Bayern Waffenrock für einen Serganten im 2. Chevaulegers-Regiment Taxis, 5. Eskadron

Standort Regensburg. Eigentumsstück um 1910. Dunkelgrüner Rock mit karmesinrotem Stehkragen, Ärmelaufschlägen und Vorstoß an der Knopfleiste, silberne Knöpfe, am Kragen und den Ärmelaufschlägen die silberne Unteroffiziers-Tresse, dazu am Kragen noch die großen Sergantenknöpfe.  Auf den Schultern rote Schulterklappen eingenäht für den Tagesdienst mit Knöpfen der 5. Eskadron. Innen mit rotem Seiden- und  Tuchfutter. Leicht getragen, Zustand 2. 
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1.200,00

Bayern Waffenrock für einen Serganten im 2. Chevaulegers-Regiment Taxis, 5. Eskadron

Der vorliegende Waffenrock eines Sergeanten des 2. Chevaulegers-Regiments "Taxis" repräsentiert die militärische Uniformtradition des Königreichs Bayern in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Dieses Regiment, das in Regensburg stationiert war, gehörte zu den traditionsreichen Kavallerie-Einheiten der bayerischen Armee und trug den Namen des Fürstenhauses Thurn und Taxis.

Die Chevaulegers bildeten seit dem 18. Jahrhundert eine wichtige Komponente der bayerischen Kavallerie. Der Begriff stammt aus dem Französischen und bezeichnete ursprünglich leichte Reiterei. Im deutschen Sprachraum wurden diese Truppen auch als "Chevauxlegers" bezeichnet. Die bayerischen Chevaulegers-Regimenter entstanden in ihrer modernen Form während der Heeresreformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und wurden nach der Reichsgründung 1871 in die Strukturen des deutschen Kaiserheeres integriert, behielten jedoch ihre bayerische Eigenständigkeit.

Das 2. Chevaulegers-Regiment hatte eine besonders ehrenvolle Geschichte. Es wurde bereits im 18. Jahrhundert aufgestellt und kämpfte in zahlreichen Feldzügen, darunter den Napoleonischen Kriegen und dem Deutschen Krieg von 1866. Die Verleihung des Namens "Taxis" ehrte die enge Verbindung zum Fürstenhaus Thurn und Taxis, einer der bedeutendsten Adelsfamilien Regensburgs.

Der Waffenrock zeigt die charakteristische dunkelgrüne Grundfarbe, die für bayerische Chevaulegers typisch war und sie von den preußischen und anderen deutschen Kavallerieregimentern unterschied. Die karmesinroten Abzeichen – Kragen, Ärmelaufschläge und Vorstoß – waren die Regimentsfarben und ermöglichten die Identifikation der Einheit auf dem Schlachtfeld und bei Paraden. Diese Farbkombination entsprach den bayerischen Uniformvorschriften, die seit den 1860er Jahren mehrfach modifiziert wurden.

Besonders bemerkenswert sind die Rangabzeichen des Sergeanten. Die silberne Unteroffizierstresse am Kragen und an den Ärmelaufschlägen sowie die großen Sergeantknöpfe am Kragen kennzeichnen den Träger eindeutig als Angehörigen des Unteroffizierskorps im mittleren Rang. Der Sergeant (in der bayerischen Armee auch "Sergant" geschrieben) stand in der militärischen Hierarchie zwischen dem Unteroffizier und dem Feldwebel und trug erhebliche Verantwortung für die Ausbildung und Führung der Mannschaften.

Die roten Schulterklappen mit den Knöpfen der 5. Eskadron waren für den Tagesdienst vorgesehen. Ein Kavallerie-Regiment bestand typischerweise aus vier bis sechs Eskadronen, die jeweils etwa 150 bis 200 Mann umfassten. Jede Eskadron bildete eine taktische Einheit mit eigener Identität, die durch spezifische Knöpfe und teilweise andere Details gekennzeichnet war. Die Schulterklappen dienten nicht nur der Identifikation, sondern auch praktischen Zwecken, indem sie die Schultergurte von Ausrüstungsgegenständen festhielten.

Die silbernen Knöpfe entsprachen der bayerischen Tradition, nach der verschiedene Waffengattungen unterschiedliche Knopffarben trugen. Für Chevaulegers waren silberfarbene (weiße) Metallknöpfe vorgeschrieben, während andere Einheiten goldene (gelbe) Knöpfe trugen. Diese Details waren in den königlich-bayerischen Uniformvorschriften genau festgelegt.

Das Innenfutter aus rotem Seiden- und Tuchfutter zeugt von der Qualität dieser Uniform. Waffenröcke für Unteroffiziere wurden aus hochwertigen Materialien gefertigt und waren oft teilweise vom Träger selbst zu finanzieren oder zumindest in besserer Ausführung auf eigene Kosten zu beschaffen. Die rote Seide war nicht nur repräsentativ, sondern auch praktisch, da sie die Haltbarkeit des Rocks erhöhte.

Die Datierung um 1910 platziert diesen Waffenrock in die späte wilhelminische Ära, eine Zeit relativen Friedens, in der die europäischen Armeen ihre traditionellen Paradeuniformen noch in voller Pracht trugen. Nur wenige Jahre später, mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914, sollten diese farbenprächtigen Uniformen durch feldgraue Kampfanzüge ersetzt werden. Die bunten Waffenröcke blieben zwar für Ausgangs- und Paradezwecke erhalten, verloren jedoch ihre praktische Bedeutung.

Das 2. Chevaulegers-Regiment "Taxis" wurde 1914 mobilisiert und kämpfte an verschiedenen Fronten des Ersten Weltkriegs. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Auflösung der Monarchie wurde das Regiment wie alle bayerischen Kavallerie-Einheiten aufgelöst. Die Tradition dieser Einheiten lebt jedoch in der militärhistorischen Forschung und in Sammlungen fort, zu denen Stücke wie dieser Waffenrock gehören.

Solche Uniformstücke sind heute wichtige militärhistorische Dokumente, die nicht nur die handwerkliche Qualität und ästhetische Gestaltung ihrer Zeit widerspiegeln, sondern auch Einblicke in die militärische Organisation, soziale Hierarchien und regionale Traditionen des deutschen Kaiserreichs bieten.