Wehrmacht feldgraue lange Diensthose für Unteroffizier und Offiziere der Artillerie

Eigentumsstück, Fertigung aus feldgrauer Gabardine, alle Knöpfe vorhanden, seitlich mit roter Paspelierung, Hosen-Bundumfang ca. 66 cm, Gesamtlänge ca. 117cm. Zustand 2.
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600,00

Wehrmacht feldgraue lange Diensthose für Unteroffizier und Offiziere der Artillerie

Feldgraue Diensthose für Unteroffiziere und Offiziere der Wehrmacht-Artillerie

Die hier beschriebene feldgraue Diensthose mit roter Paspelierung repräsentiert ein charakteristisches Kleidungsstück der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs, speziell für die Artillerietruppe. Diese Hose verkörpert die strenge Hierarchie und das ausgeklügelte Rangabzeichensystem, das die Wehrmacht von anderen zeitgenössischen Streitkräften unterschied.

Die Waffenfarbe Rot war gemäß der Heeresdienstvorschrift (HDv) eindeutig der Artillerie zugeordnet. Diese Tradition wurzelte tief in der preußischen und deutschen Militärgeschichte, wo farbliche Kennzeichnungen bereits seit dem 18. Jahrhundert zur Unterscheidung der verschiedenen Truppengattungen dienten. Die rote Paspelierung an den Außennähten der Hose war nicht nur dekorativ, sondern erfüllte eine wichtige identifikatorische Funktion im komplexen System der Wehrmacht-Uniformierung.

Die Fertigung aus Gabardine, einem dicht gewebten, strapazierfähigen Wollstoff, entsprach den Qualitätsstandards für Offiziers- und Unteroffiziersausstattung. Im Gegensatz zu den einfacheren Uniformen der Mannschaften wurden höhere Dienstgrade mit besseren Materialien ausgestattet. Gabardine bot hervorragende Eigenschaften: wetterbeständig, formstabil und langlebig. Diese Stoffqualität war besonders wichtig, da Offiziere und Unteroffiziere ihre Uniformen häufig selbst beschaffen mussten oder zumindest einen finanziellen Zuschuss erhielten.

Das Unteroffiziers- und Offizierskorps der Wehrmacht bildete das Rückgrat der militärischen Führungsstruktur. Während des Zweiten Weltkriegs wuchs die Artillerie erheblich an Bedeutung. Die Wehrmacht-Artillerie umfasste verschiedene Einheiten, von leichten Feldartillerie-Regimentern bis zu schweren Artillerie-Abteilungen und Küstenartillerie. Die Artillerieoffiziere durchliefen eine intensive Ausbildung, die mathematische Kenntnisse für Ballistik und Feuerleitung sowie taktisches Verständnis erforderte.

Die Uniformvorschriften der Wehrmacht waren in mehreren Dienstvorschriften minutiös geregelt. Die Anzugordnung für das Heer von 1935, mehrfach aktualisiert bis 1945, legte genau fest, wie die verschiedenen Uniformteile zu tragen waren. Die lange Diensthose gehörte zur Ausgehuniform und zum Dienstanzug, während im Feld häufiger Stiefelhosen oder später Keilhosen getragen wurden.

Die Konstruktion der Hose mit einem Bundumfang von etwa 66 cm und einer Gesamtlänge von 117 cm entspricht den damaligen Konfektionsgrößen. Die Hose wurde traditionell mit Hosenträgern getragen, was durch die innere Knopfleiste am Bund ermöglicht wurde. Die feldgraue Farbe (wörtlich “feldgrau”) war seit 1907/1910 die charakteristische Grundfarbe der deutschen Uniformen und löste die auffälligeren Farben der Vorkriegszeit ab. Der genaue Farbton variierte je nach Herstellungszeit und Färberei zwischen einem grünlichen und einem mehr bräunlichen Grau.

Ein wichtiges Detail sind die vollständig vorhandenen Knöpfe, die bei Offiziers- und Unteroffiziershosen üblicherweise aus feldgrau eingefärbtem Metall oder Kunststoff gefertigt waren. Im Laufe des Krieges, besonders ab 1943, führte der zunehmende Materialmangel zu Qualitätseinbußen und Vereinfachungen in der Uniformherstellung. Frühere Produktionen zeigten oft eine höhere Verarbeitungsqualität als spätere Kriegsfertigungen.

Die Beschaffung solcher Uniformteile erfolgte teilweise über das Heeresbekleidungsamt, teilweise aber auch über private Schneidereien, die nach amtlichen Vorschriften arbeiteten. Offiziere hatten die Möglichkeit, ihre Uniformen bei privaten Uniformschneidern anfertigen zu lassen, was zu individuellen Qualitäts- und Passformunterschieden führte. Dies erklärt die Bezeichnung “Eigentumsstück” – im Gegensatz zu Ausrüstung, die vom Staat gestellt und nach Dienstende zurückgegeben werden musste.

Im historischen Kontext dokumentiert diese Hose die materielle Kultur einer der größten Militärorganisationen des 20. Jahrhunderts. Die Wehrmacht-Artillerie spielte in nahezu allen Feldzügen eine entscheidende Rolle, von Polen 1939 über die Westfront bis zur Ostfront. Artillerieoffiziere und Unteroffiziere waren verantwortlich für die Koordination komplexer Feuerunterstützung und die Führung ihrer Einheiten.

Heute sind solche Uniformteile wichtige militärhistorische Dokumente, die Aufschluss über Herstellungstechniken, Materialverwendung, Rangabzeichen und die Organisation historischer Streitkräfte geben. Sie werden in Museen, Sammlungen und für Forschungszwecke bewahrt und helfen, die materielle Realität der Militärgeschichte zu verstehen, jenseits von strategischen und politischen Betrachtungen.

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