erhielten die Bürger kleine Anstecknadeln, Plaketten oder wie in diesem Fall Glasabzeichen, die sie sichtbar an ihrer Kleidung tragen sollten. Diese Abzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie wiesen den Träger als solidarischen Volksgenossen aus, übten sozialen Druck auf Nichtteilnehmer aus und fungierten als Propagandamittel. Das Nichttragen eines aktuellen WHW-Abzeichens konnte negative soziale und berufliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Die thematische Serie “Berühmte Baudenkmäler” reiht sich ein in die kulturpolitische Strategie des Regimes, das deutsche Kulturerbe zu glorifizieren und ein Bewusstsein für die vermeintliche historische Größe der deutschen Nation zu schaffen. Solche Serien erschienen typischerweise während der jährlichen Winterhilfswerk-Kampagnen, die von Oktober bis März liefen. Jedes Jahr wurden neue thematische Serien herausgegeben, die verschiedene Aspekte deutscher Kultur, Geschichte, Folklore und Geographie abbildeten.
Die Glasabzeichen gehörten zu den qualitativ hochwertigeren WHW-Produkten. Im Gegensatz zu den häufigeren Metallabzeichen oder Pappmarken waren Glasabzeichen aufwendiger in der Herstellung und bei Sammlern besonders beliebt. Sie wurden oft von spezialisierten Glashütten, insbesondere in Thüringen und dem Erzgebirge, produziert. Die Herstellung erfolgte in verschiedenen Techniken, darunter mundgeblasenes Glas, gepresstes Glas und bemaltes Glas. Viele dieser Abzeichen zeigten bemerkenswerte handwerkliche Qualität und Detailtreue.
Die dargestellten Baudenkmäler in solchen Serien umfassten typischerweise bedeutende Kathedralen, Burgen, Rathäuser und andere historische Gebäude aus allen Regionen des Deutschen Reiches. Beliebte Motive waren unter anderem der Kölner Dom, die Wartburg, das Heidelberger Schloss, das Holstentor in Lübeck oder der Nürnberger Schöne Brunnen. Solche Darstellungen sollten regionale Identität fördern und gleichzeitig die Einheit des Reiches symbolisieren.
Das organisatorische System des WHW war bemerkenswert effizient. Straßensammlungen fanden regelmäßig statt, oft an Sonntagen, wobei uniformierte Sammler, darunter viele Angehörige der HJ (Hitlerjugend) und des BDM (Bund Deutscher Mädel), von Tür zu Tür gingen oder an öffentlichen Plätzen standen. Zusätzlich gab es Betriebssammlungen am Arbeitsplatz. Das WHW sammelte während seiner Existenz enorme Summen - Schätzungen zufolge mehrere Milliarden Reichsmark.
Aus heutiger Sicht sind WHW-Abzeichen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie illustrieren die Durchdringung des Alltags durch die NS-Propaganda, die Mobilisierung der Gesellschaft für politische Zwecke unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit und die handwerklichen Traditionen der Zeit. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblick in die Ikonographie, die Materialkultur und die Organisationsstrukturen des Dritten Reiches.
Der Zustand solcher Abzeichen wird nach einer Skala bewertet, wobei Zustand 2 typischerweise geringfügige Gebrauchsspuren, aber ansonsten gut erhaltene Exemplare bezeichnet. Bei Glasabzeichen sind insbesondere Vollständigkeit, Farberhaltung und die Abwesenheit von Rissen oder Absplitterungen relevant für die Bewertung.