Elastolin - Heer Pfeifer stillgestanden

7,5 cm, Zustand 2-.
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40,00

Elastolin - Heer Pfeifer stillgestanden

Elastolin-Soldatenfiguren: Die deutsche Tradition militärischer Spielzeugproduktion

Die vorliegende Elastolin-Figur eines Heeres-Pfeifers in Stillgestanden-Stellung mit einer Größe von 7,5 cm repräsentiert ein bedeutendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte und militärischer Alltagskultur des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts.

Die Firma Hausser und die Entwicklung von Elastolin

Die Marke Elastolin wurde von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg, Württemberg, entwickelt und ab 1904 als Warenzeichen eingetragen. Die Brüder Otto und Max Hausser revolutionierten die Spielzeugbranche durch die Erfindung eines neuartigen Materials, das aus Kasein, Leim, Holzmehl, Kreide und weiteren Zusätzen bestand. Diese Masse erwies sich als widerstandsfähiger als die bis dahin übliche Papiermaché und ermöglichte detailliertere Modellierungen.

Die Produktion militärischer Figuren begann bei Hausser bereits vor dem Ersten Weltkrieg und erreichte in den 1920er und 1930er Jahren ihren Höhepunkt. Die Figuren wurden zunächst in Formen gegossen, dann handbemalt und mit textilen oder papiernen Elementen ergänzt. Die typische Größe von 7,5 cm entspricht dem Maßstab 1:24, der sich als Standard für die sogenannten “Massefiguren” etablierte.

Der Pfeifer in der deutschen Militärtradition

Der dargestellte Pfeifer repräsentiert eine wichtige Funktion innerhalb der militärischen Hierarchie. Pfeifer und Trommler bildeten traditionell den Kern der militärischen Musikkorps und waren für die akustische Signalgebung im Feld verantwortlich. In der Reichswehr (1919-1935) und später in der Wehrmacht (1935-1945) spielten diese Musiker eine zeremoniell wichtige Rolle bei Paraden, Appellen und militärischen Feiern.

Die Stillgestanden-Stellung, in der die Figur dargestellt ist, entspricht der militärischen Grundstellung gemäß der deutschen Heeresdienstvorschriften. Diese Position wurde bei Appellen, Inspektionen und zeremoniellen Anlässen eingenommen und symbolisiert militärische Disziplin und Ordnung.

Produktion und zeitliche Einordnung

Elastolin-Figuren der Wehrmacht wurden hauptsächlich zwischen 1935 und 1945 produziert, wobei die Produktion während des Zweiten Weltkriegs aus materiellen und arbeitskräftebedingten Gründen stark eingeschränkt wurde. Die Firma Hausser stellte Tausende verschiedener Figurentypen her, darunter verschiedene Waffengattungen, Ränge und Funktionen des deutschen Heeres, der Luftwaffe und der Kriegsmarine.

Die Qualität und der Detailreichtum der Figuren variierte je nach Produktionszeitpunkt. Frühe Figuren aus den 1930er Jahren zeichnen sich durch besonders feine Bemalung und detaillierte Uniformdarstellungen aus, während spätere Kriegsproduktionen einfacher gestaltet waren.

Sammler- und kulturhistorische Bedeutung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion zunächst unterbrochen, jedoch in den 1950er Jahren mit moderneren Themen wieder aufgenommen. Die militärischen Figuren aus der Zeit vor 1945 entwickelten sich zu begehrten Sammlerobjekten, die heute die Uniformgeschichte, militärische Organisation und die materielle Kultur dieser Epoche dokumentieren.

Der Zustand 2- der vorliegenden Figur weist auf eine gut erhaltene Figur mit geringen Gebrauchsspuren hin, was für Objekte dieses Alters und aus diesem empfindlichen Material bemerkenswert ist. Typische Alterungserscheinungen bei Elastolin-Figuren umfassen Farbabplatzer, Risse im Material oder Verformungen durch Feuchtigkeit.

Historischer Kontext und Erinnerungskultur

Diese Figuren müssen im Kontext ihrer Zeit verstanden werden. Sie dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Mittel militärischer Sozialisation und als Abbild zeitgenössischer militärischer Realitäten. Heute sind sie wichtige Zeugnisse für die Erforschung von Kindheitserfahrungen, militärischer Alltagskultur und der Materialkultur des 20. Jahrhunderts.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten ermöglicht Einblicke in die Uniformkunde, militärische Rangabzeichen und die visuelle Repräsentation des deutschen Militärs in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs. Museen und Archive nutzen solche Figuren als dreidimensionale Quellen zur Rekonstruktion historischer Uniformierung und Ausrüstung.