Kreissieger im Reichsberufswettkampf 1938
Die Kreissieger-Auszeichnung im Reichsberufswettkampf 1938 stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument der nationalsozialistischen Jugend- und Arbeitspolitik dar. Diese Auszeichnung wurde im Rahmen des Reichsberufswettkampfs verliehen, einer der größten Massenveranstaltungen des NS-Regimes zur Mobilisierung und ideologischen Formung der deutschen Jugend.
Der Reichsberufswettkampf wurde erstmals 1934 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) unter Leitung von Robert Ley in Zusammenarbeit mit der Hitlerjugend (HJ) initiiert. Diese jährliche Veranstaltung sollte die berufliche Leistungsfähigkeit der deutschen Jugend fördern und gleichzeitig als Propagandainstrument dienen. Der Wettbewerb richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren, die in verschiedenen Berufsgruppen gegeneinander antraten.
Das Jahr 1938 markierte den fünften Reichsberufswettkampf und fiel in eine Phase der intensivierten NS-Herrschaft. In diesem Jahr erreichte die Teilnehmerzahl mit über 3,5 Millionen jungen Menschen einen Höhepunkt. Der Wettkampf gliederte sich in mehrere Stufen: Betriebswettkämpfe, Kreiswettkämpfe, Gauwettkämpfe und schließlich den Reichswettkampf. Die hier beschriebene Auszeichnung für einen Kreissieger repräsentiert eine mittlere Erfolgsebene, die bereits beachtliche Leistungen voraussetzte.
Die Ausführung aus Buntmetall, teils emailliert, entspricht der typischen Herstellungsweise von NS-Auszeichnungen dieser Periode. Buntmetall, eine Kupferlegierung, wurde aufgrund der zunehmenden Rohstoffknappheit häufig verwendet, da Edelmetalle für militärische Zwecke reserviert waren. Die teilweise Emaillierung verlieh der Auszeichnung eine farbliche Gestaltung, wobei typischerweise die Farben Schwarz, Weiß und Rot des Hakenkreuzbanners sowie das Blau der DAF verwendet wurden.
Der Hersteller G. Brehmer aus Markneukirchen war ein etablierter Produzent von Abzeichen und Auszeichnungen. Markneukirchen im Vogtland war traditionell ein Zentrum der Metallverarbeitung und des Musikinstrumentenbaus. Während der NS-Zeit stellten viele dortige Betriebe ihre Produktion teilweise auf die Herstellung von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen um. Die Kennzeichnung mit dem Herstellernamen auf der Rückseite war üblich und diente der Qualitätskontrolle sowie der Abrechnung mit staatlichen Stellen.
Der Reichsberufswettkampf umfasste praktische und theoretische Prüfungen in über 100 verschiedenen Berufen, von handwerklichen über kaufmännische bis zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Neben der fachlichen Leistung wurden auch “charakterliche” Eigenschaften im Sinne der NS-Ideologie bewertet, einschließlich körperlicher Fitness, weltanschaulicher Schulung und “Volksverbundenheit”. Dies verdeutlicht den Doppelcharakter der Veranstaltung: einerseits Förderung beruflicher Qualifikation, andererseits ideologische Indoktrination.
Die Sieger der verschiedenen Ebenen erhielten nicht nur Auszeichnungen, sondern auch materielle Vorteile wie Geldpreise, Studienbeihilfen oder bevorzugte Einstellungschancen. Dies machte die Teilnahme besonders für junge Menschen aus weniger privilegierten Verhältnissen attraktiv und diente der sozialen Mobilisierung. Gleichzeitig band das System die Teilnehmer emotional und karrieremäßig an das Regime.
Aus heutiger Sicht sind solche Auszeichnungen wichtige historische Quellen zur Erforschung der NS-Jugendpolitik und der Alltagsgeschichte des Dritten Reiches. Sie dokumentieren die umfassenden Bemühungen des Regimes, alle Lebensbereiche zu durchdringen und die Jugend ideologisch zu formen. Sammler und Museen bewahren solche Objekte als Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte, wobei stets der Bildungs- und Aufklärungsauftrag im Vordergrund stehen muss.
Der Reichsberufswettkampf wurde bis 1939 fortgeführt und fiel dann den Erfordernissen der Kriegswirtschaft zum Opfer. Die Auszeichnungen aus dieser Zeit sind heute Erinnerungsstücke an ein System, das die Begeisterung und den Ehrgeiz junger Menschen für verbrecherische Zwecke instrumentalisierte.