Heer - Urkundengruppe für einen späteren Obergefreiten der 6./Pz.Gren.Lehr-Regt.902 mit dem Panzerkampfabzeichen in Bronze mit Einsatzzahl 75
Die Urkunden sind stark gebraucht.
Diese Urkundengruppe dokumentiert den außergewöhnlichen Kampfeinsatz eines deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs, der vom einfachen Soldaten zum Obergefreiten aufstieg und in verschiedenen Einheiten diente, darunter das Schützen-Regiment 2 der 2. Panzer-Division und später das Panzergrenadier-Lehr-Bataillon 902.
Das erste Dokument bezeugt die Verleihung des Panzerkampfabzeichens in Bronze am 10. Februar 1941 in Wien. Dieses Abzeichen wurde durch die Verordnung vom 20. Dezember 1939 gestiftet und an Angehörige der Panzerbesatzungen und gepanzerter Einheiten verliehen, die an mindestens drei verschiedenen Kampftagen persönlich an Panzerangriffen teilgenommen hatten. Die Verleihung erfolgte durch Generalleutnant Rudolf Veiel, den Kommandeur der 2. Panzer-Division, der selbst am 3. Juni 1940 das Ritterkreuz erhalten hatte. Veiel war ein erfahrener Panzerkommandeur, der seine Division durch die Feldzüge in Polen und Frankreich führte. Die Zugehörigkeit zum Schützen-Regiment 2 weist darauf hin, dass der Soldat bei einer der motorisierten Infanterieeinheiten diente, die eng mit den Panzertruppen zusammenarbeiteten.
Das Verwundetenabzeichen in Silber, verliehen am 7. Juli 1944 in Alzenau, dokumentiert drei Verwundungen des Soldaten. Zu diesem Zeitpunkt diente er bereits im Panzergrenadier-Lehr-Bataillon 902. Das Verwundetenabzeichen wurde am 22. Mai 1939 durch Adolf Hitler gestiftet und in drei Stufen verliehen: Schwarz für eine oder zwei Verwundungen, Silber für drei oder vier Verwundungen, und Gold für fünf oder mehr Verwundungen. Die Verleihung im Juli 1944 fällt in eine kritische Phase des Krieges, als die Wehrmacht nach der alliierten Invasion in der Normandie an allen Fronten unter zunehmendem Druck stand.
Besonders bemerkenswert ist die Verleihungsurkunde für das Verwundetenabzeichen in Gold, ausgestellt am 20. Juli 1945 in Mettingen für fünf Verwundungen, die am 20. Februar 1945 erreicht wurden. Dieses Datum liegt nach der offiziellen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945, was darauf hindeutet, dass die Urkunde in der unmittelbaren Nachkriegszeit von noch bestehenden deutschen Militärbehörden oder Lazaretten ausgestellt wurde. Die fünf Verwundungen zeugen von der extremen Gefährdung und den intensiven Kämpfen der letzten Kriegsmonate.
Das außergewöhnlichste Dokument ist das Besitzzeugnis für die IV. Stufe des Panzerkampfabzeichens in Bronze mit der Einsatzzahl 75, ausgestellt am 19. April 1945. Ab dem 22. Juni 1943 wurde das Panzerkampfabzeichen in gestaffelten Stufen verliehen, wobei für jeweils 25, 50, 75 und 100 Einsatztage besondere Kennzeichnungen in Form von Einsatzzahlen vergeben wurden. 75 Panzerkampftage waren eine außergewöhnliche Leistung, die nur von wenigen Soldaten erreicht wurde. Die Verleihung erfolgte durch einen Major als stellvertretenden Regimentsführer, nur wenige Wochen vor Kriegsende, was die chaotischen Verhältnisse der letzten Kriegstage widerspiegelt.
Das Panzergrenadier-Lehr-Regiment 902 gehörte zur Panzer-Lehr-Division, einer der elitärsten Formationen der Wehrmacht, die im Januar 1944 aus Lehr- und Ausbildungseinheiten aufgestellt wurde. Diese Division vereinte erfahrene Ausbilder und erprobte Soldaten und war mit modernster Ausrüstung ausgestattet. Sie kämpfte in der Normandie, den Ardennen und zuletzt im Ruhrkessel.
Die Urkundengruppe dokumentiert somit eine militärische Laufbahn von mindestens vier Jahren intensiven Kampfeinsatzes, von den frühen Siegen der Wehrmacht 1941 bis zu den verzweifelten Abwehrkämpfen 1945. Der stark gebrauchte Zustand der Dokumente unterstreicht ihre Authentizität und die schwierigen Umstände, unter denen sie aufbewahrt wurden. Sie sind nicht nur Zeugnisse individueller Tapferkeit und Leidensfähigkeit, sondern auch wichtige historische Quellen für die Organisations- und Verwaltungsgeschichte der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.